Lade Inhalte...

Frankfurter Radwege „Falschparken ist ein massives Problem“

Als Radfahrer durch Frankfurt - da läuft einiges ganz gut, aber vieles nervt. Bertram Giebeler vom ADFC über das Radeln in der Stadt.

Zugeparkter Fahrradweg
Zugeparkte Fahrradwege sind nicht nur ärgerlich, sondern unter Umständen auch lebensgefährlich. Foto: imago

Radverkehrsförderung in Frankfurt – ein bisschen wie die Frankfurter Eintracht: Dümpeln im vorderen Mittelfeld und immer die gleichen Schwächen.

Platz 12 von 39 beim ADFC-Fahrradklimatest – das ist doch gar nicht so schlecht, viel besser als Berlin (Platz 36 von 39), also was gibt’s da zu nörgeln? So kann’s doch bleiben, oder? Ginge Eintracht-Trainer Niko Kovac mit so wenig sportlichem Ehrgeiz an die nächste Saison heran, wäre ein ernstes Gespräch mit dem Vorstand der Eintracht fällig.

Frankfurt hat das Potenzial zu einer Fahrradstadt. Es ist kompakt bebaut und relativ flach, und für die ohnehin preisgünstige Radverkehrsförderung hat es das nötige Geld. Das umweltfreundliche und vor allem platzsparende Verkehrsmittel Fahrrad muss in einer wachsenden und dichter werdenden Stadt unbedingt einen größeren Anteil am Verkehrs-Mix bekommen – 25 Prozent am „Modal Split“ im Jahr 2025 statt heute etwa 16 bis 17 Prozent, also jedes Jahr ein Prozent mehr. Das ist keine Utopie, das ist nur realistisch.

Die genaueren Ergebnisse des Fahrradklimatests helfen herauszufinden, welche Stärken weiter zu fördern und welche Schwächen abzustellen sind. Beginnen wir mit den Stärken. Bundesweit Spitze ist Frankfurt, bravo, bei der Öffnung der Einbahnstraßen in Gegenrichtung. Gut beurteilt wird die Mitnahme im öffentlichen Nahverkehr. Prima, aber das muss jetzt noch durch ein genauso gutes Bike-and-Ride-System ergänzt werden. Gut beurteilt wird die Erreichbarkeit der City per Fahrrad. Liebe Geschäftsleute, freut euch darüber, denn Radfahrer sind gute Kunden.

Nun zu den Schwächen. Dem hohen Diebstahlsrisiko kann die Stadt kurzfristig etwas beikommen mit möglichst vielen festen Abstellbügeln. In Stadtteilen wie dem Nordend oder Sachsenhausen darf das auch mal einen Parkplatz kosten. Schlecht beurteilt wird – nicht verwunderlich – die Breite der Radwege. Dann soll die Stadt doch wenigstens alle zu schmalen Radwege aus der Benutzungspflicht nehmen. Ein Ärgernis ist seit Jahren die Führung des Radverkehrs an Baustellen. Jeder Alltagsradler kennt das. Die Stadt muss bei der Baustellenüberwachung nachrüsten, auch personell.

Kommen wir zum massivsten Schwachpunkt Frankfurts für seine Radfahrer: das notorische Falschparken auf Radwegen, Radstreifen und Schutzstreifen. Dieses Problem wird von Jahr zu Jahr krasser. Alle positiven Entwicklungen der letzten Jahre – die zahlreichen Markierungslösungen mit Schutz- und Radstreifen – werden dadurch gefährdet.

Ein Radstreifen, bei dem ich auf einem Kilometer fünf mal unter echter und nicht nur gefühlter Lebensgefahr nach links in den vorbeibrausenden Verkehr ausweichen muss, ist funktionell vernichtet.

Knöllchenverteilen reicht da nicht, erst recht nicht auf die halbherzige Art, wie das hier in Frankfurt passiert. Die wichtigsten Radstreifen in Frankfurt müssen mit Pollern geschützt werden. Wenn dafür hier und da am rechten Fahrbahnrand Parkplätze entfallen, dann ist das eben so. Sicherheit geht vor.

A propos Sicherheit: Diese wird von den Radfahrern in Frankfurt deutlich schlechter bewertet als die Gesamtnote. Nun gut, in einer Stadt mit 350 000 Einpendlern ist der Straßenverkehr nun mal kein Ponyhof. Es wäre aber viel gewonnen, wenn sich die Stadt von einem Grundsatz leiten ließe: entweder den nötigen Platz für den jetzigen – und künftigen – Radverkehr schaffen oder wenigstens das Tempo des Autoverkehrs reduzieren. Oder kürzer: Radweg oder Tempo 30! So käme Frankfurt weiter auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Radfahren in Frankfurt und Rhein-Main

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum