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Frankfurter Volkstheater Abschied von Gisela Dahlem-Christ

Gisela Dahlem-Christ, die Tochter der berühmten Volksschauspielerin Liesel Christ, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Die letzte Intendantin des Frankfurter Volkstheater am Großen Hirschgraben kämpfte für dessen Erhalt und das Erbe ihrer Mutter.

Gisela Dahlem-Christ: Sie konnte das Ende des Frankfurter Volkstheaters nicht verhindern. Foto: christoph boeckheler*

In den letzten Jahren klang im Gespräch bei ihr oft Verbitterung durch. Gisela Dahlem-Christ, die Tochter der berühmten Volksschauspielerin Liesel Christ, konnte es nicht ertragen, dass das Lebenswerk ihrer Mutter so ein schmähliches Ende fand. Am 25. Mai 2013 hatte das Frankfurter Volkstheater am Großen Hirschgraben seine letzte Vorstellung gespielt. Am 14. Dezember ist seine letzte Intendantin Gisela Dahlem-Christ gestorben, wie erst gestern durchsickerte. Sie wurde nur 72 Jahre alt.

Dahlem-Christ warf der Stadt Frankfurt und namentlich Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) vor, das Mundarttheater im Stich gelassen zu haben. „Man hat uns jede Hoffnung genommen.“ Tatsächlich waren die Rückendeckung und die Resonanz für das Volkstheater in der Stadtgesellschaft zuletzt stark zurückgegangen. Die Bühne hatte mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

1996, als Liesel Christ gestorben war und ihre Tochter das Erbe übernommen hatte, war das so dramatisch noch nicht absehbar. Nach der Gründung des Theaters 1971 hatte es eine Blütezeit erlebt, namhafte Schauspieler wie Günter Strack und Unterhalter wie Heinz Schenk hatten auf der Bühne im Cantatesaal gestanden. Der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) förderte das Theater nach Kräften.

Bis 2011 kamen insgesamt 3,6 Millionen Besucher. Es gab mehr als 10 000 Vorstellungen und 260 verschiedene Inszenierungen. Langjähriger künstlerischer Leiter war bis 2007 Wolfgang Kaus.

Der Versuch, danach den Kabarettisten Michael Quast zum neuen künstlerischen Leiter des Volkstheaters zu machen und so für eine Erneuerung zu sorgen, schlug fehl – zu unterschiedlich waren die Vorstellungen der Theaterchefin und des Trägers des Deutschen Kleinkunstpreises.

Bis zuletzt hatte Dahlem-Christ für den Erhalt der Mundarten gekämpft. Noch im September dieses Jahres hatte sie eine Liesel und Gisela Christ-Stiftung zur Förderung der Vielfalt der Sprachlandschaft gegründet. Sie soll Dialekte und regionale Umgangssprachen erhalten helfen.

Im Gegensatz zu ihrer Mutter hatte Dahlem-Christ keinen eigenen schauspielerischen Ehrgeiz entfaltet. Sie war als Assistentin an der Seite ihrer Mutter gewesen und nach deren Tod in der Rolle der Theater-Prinzipalin aufgegangen. Am gestrigen Dienstag wurde die letzte Intendantin des Volkstheaters in aller Stille beigesetzt, wie es ihr Wunsch gewesen war.

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