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"Freie Bürger für Deutschland" Nur noch 40 „Freie Bürger“

Erst Katharinenkirche, dann Roßmarkt, nun der Römer - Heidi Mund und ihre "Freien Bürger für Deutschland" demonstrieren auf dem Römer. Doch Heidi Munds Kundgebung verliert Teilnehmer. Die Gegendemo hat ihre Rede übertönt.

30.03.2015 09:02
Katja Thorwarth, Martín Steinhagen
An der Alten Nikolaikirche hing ein Transparent mit einer Bibelstelle aus dem Buch Moset: "Unterdrückt nicht die Fremden, die bei euch im Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen." Foto: Rolf Oeser

"Deutschland, wach‘ auf!", rief Heidi Mund am Montagabend über den Römerberg, wo sie auch das Verbot von Blockupy forderte und sich über den angeblichen Ruf Frankfurts als „linksfaschistisch-islamistisches Zentrum“ ärgerte. Zuhören wollen ihren Reden immer weniger Menschen: Nur rund 40 „Freie Bürger für Deutschland“ versammelten sich bei der Kundgebung des ehemaligen Frankfurter Pegida-Ablegers auf dem Römerberg. Außerhalb der großräumig Polizeiabsperrung war Mund nicht zu verstehen, sie ging im Lärm Hunderter Gegendemonstranten unter.

Nicht nur die Polizei hatte sich vorbereitet: Von der Brüstung der Alten Nikolaikirche wurde kurz vor Beginn der Kundgebung ein Transparent mit einer Bibelstelle aus dem Buch Mose entrollt: „Unterdrückt nicht die Fremden, die bei euch im Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen“, stand dort in großen Lettern. Auch am Balkon des Römer hing ein, allerdings sehr viel kleineres Transparent, das kaum zu entziffern war, weil der Wind es gegen die Ballustrade wehte. Der Schriftzug „Römerbergbündnis“ war noch zu erkennen.

Rund um die Absperrung versammelten sich nach Polizeiangaben 450 Gegendemonstranten. Einige hatte die Polizei kontrolliert und durchsucht, als sie auf den Römerberg kamen. Als die Kundgebung der „Freien Bürger“ begann, schallte „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!“ über den Platz.

Anders als bisher flogen aber keine Eier. Außer kleinen Rangeleien, als eine Gruppe Pegida-Demonstranten durch die Menge ging, blieb es ruhig. „Ich finde es seltsam, dass das Römerbergbündnis bei der ersten Pegida-Demo eine große Kundgebung veranstaltet und jetzt fast niemand zu sehen ist“, sagte ein Gegendemonstrant. Eine Gruppe junger Frauen versicherte, dass sie weiter gegen die Rechten protestieren würden, „egal, wie die sich jetzt nennen und wie viele die sind“. In Frankfurt sei „für so etwas kein Platz“.

Anmelderin Mund sagte zur schrumpfenden Teilnehmerzahl: Einige hätten sich schlicht verlaufen und wären am falschen Ort, andere hätten zu viel Angst vor dem „Mob“. Aber: „Im Nationalsozialismus hat die Mehrheit auch auf der falschen Seite gestanden“, tröstete sie die anwesenden, darunter auch der Freie-Wähler-Stadtverordnete Wolfgang Hübner.

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