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Frankfurter Zoo „Es lassen sich nicht alle Risiken vermeiden“

Nach dem Tod eines Zweijährigen im Frankfurter Zoo: Stefan Schäfer vom Kinderschutzbund Frankfurt über den Schutz von Kleinkindern.

Unglücksfall im Frankfurter Zoo
Die Ermittlungen nach dem Tod eines Kleinkinds im Frankfurter Zoo laufen noch. Foto: dpa

Herr Schäfer, am Freitag ist im Frankfurter Zoo ein Kleinkind gestorben, vermutlich durch einen Unfall. Lassen sich derartige Unglücke vermeiden? 
Zunächst möchte ich zuallererst den betroffenen Eltern mein tiefes Mitgefühl aussprechen. So ein tragischer Unfall ist sicherlich die schlimmste Situation, die man sich für Eltern überhaupt vorstellen kann. Die Frage, ob man solche Risiken generell ausschließen kann, muss man differenziert betrachten. In dem Fall ging es um ein zweijähriges Kind. Mit zwei, drei Jahren sind Kinder in einem Alter, wo die Mobilität zunimmt, die Kinder können sich plötzlich enorm schnell von den Bezugspersonen entfernen, die Neugier wächst, die Kinder wollen die Welt erkunden. Insofern ist das ein Hochrisikoalter, weil gleichzeitig noch keinerlei Gefahrenbewusstsein besteht. Alle Eltern wissen, wie schnell man sein Kind mal kurz aus den Augen verliert.

Was können Eltern denn tun, um Gefahren und Unfälle möglichst zu vermeiden? 
Es lassen sich nicht alle Risiken zu hundert Prozent vermeiden und ausschalten. Eine natürliche Aufmerksamkeit ist selbstverständlich wichtig, und auch zu wissen, dass die notwendige Aufmerksamkeit je nach Alter unterschiedlich ist. Bei einem Säugling, der im Kinderwagen schläft, muss ich aufpassen, dass er nicht herausfällt. Bei einem älteren Kind braucht es unter Umständen weitere Erwachsene, die mit Verantwortung übernehmen.

Welche Orte sind besonders gefährlich für Kinder? 
Ich würde das nicht am Ort festmachen. Wenn man einen Fischteich oder ein Schwimmbecken im Garten hat, erfordert das natürlich spezifische Sicherheitsmaßnahmen. So sollte beispielsweise jede Wohnung mit kindergesicherten Steckdosen ausgerüstet sein, das sind alles so Dinge, die aus dem Alltag ja auch bekannt sind.

Was sollten Unbeteiligte und Passanten tun, wenn sie ein Kind in einer potenziell gefährlichen Situation bemerken? 
Wenn man sieht, dass ein zweijähriges oder vierjähriges Kind alleine durch den Park oder auf der Straße läuft, dann sollte man diese Situation in jedem Fall beobachten und schauen, ob sich eine Gefahrensituation ergeben kann. In dem Fall kann man das Kind vorsichtig ansprechen und fragen, ob die Eltern in der Nähe sind. Wenn ein kleines Kind allein auf der Straße ist, sind die Eltern in der Regel nur nebenan, zum Beispiel beim Bäcker, bezahlen gerade die Brötchen und sind kurz abgelenkt. Wenn dann auch andere mit aufpassen, ist schon viel geholfen. Man muss aber nicht jedes Kind sofort an die Hand nehmen und wegziehen. Das kann auch eine Form von Übergriffigkeit durch Fremde sein, vor der Kinder heute eher gewarnt werden.

Besonders riskant wird es wahrscheinlich, wenn man mehrere Kleinkinder gleichzeitig im Blick behalten muss. Was tun Erzieherinnen und Erzieher, um etwa bei Krippen-Ausflügen den Überblick zu behalten? 
Ich glaube, Erzieherinnen wissen ganz gut um die besondere Problematik und die Anforderungen. So ein Ausflug muss natürlich mit ausreichend Personal begleitet sein, den kann man nicht alleine machen. Es ist heute auch Standard, dass die Kinder Leuchtwesten anhaben, so dass sie jederzeit leicht zu identifizieren sind. Kinder müssen experimentieren, sie müssen die Welt erkunden und sie müssen beispielsweise wissen, wie sich ein Blatt anfühlt und wie es riecht. Es wäre gut, wenn dann im Garten entweder keine giftigen Pflanzen wachsen oder Kinder nicht an diese herankommen. Deshalb müssen Kinder geschützte Räume haben, in denen sie sich entfalten und entwickeln können.

Ist es aus Ihrer Sicht schädlich für Kinder, wenn Eltern zu ängstlich und vorsichtig sind? 
Zumindest würde ich sagen: Kinder brauchen auch Freiraum. Ohne ihre eigenen Entdeckungen können Kinder nicht lernen, und man kann das Lernen nicht immer für die Kinder aufbereiten. 

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