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"Freie Bürger für Deutschland" Heidi Mund singt nicht mehr

Die "Freien Bürger" um Heidi Mund versammeln sich auf dem Frankfurter Römerberg. 40 Anhänger des islamfeindlichen Vereins sind dem Aufruf gefolgt - und ebenso mehrere hundert Gegendemonstranten.

Am 30. März wagten sich die "Freien Bürger" auf den Römer - das Bild ist das gleiche wie die Wochen davor. Foto: Rolf Oeser

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Vieles war anders am gestrigen Montag, als die "Freien Bürger für Deutschland" ihre wöchentliche Mahnwache abhielten. Zwar standen sie wie einst an der Hauptwache vor einer Kirche - vor der Nikolaikirche, die ebenfalls mit einem Transparent für Toleranz warb. Doch mit der großen Bühne auf dem Römerberg schienen sich Heidi Mund und Anhänger keinen Gefallen getan zu haben. Wie ein Grüppchen Wanderprediger wirkten sie vor der historischen Puppenhauskulisse - und noch verlorener als sonst. Eine Reaktion von Seiten der Stadt gegen "den linken Mob" hatten sie gefordert. Von Seiten der Stadt regte sich wie zu erwarten war aber nichts.

"Deutschland, wach‘ auf!", rief Heidi Mund anfangs energisch ins Mikrofon, die "mutige Deutsche", die einfach nicht einsehen will, dass ihre Anhängerschaft in der Mainmetropole stetig schmilzt statt wächst. Vielmehr war denn auch nicht mehr zu verstehen: dass sie ein Verbot von Blockupy forderte und sich erneut über Frankfurt als „linksfaschistisch-islamistisches Zentrum“ aufregte, ging im Rufen und Pfeifen der Gegendemonstranten unter.

Bei denen hatte sich eine Volksfeststimmung breitgemacht, befeuert von einem Unterhaltungsprogramm "Der Partei" auf dem Paulsplatz, die vergeblich versucht hatten, eine Mahnwache auf dem Römer anzumelden. Junge Frauen machten Selfies vor den Polizeibeamten, die wieder zahlreich vor Ort waren. Nur eine Gruppe älterer japanischer Touristen zeigte sich sichtlich irritiert ob des Spektakels, das sich abzuzeichnen drohte.

Völlige Gehirnwäsche

Selbst die Polizei gab sich gelassen und hielt es nicht für nötig, ihre Helme aufzusetzen. Demonstranten wurden zwar am Zugang zum Römer kontrolliert, die mitgebrachten Bierflaschen aber bedenkenlos durchgewunken: "Die habt ihr doch eh nur zum Trinken dabei. Viel Spaß", wird einer der Beamten zitiert. Fast konnte man vergessen, weshalb man eigentlich vor Ort war, wäre da nicht der abgesperrte Brunnen und das die Deutschland- und die German Defence-Fahne schwenkende Grüppchen, das von sich selbst sagt, für "Meinungs- und Demonstrationsfreiheit" eingetreten zu sein.

Erwähnenswert noch, dass am Rande der Veranstaltung eine ehemalige Schülerin Heidi Munds erzählte, diese sei "mal eine richtig gute Lehrerin" gewesen: Der müsse jemand eine "völlige Gehirnwäsche" verpasst haben. Die junge Frau hatte versucht, auf Facebook mit ihrer ehemaligen Lehrerin zu diskutieren, sei aber "sofort geblockt" worden. Derweil beendete Heidi Mund die Veranstaltung, inzwischen war es auch richtig frisch geworden. Die Nationalhymne hat sie zum ersten Mal nicht gesungen.

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