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Friedensmahnwache "Angst vor Krieg in der Ukraine"

Olav Müller organisiert die Friedensmahnwachen an der Frankfurter Hauptwache. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau spricht er über die angebliche Fremdsteuerung der Massenmedien, Verschwörungstheoretiker und die Anliegen seiner Bewegung.

Olav Müller will linke Politiker reden hören. Foto: peter-juelich.com

Herr Müller, können Sie uns zu Beginn des Gesprächs erläutern, wer die Berichterstattung der Frankfurter Rundschau steuert?
Sie selbst hoffentlich.

Auf den Friedensmahnwachen ist immer die Rede davon, dass die Massenmedien fremdgesteuert werden.
Von mir werden sie das nicht hören. Es ist aber wahr, dass zum Beispiel bei der Berichterstattung über die Ukraine-Krise in der ARD und im ZDF, Landkarten zu sehen waren, auf denen die Krim direkt an die Ukraine anschließt.  Als wäre da kein Wasser dazwischen. Oder die Sache mit den entführten Militärbeobachtern im Osten der Ukraine. Das waren ja keine OSZE-Beobachter und trotzdem wird das immer wieder behauptet. [Tatsächlich handelte es sich um Militärbeobachter gemäß den Statuten des  Wiener Dokuments von  2011 der OSZE – Anm. d. Redaktion]. Wir sehen also, dass es da Widersprüche gibt. Darüber wird man ja noch reden dürfen.

Die Teilnehmer der Friedensmahnwachen beklagen auch, dass sie in die falsche politische Ecke gestellt würden.
Es wird permanent gesagt, dass wir rechts wären. Ich kann 100 Prozent definitiv sagen, dass dem nicht so ist. Ich habe auf meinem Handy ein Video von unserer Frankfurter Mahnwache mit 200 Teilnehmern. Da habe ich gefragt, wer links ist und alle haben die Hand gehoben. Dann schleicht sich irgendwo im Hintergrund eine Sigrid Schüßler von der NPD ein und am nächsten Tag, kursiert davon ein Foto im Internet und muss als Beweis dafür herhalten, dass wir rechts sind.

Macht es Sie nicht nachdenklich, wenn Menschen aus dem rechtsextremen Lager glauben, bei Ihnen inhaltlich anschlussfähig zu sein?
Ich habe bei unserer letzten Veranstaltung extra die Polizei angefordert, um solche Leute von der Veranstaltung ausschließen zu können. Meine Bitte an die Rundschau oder auch beispielsweise an die Antifa ist: Wenn ihr so jemanden seht, dann sagt es uns! Dann machen wir von unserem Hausrecht Gebrauch.

Wieso sollte die Antifa das machen? Ihr Mitorganisator Gunnar Gast hat erst neulich erklärt, man solle mit dem Satz „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, vorsichtig sein, man hätte in Deutschland ja auch schon gesagt, „Judentum ist keine Religion, sondern ein Verbrechen.“ Er hat auf gut Deutsch Antifaschismus und Judenhass gleichgesetzt.
Er hat sich in seiner letzten Rede von dieser Aussage distanziert. Sie müssen sehen: Ich bin seit 30 Jahren politisch aktiv. Diese jungen Leute äußern sich teilweise das erste Mal öffentlich. Da kommt es dann vor, dass sie etwas sagen, was ihnen hinterher Leid tut.

Aber auf allen Friedensmahnwachen wird doch erklärt, dass links und rechts überkommene Kategorien sind.
Das habe ich nie gesagt. Ich bin zum Beispiel in der SPD. Wir haben von Anfang an gesagt, dass Rechte auf unseren Veranstaltungen nichts verloren haben.

Das sehen die Rechten aber anders...
Ich kann den Leute doch nicht in den Kopf gucken. Wenn Sie die kennen, und die Antifa die kennt, warum sagt uns denn niemand etwas? Das verstehe ich nicht. Macht doch diese Friedensbewegung nicht kaputt!

Aber es geht doch um die Inhalte auf ihren Veranstaltungen. Die sind es, die auf Zustimmung bei Rechtsextremen stoßen. Zum Beispiel die Aussage vom Organisator der Berliner Friedensmahnwache,  Lars Mährholz, dass die Federal Reserve an allen Kriegen der letzten hundert Jahre schuld sei.
Herr Mährholz hat hier eine provokante These aufgestellt, die er weder halten kann noch halten will. Er rückt doch schon lange davon ab. Aber, und das sieht die gesamte Friedenbewegung so, wir kritisieren alle Kreditinstitute, die mit Krieg Geld verdienen. Daher  fordere ich alle Linken auf, in dieser Bewegung zu strömen, sie zu unterwandern und sich durchzusetzen.

Vielleicht erläutern Sie uns kurz die Anliegen ihrer Bewegung.
Unser Hauptanliegen ist natürlich Frieden. Wir wollen die Menschen auf die Straße bringen, damit sie für den Frieden einstehen. Wir haben Angst, dass in der Ukraine ein Krieg ausbrechen könnte. Aber wir positionieren uns nicht auf der einen oder anderen Seite des Konflikts. Wir haben weder etwas gegen Amerika noch Russland.

Wer verhindert Frieden?
Jeder Mensch, der versucht hier zu provozieren. Mann muss natürlich sehen, dass es in der Ukraine den rechten Sektor gibt. Die Bilder von Odessa, irritieren mich zutiefst. Da wünschte ich mir eine einheitliche Linie von Europa, die sagt: Bis hierher und nicht weiter.

Auf ihren Demos ist aber immer von irgendwelchen kleinen Gruppen die Rede, die im Hintergrund eskalieren.
Daraus ziehen wir Konsequenzen. Wir können das offene Mikrofon in dieser Form nicht mehr weiterführen. Da sprechen ja Leute, die kennen wir gar nicht. Da erzählt jemand etwas und das wird dann der ganzen Gruppe um die Ohren gehauen.

Aber Sie bieten doch das Podium. Und Verschwörungstheoretiker wie Elsässer und Jebsen dürfen in Berlin, weiterhin auftreten und ihre Theorien verbreiten...
Ich kann unsere Kritiker nur bitten, uns die entsprechenden Stellen zu zeigen, die sie bei Herrn Jebsen für strittig halten. Dann werden wir uns das ansehen, das analysieren und dann kann er bei uns unter Umständen nicht mehr auftreten. Aber sollen wir denn nur noch Nobodys auftreten lassen? Vielleicht wäre das sogar besser. Vielleicht wäre es aber  noch besser, wenn linke Politiker mal den Arsch in der Hose hätten  dort hinzu gehen  und eine Rede für den Frieden zu halten.

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