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Frankfurter Wasserhäuschen „Das Kulturgut anerkennen“

Linie-11-Vorsitzender Oliver Tepper im FR-Interview zum Streit über die Wasserhäuschen-Pachterhöhung.

Linie 11-Aktivisten
Oliver Tepper (rechts) mit Linie-11-Vorstandskollege Frederick Löbig. Foto: peter-juelich.com

Herr Tepper, wie bewertet die Linie 11 den Stand der Dinge, nachdem der Oberbürgermeister sich am Freitag für die Wasserhäuschen und gegen massive Pacht-erhöhungen eingesetzt hat?
Die Resonanz nach diesem Termin war zunächst sehr groß. Durch den Besuch des OB hoffen wir, dass die zuständigen Ämter, sprich: Liegenschaftsamt, und Wirtschaftsunternehmen, also die Radeberger-Gruppe, in eine konstruktive Diskussion einsteigen. Es wäre schön, wenn die Pächter an dieser Diskussion teilnehmen könnten.

Erwarten Sie, dass schnell Taten folgen?
Der OB hat ja sehr öffentlichkeitswirksam seine Unterstützung zugesichert, daran wird man ihn messen. Es gilt abzuwarten, wann das Thema innerhalb der zuständigen Ämter auf den Tisch kommt. Wir werden von der Stadt auf dem Laufenden gehalten – ansonsten gibt es eine zweite Welle des Protests von Betreibern und der Wasserhäuschenlobby.

Wie soll eine Einigung aussehen?
Wir wünschen uns einen Kompromiss, mit dem die Pächter leben und überleben können. Und von allen Verantwortlichen künftig mehr Feingefühl und Flexibilität. Politik und Behörden sollten sich zu einer Stadt bekennen, die sich bisher immer durch Vielfalt ausgezeichnet hat – und dafür sorgen, dass das so bleibt, dass Frankfurt nicht nur für Unternehmen attraktiv wird, sondern auch für die Menschen eine lebenswerte Stadt bleibt. Zudem könnten sich Pächter weiter organisieren, um besser im Stadtbild vertreten zu sein. Wir haben vieles mit unserer Lobbyarbeit angestoßen, die Szene ist mittlerweile gut vernetzt. Es wäre schön, wenn diese Szene weiterhin ihre Power bündelt.

Was muss sich im Umgang mit den Wasserhäuschen ändern?
Wir wünschen uns von Radeberger, dass das Unternehmen den eigentlich Wert seiner Wasserhäuschen erkennt. Dass den Kaufleuten bewusst wird: Das sind ihre Verkaufspunkte. Hier werden Themen des Alltags diskutiert, während ihr Name auf den Flaschen steht. Hier können sie sich als Unternehmen zeigen und um Sympathie werben, ohne viel Aufwand. Radeberger sollte gemeinsam mit den Betreibern diesen Schatz erhalten. Wir sagen: Sorgen Sie besser dafür, dass die Gebäude in einem entsprechenden Zustand sind. Unterstützen Sie, anstatt einzufordern. Setzen Sie sich ein; es wird Ihnen auf unterschiedlichste Weise gedankt werden. Ein einfaches Weiterreichen einer solchen Erhöhung lassen wir schlichtweg nicht gelten.

Das haben Sie auch in einem Kommentar zur Lage betont. Was braucht es, um den Wert der Büdchen zu verdeutlichten?
Es ist wichtig, die Wasserhäuschen als Frankfurter Kulturgut anzuerkennen. Der Erhalt der Bausubstanz, Denkmalschutz und vor allem die Einbindung der Pächter spielen da eine große Rolle. Viele Pächter halten ihre Büdchen unentgeltlich in Schuss. Auch dabei sollten die Betreiber besser unterstützt werden.

Was ist mit all den anderen Büdchen? Zahlen die Betreiber weniger Pacht? Müssen sie auch Erhöhungen befürchten?
Nicht alle Büdchen stehen auf städtischer Fläche. Viele Wasserhäuschen und Kioske werden von privat vermietet und unterliegen den jeweiligen Mietbedingungen. Aber auch diese Büdchen sind nicht vor massiven Mieterhöhungen geschützt. Stichworte wie Gentrifizierung, die wir ja von den Veränderungen beim Wohnungsbestand kennen, machen auch unter den Betreibern die Runde. Mietanpassungen in einem angemessenen Rahmen sind ja okay, aber nicht in dieser utopischen Höhe.

Sie haben voriges Jahr mit Partnern den ersten Frankfurter Wasserhäuschentag organisiert und als schönen Erfolg gefeiert. Hätten Sie gedacht, ein Jahr später vor solchen Problemen zu stehen?
Der Wasserhäuschentag im August 2017, das war ein ganz besonderes Gefühl. Da sahen wir uns in unserem Wirken als Verein bestätigt. Die Resonanz zeigte uns: Frankfurt hat eine lebendige, liebenswerte Wasserhäuschengemeinschaft. Das müssen wir stärken – auch mit einem Wasserhäuschentag 2019.

Interview: Thomas Stillbauer

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