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Frischezentrum Frankfurt Händler sehen Großmarkt vor der Insolvenz

Die Stadt Frankfurt blockiert den versprochenen Verkauf. OB-Kandidatin Bernadette Weyland (CDU) stellt sich auf die Seite der Händler - und gegen Marktdezernent Markus Frank (CDU).

Frischezentrum in Frankfurt
Auf den Gängen des Frischezentrums sind Gabelstapler unterwegs. Foto: Peter Jülich

Die Steigen mit Obst und Gemüse türmen sich zu waghalsigen Konstruktionen. Zwischen den Ständen fahren Gabelstapler hin und her. Es ist kalt, der Boden rutschig. Draußen regnet es wie aus Eimern. Die Verkaufshalle des Frankfurter Frischezentrums in Kalbach am frühen Morgen: eine Welt, die der Allgemeinheit nicht zugänglich ist. Doch heute haben die knapp 100 Händler Journalisten eingeladen. Sie schlagen Alarm. Dem 2004 eröffneten Betrieb, der mehrere Millionen Menschen im Rhein-Main-Gebiet versorgt, „droht die Insolvenz“, sagt Geschäftsführerin Silke Pfeffer. 

Die Importeure und Händler mussten vor 13 Jahren aus der traditionsreichen Großmarkthalle im Frankfurter Ostend weichen, als die Europäische Zentralbank das Areal kaufte. Sie gingen nicht freiwillig. Doch sie unterschrieben einen Vertrag, auf den sie jetzt pochen. Er garantiert ihnen ein Ankaufsrecht für das städtische Erbpacht-Grundstück in Nieder-Eschbach.

Die Händler wollen sich selbstständig machen. Und dafür dränge die Zeit, betont Frucht-Importeur Wolfgang Lindner. Denn die hohen Mieten von jährlich 4,4 Millionen Euro, die an die Stadt abzuführen seien, zehrten die letzten finanziellen Reserven auf. „Wir haben ein positives Betriebsergebnis, und dennoch sind die Kassen leer“, schildert Geschäftsführerin Pfeffer die Lage. 
„Wir versorgen Hunderte von Geschäften und Restaurants im Umkreis von 100 Kilometern“, sagt Obst- und Gemüsehändler Ralf Wisser. 

Ein „Letter of Intent“ regelt die Übergabe des Zentrums 

In monatelanger Arbeit haben die Pächter des Frischezentrums und die städtischen Marktbetriebe einen Letter of Intent ausgehandelt. Das Papier regelt die Übergabe des Zentrums an die Händler. 25 Millionen Euro wollen sie an die Stadt für das Grundstück zahlen, mit weiteren zwölf Millionen Euro sollen Darlehen für die riesigen Gebäude abgelöst werden. Doch die Absichtserklärung hängt bei der Stadtregierung fest. Die Sozialdemokraten haben sich im Magistrat quergelegt und den Beschluss verhindert. Deshalb hagelt es am Montagmorgen auch schwere Vorwürfe gegen die SPD. 

Das politisch Pikante: Ausgerechnet die OB-Kandidatin der CDU, Bernadette Weyland, tritt an diesem verregneten Morgen an der Seite der Händler auf. „Wir haben einen Rechtsstaat“, kritisiert sie. „Die Händler brauchen Rechtssicherheit.“ Der Magistrat dürfe nicht weiter blockieren: „Das geht gar nicht!“ 

Ursula Busch, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Römer, reagiert wütend. Sie ist zunächst einmal verärgert darüber, dass die Auseinandersetzung überhaupt an die Öffentlichkeit gerät. „Es hat vertrauliche Gespräche gegeben“, bestätigt sie. Auch Marktdezernent Markus Frank (CDU) ist alles andere als amüsiert über den Vorstoß seiner Parteifreundin. „Das Parlament muss die Möglichkeit haben, eine solche Angelegenheit in vertraulicher Atmosphäre zu besprechen.“ Und Frank fügt hinzu: „Ich muss die SPD-Fraktion in Schutz nehmen.“ 

Aber was ist der Kern des Konflikts? Die Händler wollen das Grundstück des Frischezentrums erwerben – aber nur, wenn die Stadt die geltende Nutzungsbeschränkung aufhebt. Das würde bedeuten: Auf den Flächen könnte theoretisch auch etwas ganz anderes entstehen, wenn die Grundstücke lukrativ verkauft werden. 

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