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Franz-Böhm-Schule Betroffenen eine Stimme geben

Die Schülerinnen und Schüler der Franz-Böhm-Schule setzen sich im Deutschunterricht mit Nationalsozialistischen Untergrund auseinander. Das Ergebnis ihrer Auseinandersetzung präsentieren die Schüler in einer szenischen Lesung am kommenden Freitag.

06.05.2016 16:50
Laura Henkel
Die Schüler proben für den kommenden Auftritt. Foto: Christoph Boeckheler

Wir wollen nicht euer Geld, wir wollen Aufklärung.“ Dieser Satz fiel bei den Proben für die Lesung der Berufsschulklasse 10AK01 der Franz-Böhm-Schule mehrfach.

Seit Jahresbeginn beschäftigt sich die Klasse im Deutschunterricht mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Das Ergebnis ihrer Auseinandersetzung präsentieren die Schüler in einer szenischen Lesung am kommenden Freitag.

Die Idee dazu stammt von Oliver Fassing, der in der Bildungsstätte Anne Frank die Ausstellung „Es sind noch zu viele Fragen offen – Verhandlungen über den NSU-Komplex“ betreut. „Mit der Lesung wollen wir den Betroffenen der NSU-Mordserie eine Stimme geben“, erklärt er.

Anstoß zur Erarbeitung des Themas aus Perspektive der Opfer gab die gemeinsame Lektüre des Buchs „Unsere Wunden kann die Zeit nicht heilen – was der NSU-Terror für die Opfer und Angehörigen bedeutet“, das von Barbara John herausgegeben wurde.

Darin kommen die Angehörigen der Opfer zu Wort. Sie erzählen, wie die Ereignisse und deren öffentliche Wahrnehmung ihr Leben verändert haben.

„Wir haben jede Woche einen Auszug gelesen, den ich erstmal auf die Schüler wirken gelassen habe“, erläutert die Erziehungswissenschaftlerin Türkân Kanbiçak, die das Projekt anleitet. Die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema durfte nicht zu kurz kommen.

Bei der Lesung werden zunächst Auszüge aus dem Buch vorgestellt. Im Anschluss daran steht die Ermordung von Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in Kassel getötet worden ist, thematisch im Vordergrund.

Mit selbstgeschriebenen Texten lässt die Schulklasse die Familie des Opfers in verteilten Rollen zu Wort kommen. Sie setzte sich auch mit den Reaktionen des direkten Umfelds und der Position der Betroffenen zu den Ermittlungsverfahren der Polizei auseinander.

Das Stück lebt von der spontanen Interaktion der Schüler, die auch bei der Vorbereitung eine große Rolle gespielt hat. „Wir haben im Unterricht viel diskutiert. Die Beschäftigung mit dem Thema hilft, sich in die Betroffenen hineinzuversetzen. Durch unsere Gespräche im Unterricht haben wir immer wieder neue Perspektiven kennengelernt“, erzählt Schülerin Viktoria.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Zentrum des Fritz-Bauer-Instituts und des Jüdischen Museums erarbeitet.

Um ein besseres Verständnis von der Thematik zu vermitteln, führt die „Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU“ außerdem zwei Projekttage mit der Klasse durch, bei denen die Schüler viel über rechtsextreme Ideologien, die Verbindungen von Rassismus und Neonazismus und die NSU-Verwicklungen mit dem Verfassungsschutz lernen.

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