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Fremdsprachen und Schwerpunkte Jeder Schule ihr eigenes Gesicht

Französisches Abitur, musischer Schwerpunkt oder Chinesisch als dritte Fremdsprache - der Trend zur Profilierung breitet sich vor allem an den Gymnasien aus. Es gibt aber auch Realschulen und Hauptschulen, die versuchen, sich durch besondere Angebote abzuheben.

Spanisch als erste Fremdsprache, französisches Abitur oder ein besonderes Augenmerk auf Naturwissenschaften – immer mehr Schulen bilden Schwerpunkte heraus. Foto: Marijan Murat/dpa

Französisches Abitur, musischer Schwerpunkt oder Chinesisch als dritte Fremdsprache - der Trend zur Profilierung breitet sich vor allem an den Gymnasien aus. Es gibt aber auch Realschulen und Hauptschulen, die versuchen, sich durch besondere Angebote abzuheben.

Zum Beispiel die Ziehenschule: Sie ist seit zehn Jahren Europaschule, bietet Zweisprachigkeit und französisches Abitur an („Abi-Bac“) und hat auch einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt im Programm. „Als Ausgleich“, sagt der stellvertretende Schulleiter Gerhard Dölling, damit das Gymnasium auch für Interessierte an dieser Richtung attraktiv bleibe und sich nicht zu sehr auf Sprachen reduziere.

Sieht man sich bei den Schulen – vor allem den Gymnasien – um, findet man nur wenige, die keinen Schwerpunkt Musik oder Naturwissenschaften aufweisen oder sich nicht mit einem Angebot von vielen oder aber besonderen Fremdsprachen schmücken können. Ist der Druck wirklich so groß?

„Druck würde ich nicht sagen – es ist eher die Lust, sich zu profilieren“, sagt Dieter Sauerhoff, Sprecher des Staatlichen Schulamts Frankfurt. Er begrüßt die Bemühungen um eine vielfältige Schullandschaft in Frankfurt und hält den „Wunsch, der Schule ein Gesicht zu geben“, für eine „spannende Sache“.

Wobei Schwerpunkt längst nicht gleich Schwerpunkt ist. So gibt es etwa eine Reihe von Schulen, die einen Musikschwerpunkt anbieten, und es gibt andere, die das Prädikat „Schwerpunkt Musik“ des Hessischen Kultusministeriums ihr Eigen nennen. Die Musterschule aber hat hier eine besonders herausragende Position: Sie ist das – bislang einzige – Zentrum zur Förderung musikalisch Begabter in Hessen und setzt somit einen ganz besonderen Schwerpunkt in Musik.

Ähnlich ist es bei den Naturwissenschaften: Einen solchen Schwerpunkt nehmen viele für sich in Anspruch, nur zwei Frankfurter Schulen aber dürfen sich „MINT-EC-Schulen“ nennen: Wöhler- und Ziehenschule. Die Auszeichnung bezieht sich auf die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Sie wird unter strengen Richtlinien verliehen und muss regelmäßig neu beantragt werden. Dahinter steckt eine Initiative der Arbeitgeber, die mit dem „Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen“ mehr Nachwuchs für die MINT-Fächer begeistern wollen.

Viele Realschulen machen sich um berufliche Orientierung verdient

Auch die Europaschulen werden nach einem Evaluationsprozess jeweils neu zertifiziert, und zwar alle fünf Jahre. Dabei geht es um die zentralen programmatischen Inhalte: Europäische Dimension und Interkulturelles Lernen, Selbstständiges Lernen und Methodenlernen sowie Innere Organisation und Evaluation der Schule. Hier nimmt das Sprachenlernen eine zentrale Stellung ein. Neben der Ziehenschule gehören Berkersheimer Schule, Liebigschule und Textorschule dazu.

Doch Zertifizierung hin oder her – „die schärfste Evaluation ist immer noch die durch die Eltern“, sagt Sauerhoff. Löse eine Schule ihr Schwerpunkt-Versprechen nicht ein, leide das ganze Vertrauen. „Das macht so eine Schule zwei Jahre, dann ist das vorbei.“

Zwar ist die Profilierung vor allem ein Ding der Gymnasien; es gibt aber auch Realschulen und Hauptschulen, die versuchen, sich durch besondere Angebote abzuheben. Und die Gesamtschulen? Die IGS arbeiteten besonders mit ihren pädagogischen Konzepten, sagt Sauerhoff. Die Carl-von-Weinberg-Schule etwa ist die richtige Wahl für sportlich Hochbegabte. Während Hauptschulen sich besonders um die Vermittlung von Deutschkenntnissen und Integration bemühen, machen sich viele Realschulen um die berufliche Orientierung verdient. Einige setzen aber auch auf ein Sprachenprofil. So beginnt die Fürstenbergerschule mit Französisch; die Anne-Frank-Schule bietet als einzige Frankfurter Realschule Französisch und Spanisch als zweite Fremdsprache an.

Überhaupt Spanisch: Dass diese Sprache längst dabei ist, Französisch abzuhängen, hat sich in der Schullandschaft noch nicht wirklich niedergeschlagen. Als erste Fremdsprache wird Spanisch in Hessen nach Zahlen des Kultusministeriums nur von 155 Schülern gelernt (Französisch: 5693), bei der zweiten Fremdsprache sind es 17040 (Französisch: 100681). Ein spanisches Abitur ähnlich dem „Abi-Bac“, wie man es an der Ziehenschule erwerben kann, ist zumindest in Frankfurt nicht in Sicht.

Fürs Abi-Bac an der Ziehenschule reist jeden Sommer „ein Herr aus Frankreich von der dortigen Schulverwaltung an“, um die Prüfung abzunehmen, wie Vize-Schulleiter Dölling berichtet. 2011 machten knapp 20 Schüler von diesem Angebot Gebrauch und waren somit qualifiziert, ohne weitere Prüfung in Frankreich ein Studium aufzunehmen.

Ähnlich läuft es an der Freiherr-vom-Stein-Schule, wo die Möglichkeit besteht, das Abitur in Italienisch abzulegen (maturità). Dabei arbeitet sie mit der Deutschherrenschule zusammen. „Das ist vernetzte Schullandschaft“, sagt Sauerhoff. „Vielfalt kann auch als Einheit gesehen werden“. F3

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Frankfurt

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