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"Freie Bürger" Heidi Munds Versteckspiel

Heidi Mund und ihre "Freien Bürger" rufen erneut zur Mahnwache auf. Dieses Mal auf dem Paulsplatz. Schließlich findet die Mahnwache auf dem Römer statt. Zu sagen haben die 18 "Freien Bürger" jedoch nicht viel. Ein Kommentar.

„Was ist denn hier los?“, rätselte eine Touristin. Foto: Katja Thorwarth

„Meinungsdiktatur und linken Gesinnungsterror“ wollen die Retter des Abendlandes um Heidi Mund bekämpfen. Auf den Paulsplatz haben sie mobilisiert, auf Facebook linke Gegendemonstranten dazu aufgefordert, sich als „die Guten“ zu zeigen und sich auf ihre Seite zu begeben. Dass das Ordnungsamt den Aufmarsch am Ort der Nationalversammlung von 1848 gestattet hat, mag dazu bewogen haben, noch stärker gegen Mund und Anhänger zu mobilisieren. Ein breites Bündnis aus linken Gruppen, Parteien und Gewerkschaften hatte dazu aufgerufen, bereits ab 16 Uhr gegen Fremdenfeindlichkeit auf Frankfurts Straßen zu demonstrieren. „Gegen Hetze und Rassismus“ heißt es zur „Aktionsserie“.

Vorab war ein Demonstrationszug von der Konstablerwache zum Paulsplatz gelaufen und hatte eine Kundgebung auf der Braubachstraße abgehalten. Die Polizei war wieder zahlreich vertreten, auf ein Gehege rund um den Protestort der „Freien Bürger“ hatte man merkwürdigerweise verzichtet. Im Eiscafé rätselten Touristen, was denn das „Military“ am historischen Ort zu suchen hat.

Plötzliche Irritation, als das bereits um 17 Uhr anwesende Grüppchen „Freier Bürger“ vor der Paulskirche ihre Fahne einrollte – und die Zelte erneut vor dem Römer aufschlug – mit freundlicher Unterstützung der Frankfurter Polizei, die den Römer-Zugang weitestgehend absperrte, sodass sich nur wenige Gegendemonstranten einfinden konnten. Dafür waren zahlreiche Touristen vor Ort. Selfies auf dem Römer – und die Polizei machte den Statisten. Diese Strategie kann durchaus irritieren.

Es wird immer bizarrer

Zwischendurch kam es zu Verhaftungen zweier Demonstranten, einer hatte sein Eis auf ein von der Polizei geschütztes Fahrzeug geworfen, das offensichtlich zur Anhängerschaft der „Freien Bürger“ gehört. Mittlerweile sollen die beiden laut Polizei nach Aufnahme der Personalien wieder entlassen worden sein.

Auf dem Römer versammelten sich deutlich weniger Gegendemonstranten als sonst, von linken Aktivisten wurde schließlich zum Verlassen des Platzes aufgerufen. Man wolle die Rechten alleine ihre Hetze verbreiten lassen, hieß es. Deren Gruppe war mittlerweile auf 18 angewachsen, und, auch ein Novum: Es gab keine Reden.

Das könnte daran gelegen haben, dass die wöchentliche Tonanlage zu kostspielig ist. Hier hatte man auf Facebook versucht, Spenden zu akquirieren. Schweigend standen sie also in ihrem Gehege und forderten unter anderem ein Verbot von Blockupy, um gleichzeitig für freie Meinungsäußerung zu plädieren. Ab und an war die Stimme Heidi Munds zu vernehmen: „Lächerlich“, schleuderte sie den wenigen verbliebenen Gegendemonstranten entgegen.

„Was ist denn hier los?“, rätselte eine Touristin in ihr Handy. Es war los, was seit Januar jeden Montag in Frankfurt los ist – nur noch bizarrer als sonst.

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