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Freeletics Work-out, wenn Frankfurt noch schläft

Kniebeugen, Liegestützen, Klimmzüge - altbewährte Sportübungen, gebündelt zu fordernden Work-outs in einer Community, die sich via Smartphone-App vernetzt: Freeletics findet immer mehr Fans. In Frankfurt trainieren sie schon am frühen Morgen im Hafenpark.

25.08.2015 17:25
Lena Trautmann
Michael Wünsche (links) absolviert vier- bis fünfmal pro Woche um 6 Uhr morgens sein Freeletics-Work-out mit anderen Sportbegeisterten. Foto: Andreas Arnold

Aphrodite, die Göttin der Liebe, hat das Leben von Michael Wünsche vor eineinhalb Jahren umgekrempelt. Nach einer Stunde und zehn Minuten hatte er sie besiegt und sie ihn. Aphrodite, so hieß das erste Work-out, das Michael Wünsche in die Welt des Trendsports Freeletics katapultierte. „Nach meinem allerersten Work-out war ich zwei Stunden quasi nicht mehr ansprechbar. Trotzdem wollte ich weitermachen. Freeletics hat mich richtig gepackt“, sagt Wünsche.

15 Monate nach dem ersten Kontakt mit der Sportart steht der 45-Jährige um 6 Uhr morgens im neuen Hafenpark beim EZB-Gebäude auf dem Tartanplatz. Bei leichtem Nieselregen rollt er seine Sportmatte aus und checkt auf seinem Smartphone, welches Work-out heute dran ist. Mit anderen Sporthungrigen trifft er sich vier- bis fünfmal die Woche dort. Die Early birds starten gemeinsam mit einem schweißtreibenden Training in den Tag. In kleinen Grüppchen finden sich die Leute für die unterschiedlichen Work-outs zusammen. „In den letzten Monaten sind wir eine richtig gute Gruppe geworden. Hier morgens mit guten Freunden in den Tag zu starten, macht total viel Spaß. Man kann sich gegenseitig motivieren und wir schauen auch, dass neue Leute die Übungen richtig ausführen“, sagt Wünsche.

Von Studenten erfunden

Das Freeletics-Programm wurde 2012 von drei Münchner Studenten erfunden. Dabei setzten sie nicht auf ein total neues Training oder teure Geräte. Stattdessen entwickelten sie anhand altbekannter Übungen wie Kniebeugen, Liegestützen oder Klimmzügen eine Vielzahl verschiedener Work-outs. Diesen verpassten sie Namen griechischer Götter, programmierten dazu eine App und konnten zusehen, wie ihre Idee zum millionenschweren Erfolg wurde. Dabei zielt das Programm auf die Vernetzung der Sportbegeisterten ab, auf die Anerkennung, die sie dazu bringt weiterzumachen.

Auch Wünsche wird von dem Zusammenhalt innerhalb der Gruppe bestärkt. Er wagt sich an diesem Morgen mit drei Kollegen an Schutzgott Hermes heran. Das bedeutet zweimal 20 Meter sprinten, zehn Liegestützen, nach dreißig Sekunden Pause dasselbe noch mal und nach einer weiteren Pause mit einem letzten Sprint abschließen. Das Ganze wird viermal wiederholt.

Weiter hinten auf dem Platz sind Sandra Schneider und Alex Göbel mit dem Work-out Kentaurus beschäftigt. Auf 20 Metern powern sie sich mit zahlreichen Sprüngen und Liegestützen aus. Nach einer halben Stunde ist erst mal eine Pause nötig. Sandra Schneider hat im vergangenen Jahr im September angefangen. Damals noch ohne Smartphone. „Ich habe mir die einzelnen Übungen aus dem Internet auf kleine Zettel geschrieben. Die Jungs hier haben mich total ausgelacht. Es ist also keine Ausrede zu sagen, man hätte die nötige Technik nicht“, sagt sie.

Mittlerweile hat sie jedoch ein Smartphone und kommuniziert damit fleißig mit den anderen Gruppenmitgliedern. „Wir verabreden uns per Whatsapp für den nächsten Tag. In der Freeletics-Community kann ich direkt sehen, was die anderen gerade machen“, sagt sie. Überall auf dem Platz unterbrechen die Leute ihr Training immer kurz, um über den Bildschirm zu wischen. „Das ist schon ein bisschen nervig, die Übungen müssen immer einzeln abgehakt werden. Früher musste man nur einmal am Ende drücken, doch durch das neue Update ist das etwas anstrengender geworden“, sagt Michael Wünsche.

Auch Sandra Schneider findet, dass das Trainieren mit dem Smartphone nicht nur Vorteile bringt, sondern auch Abhängigkeiten entstehen. „Es wird ein gewisser Druck aufgebaut. Letzte Woche war ich einige Male nicht da. Dann bekommt man schon ein schlechtes Gewissen und die Leute hier ziehen einen damit auf, natürlich nur zum Spaß“, sagt sie. Es habe auch schon Zeiten gegeben, wo sie es übertrieben habe mit dem Training. Eine gewisse Suchtgefahr bestehe, aber das sei ihrer Meinung nach bei jeder Sportart so. Man müsse eben lernen auf seinen Körper zu hören. Auch hierbei helfe die Gruppe. Ihr Trainingskollege Harald Schweiger stimmt ihr zu: „Wir passen gegenseitig auf uns auf. Damals habe ich Sandra dazu gebracht, es mal wieder ruhiger angehen zu lassen.“

Nun ist es für die meisten an der Zeit, die Sportmatten wieder einzurollen. Entweder wartet das Büro oder die Kinder, die in die Kita gebracht werden müssen. „Was die einzelnen Leute arbeiten oder woher man kommt, ist hier völlig egal“, sagt Sandra Schneider. Gemeinsam hätten sie jedoch alle, dass sie dank des morgendlichen Trainings deutlich fitter und vitaler in den Tag starteten.

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