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Friedensinitiative Rödelheim Nicht vergessen, nicht vergeben

Die Friedensinitiative Rödelheim erinnert in einer Gedenkstunde an die jüdischen Opfer der Nationalsozialisten. Sie setzt sich weiter gegen Rechtsextremismus und Unmenschlichkeit ein.

13.11.2016 19:40
Joel Schmidt
Rund 100 Menschen waren am Sonntag zur Gedenkstunde am Mahnmal der ehemaligen Synagoge in Rödelheim gekommen. Sie gedachten der jüdischen Opfer der Nazis. Foto: Monika Müller

Es ist kalt im Rödelheimer Brentanopark, Wege und Rasenflächen sind vom Laub bedeckt. Dennoch haben sich auf Einladung der Friedensinitiative Rödelheim am Sonntagnachmittag mehr als 100 Menschen zur Gedenkstunde am Mahnmal der ehemaligen Synagoge zusammengefunden, um an die jüdischen Rödelheimer Bürger zu erinnern, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben und ermordet wurden.

Die sich über den Gehweg erstreckende Fläche aus grauen Betonplatten und mehreren hintereinander aufgereihten Betonblöcken hebt sich sichtbar vom Rest der Parkanlage ab. Sie stellt den Grundriss, die Betonblöcke die früheren Sitzbänke der einstigen, 1838 eingeweihten Synagoge auf dem Inselgässchen dar. Nationalsozialisten schändeten sie während der Novemberpogrome 1938, später wandelten sie das Gebäude in ein Wohnhaus um. 1944 wurde es bei einem Luftangriff so schwer beschädigt, dass es abgerissen werden musste.

Geigenspiel ertönt. Nach einer Zusammenfassung der Geschehnisse, die sich nach dem 9. November 1938 in ganz Frankfurt abspielten und die neben den niedergebrannten Synagogen in der Börnestraße, am Börneplatz und in Höchst in der Deportation von 3000 jüdischen Männern in das Konzentrationslager Buchenwald gipfelten, zitiert Elke Klee, ehemalige Pfarrerin der Cyriakusgemeinde, die Auschwitzüberlebende Halina Birnenbaum: „Dinge, die so unaussprechlich gewesen sind, dass man sie nicht vergessen kann, die kann man nicht vergeben.“

1979 wurde im Park eine Gedenkstele aus rotem Sandstein errichtet, die eine dicht zusammengedrückte Gruppe nackter Menschen zeigt. Dabei handelt es sich um Internierte eines Vernichtungslagers, auf dem Weg in die Gaskammer. Darunter befindet sich der Spruch: „Wir ließen zu, dass aus unserer Mitte jüdische Bürger in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.“

Projekt „Die Synagoge sichtbar machen“

Seit 2004 verfolgte der Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim die Idee, zusätzlich zu der an den Holocaust erinnernden Stele, ebenfalls eine Gedenkstätte zur Geschichte des jüdischen Lebens im Stadtteil zu errichten. Das Projekt „Die Synagoge sichtbar machen“ soll dabei einen Bogen spannen. Von der ehemaligen jüdischen Gemeinde und ihrer Geschichte von 1290 bis 1938, die mit ihrer Synagoge immer Teil des Rödelheimer Lebens gewesen ist, bis zur folgenden Zerstörung und Ermordung jüdischer Bürger, wie auf einer Informationstafel des Vereins zu lesen ist.

Eingeweiht wurde die neue Gedenkstätte im vergangenen November. Nur wenige Tage vor dem Jahrestag der Pogrome beschmierten Unbekannte die alte Stele und Teile der neuen Gedenkstätte mit antisemitischen Parolen. Bettina Mandellaub von der Friedensinitiative Rödelheim betont in ihrer Rede, dass mit einer solchen Tat nicht nur die früheren Opfer verhöhnt werden, sondern die Täter damit gleichzeitig eine Drohung an die heute in Frankfurt lebenden Juden aussprechen. „Doch wir sind wachsam gegen Rechtsextremismus und Unmenschlichkeit. Wir lassen es nicht zu, dass jüdische Bürger oder andere Kulturen hier diskriminiert werden.“

In ihren Abschlussworten mahnt die ehemalige Pfarrerin Klee an, dass in Zeiten einer wiedererstarkenden Rechten, welche sich nicht zuletzt im Zulauf von AfD und Pegida ausdrückt, die Lehre des Spruches auf der Gedenkstele nur wie folgt lauten kann: „Wir werden es nicht mehr zulassen.“

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