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Frankurt Neue Wände gegen die Kälte

Seit den 90er-Jahren schlafen obdachlose Menschen im Winter in der B-Ebene an der Hauptwache. Jetzt zieht die Notübernachtung ans Eschenheimer Tor.

Obdachlose in der B-Ebene
Obdachlose übernachten in der B-Ebene der Hauptwache (Archiv). Foto: Rheker

Huch, was ist das denn? Da haben die ja was zugemacht!“ Der Lehrer, der mit seiner lärmenden Schulklasse durch die U-Bahn-Station am Eschenheimer Tor läuft, bleibt verdutzt stehen. Zwischen die Säulen, die das weitläufige Untergeschoss abstützen, sind mehrere Holzwände gezogen worden. Mitten in der B-Ebene, zwischen dem Aufgang zur Schillerstraße und dem zur Eschenheimer Landstraße, ist ein abgetrennter Bereich von 15 mal 20 Metern entstanden. Der Lehrer schaut sich kurz um. Da er nirgendwo eine Erklärung für die seltsamen Wände findet, eilt er weiter.

Was bei Passanten derzeit für Verwunderung sorgt, bedeutet einen echten Einschnitt im Frankfurter Hilfssystem für obdachlose Menschen. Seit den 90er-Jahren wurde jeden Winter ein kleiner Bereich der B-Ebene an der Hauptwache als Notübernachtung geöffnet. Obdachlose konnten dort ihre Isomatten auf dem Fußboden ausrollen und von 22 bis 6 Uhr versuchen, trotz Neonlicht ein wenig Schlaf zu finden. Die Einrichtung soll Obdachlose vor dem Erfrieren schützen – bis zu 150 Menschen pro Nacht haben das Angebot in den letzten Jahren angenommen. Vor allem Obdachlose aus Osteuropa, die andere Notunterkünfte der Stadt nicht nutzen dürfen.

Vom kommenden Winter an wird die Notübernachtung nun in die B-Ebene am Eschenheimer Tor verlegt. Zum 1. November sollen die Umbauarbeiten, zu denen die Trennwände gehören, fertig sein. Der stadtnahe Verein für soziale Heimstätten arbeitet noch an einem Konzept für den neuen Standort. Man erhoffe sich durch den Umzug einige Verbesserungen, sagt Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU).

Fester Aufenthaltsraum

Am Eschenheimer Tor sei morgens weniger Betrieb, so dass man die Obdachlosen nicht wie bisher schon vor 6 Uhr wecken müsse. Durch die Trennwände entstehe vor Ort zudem ein fester Platz für das „Wintercafé“, einen warmen Aufenthaltsraum für den Morgen, der im vergangenen Winter testweise an der Hauptwache eingerichtet und sehr gut angenommen worden war.

Man hoffe, dass der Umzug sich in der Obdachlosenszene rasch herumspreche, so Skotnik. Bekannte Obdachlose sollten ab sofort gezielt informiert werden. Bezahlt werde der Umbau aus einem bestehenden Haushaltsposten von 100.000 Euro für die Obdachlosenhilfe. Ganz werde die Summe wohl nicht ausreichen, in kommenden Haushalten werde also mehr Geld benötigt. 

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