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Frankfurter Zoo Trauer im Zoo um Opa Charly

Charly, der wohl älteste Orang-Utan der Welt, ist tot. Der Frankfurter Zoo entschied sich, den Orang-Utan-Mann einzuschläfern. Gelenkschmerzen und das Alter setzten ihm zuletzt zu sehr zu. Das 57 Jahre alte Tier verweigerte zudem Medikamente gegen Schmerzen.

Charly, wie ihn die Zoobesucher kannten. Foto: Zoo Frankfurt/Detlef Möbius

Vor knapp zwei Monaten stand Charly noch sehr lebendig im Mittelpunkt des Interesses. Am Welt-Orang-Utan-Tag strömten die Menschen in den Borgori-Wald des Frankfurter Zoos, betrachteten den roten Ober-Affen – und Charly nutzte ausgiebig die Gelegenheit, einen Blick auf uns zu werfen. Mensch und Affe bestaunten sich gegenseitig. Es war der letzte ganz große Auftritt des mutmaßlich ältesten Orang-Utans der Welt. Am Mittwoch ist er eingeschläfert worden, im Alter von 57 Jahren.

„In den letzten Wochen konnte Charly nicht mehr am Leben der Orang-Utan-Gruppe teilnehmen, er war körperlich zu eingeschränkt“, sagt Zoodirektor Manfred Niekisch. Vorausgegangen seien intensive Untersuchungen und Gespräche zwischen Zooleitung, Veterinärinnen und Pflegern. Den Ausschlag habe die Tatsache gegeben, dass Charly seine Medikamente nicht mehr einnahm, obwohl er große Schmerzen gehabt haben muss: Die Obduktion, sagt Niekisch, habe bestätigt, dass Charlys Gelenke völlig abgenutzt waren.

Dabei war der greise Affe ansonsten noch erstaunlich gut beieinander, die inneren Organe waren in sehr gutem Zustand, wie die Tierärzte betonen, und erst 2012 zeugte er mit Weibchen Rosa das Jungtier Sayang. Es war das 19. Baby in Charlys langer, erfolgreicher Karriere als Vater.

Pflegerschaft „unter Schock“

Geboren wurde der Ur-Orang-Utan vermutlich 1957. Ganz genau weiß man es nicht, denn anders als die meisten Zootiere heutzutage war Charly ein Wildfang. 1962 wurde er nach Stuttgart gebracht, 1978 wechselte er nach Frankfurt und wurde nach und nach zu einer Symbolfigur für den Zoo, ähnlich wie der Kollege Matze, legendärer Anführer der Gorillas. Stundenlang konnten die Leute vor dem Gehege stehen und zusehen, wie Charly und seine Sippe zunächst an den Stangen im Menschenaffenhaus turnten, später komfortabler in der Landschaft des Borgori-Waldes.

In den vergangenen Jahren wurde Charly merklich langsamer, er brauchte Schmerzmittel und andere Medikamente, er hatte Probleme mit dem Kiefer, mit den Gelenken, er nahm ab und hatte immer weniger Appetit. Im Januar noch erzählte der Zootierarzt und Autor Wolfram Rietschel, wie Charly vor Jahren dadurch wieder fit gemacht wurde, dass man ihm sieben Zähne zog: „Daraufhin hat er gleich noch ein Jungtier gebastelt.“

Die Pflegerschaft steht nach dem Verlust „unter einem gewissen Schock“, sagt Zoo-Sprecherin Caroline Liefke. Wie die meisten Besucher kennen viele der Pfleger den Tierpark gar nicht ohne Charly. Sein Körper soll nun an die Wissenschaft gehen, verschiedene Einrichtungen haben bereits Proben erbeten, darunter Senckenberg und das Max-Planck-Institut. Und im Zoo hofft man, dass es nun ein Ende hat mit den Verlusten von Integrationsfiguren. In diesem Jahr starben etwa Flusspferd Maikel und Tiger Iban; die Damen Sirih aus Charlys Affengruppe und Kiri aus dem Löwengehege verließen Frankfurt in Richtung anderer Tierparks.

Einen Nachfolger für Charly will Niekisch auf jeden Fall holen: „Woher er kommt und wer es sein wird, steht aber noch nicht fest.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Zoo Frankfurt

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