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Frankfurter Tiertafel Ein Leckerli für die Tiertafel

Der Verein versorgt Tiere, deren Halter das finanziell nicht mehr leisten können. Im Kaisersaal nimmt er die Walter-Möller-Plakette und viel Lob entgegen.

Frankfurter Tiertafel
Die Frankfurter Tiertafel erhält die Walter Möller-Plakette 2018. Foto: Michael Schick

Vierbeiner im edlen Frankfurter Kaisersaal? Tiere? Karl der Große dreht sich wahrscheinlich in seinem Schrein im Aachener Dom herum. Aber damit nicht genug – Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) sorgt am Montag nach eigenen Worten für einen „Skandal“, als er das Tier auch noch mit Leckerlis füttert. Willy ist das alles egal. Der beigefarbene Hund, seines Zeichens ein Puggle, also eine Mischung aus Beagle und Mops (englisch: Pug), möchte jetzt bitte in Ruhe an der Ehrung für die Frankfurter Tiertafel teilnehmen.

Die erhält nämlich im feinen Saale die Walter-Möller-Plakette, eine der höchsten Ehrungen der Stadt für Leute, die sich ums Gemeinwohl verdient gemacht haben. Aber Moment – macht sich die Tiertafel nicht um Tiere verdient? Inge Böhm vom Vereinsvorstand drückt es so aus: „Es ist notwendig, dass wir die Menschen unterstützen, indem wir die Tiere unterstützen.“ Wer wenig Geld, aber einen großen Hund oder zwei, drei Katzen versorgen müsse, für den werde es finanziell mitunter „verteufelt eng“.

Sie gibt es schließlich auch in Frankfurt: Menschen, die nicht genug Geld haben, um ihr Tier ausreichend zu ernähren und regelmäßig zum Arzt zu bringen. Menschen, die zu alt oder zu krank sind, um ihr Tier zu versorgen – oder beides. Menschen, deren einzig verbliebener Freund vier Beine oder zwei Flügel hat – ihr Lebensmittelpunkt.

4000 Tiere bevölkerten die Kartei der Tiertafel, seit sie 2007 in einer Sachsenhäuser Hausmeisterwohnung die Arbeit aufnahm. 700 „aktive“ Schützlinge sind es zurzeit, da der Verein inzwischen an der Ludwig-Landmann-Straße sein Lager betreibt, aus dem er die Tiere regelmäßig mit Futter versorgt. Der Vorstand mit Conny Badermann, Uschi Pinsker und Inge Böhm legt sich beinahe übermenschlich – mit anderen Worten: tierisch – ins Zeug, um den oft stark mobilitätseingeschränkten Menschen bei der Versorgung zu helfen. Ein Gesundheitscheck aller angemeldeten Tiere ergab, dass viele Spezialfutter brauchen; das lastet auf dem Budget des Vereins, der monatlich 20.000 Euro für Futter aufwendet und die Tierarztkosten obendrauf. Da helfen die 10.000 Euro, die es zur Möller-Plakette dazugibt. Das Gros der Hilfe finanziert die Tiertafel dank Spendern und Benefizveranstaltungen.

Zur feierlichen Plakettenverleihung spielt eine Band der Musikhochschule. Zoodirektor Miguel Casares ist unter den Gratulanten, und irgendwie auch Mahatma Gandhi. Die Größe einer Nation könne man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt, zitiert ihn Siegler. Und lobt die Tafel: „Sie schaffen es, auch dort zu helfen, wo das öffentliche System an seine Grenzen kommt.“

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