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Fremdenfeindlichkeit Tschüss, Fragida!

Das Scheitern von Fragida zeigt: Frankfurt ist nicht Dresden. Die Debatten um den Islam, Toleranz und den guten Umgang mit Flüchtlingen werden auch in Frankfurt weitergehen, aber im Gegensatz zu Dresden ohne rassistische Scharfmacher. Ein Kommentar.

Antifa-Aktivisten demonstrieren gegen die Gründung des Pegida-Ablegers "Fragida". Foto: peter-juelich.com

Eines darf seit Montagabend als sicher gelten: Frankfurt ist nicht Dresden. Während die Pegida-Bewegung in der sächsischen Landeshauptstadt Tausende mit ihrem schlecht versteckten Rassismus auf die Straße bekommt, sind in der Mainmetropole gerade einmal eine Handvoll Leute daran interessiert, Ressentiments über die angebliche „Überfremdung“ Deutschlands durch zu viele Flüchtlinge und zu viele Muslime auszutauschen. Stattdessen sind schon beim ersten Fragida-Treffen Hunderte Gegendemonstranten auf der Straße, um überwiegend völlig friedlich zu zeigen, dass sie eine offene und vielfältige Gesellschaft wollen.

Auch wenn die Fragida-Initiatoren und die Freien Wähler jetzt die alte Klage von der Diktatur der Political Correctness anstimmen, sind die Startschwierigkeiten von Fragida vor allem eins: Ein gutes Zeichen für das Zusammenleben in Frankfurt. In dieser Stadt ist das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Überzeugung und Religion einfach zu alltäglich, als dass völkisches Geraune vom bedrohlichen Fremden, der „unsere Kultur“ untergraben wolle, noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte. An den meisten Tagen zeigt Frankfurt, dass Vielfalt gelingen kann – und dass es an sich kein Problem ist, dass die Zukunft der deutschen Gesellschaft noch viel mehr Heterogenität bringen wird.

Blamage für Hans-Peter Brill

Der Versuch, einen Pegida-Ableger in Frankfurt zu gründen, darf jedenfalls als gescheitert gelten. Nicht zuletzt haben sich das AfD-Mitglied Hans-Peter Brill und seine Truppe dadurch blamiert, dass der NPD-Kader Stefan Jagsch auf ihrem Treffen war. Denn beide denkbaren Erklärungen sind mehr als peinlich: Entweder war der Rechtsradikale bei Fragida willkommen – oder die Organisatoren waren trotz der öffentlichen Aufregung um Pegida so naiv, dass nicht einmal beim Namen des bekanntesten NPD-Kaders in Hessen ihre Alarmglocken geschrillt haben.

All jenen, die glauben, Pegida rüttele an gesellschaftlichen Tabus, etwa beim Thema Islam, sei gesagt: Diese viel beschworenen Tabus gibt es nicht. Die Barbarei des „Islamischen Staates“ und anderer islamistischer Terrorbanden wird weltweit verurteilt, in Frankfurt wurde zuletzt intensiv darüber gestritten, warum junge Muslime sich von deren blutiger Ideologie angezogen fühlen. Und die muslimischen Gemeinden mussten sich die Kritik gefallen lassen, zu wenig gegen Fanatismus und Antisemitismus in den eigenen Reihen zu tun. Diese Debatten um den Islam, Toleranz und einen guten Umgang mit Flüchtlingen werden auch in Frankfurt weitergehen. Im Gegensatz zu Dresden aber ohne rassistische Scharfmacher. Tschüss, Fragida!

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