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Frankfurter Polizeipräsident Mehr Jurist als Polizist

Der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel wird in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger ist Gerhard Bereswill, der bisher Thies Stellvertreter war.

Nachfolger Gerhard Bereswill (links) überreicht Achim Thiel Bücher als Abschiedsgeschenk. Foto: peter-juelich.com

Der scheidende Polizeipräsident steht an der Tür und begrüßt jeden Gast mit Handschlag. Ein bisschen irritiert ist Achim Thiel schon über die vielen Leute: „Es kommen ja immer noch welche, es gibt doch nichts Geheimnisvolles zu verkünden.“ Doch immerhin gilt es an diesem Dienstag den Mann zu verabschieden, der das Frankfurter Polizeipräsidium neun Jahre lang geleitet hat. Da es zugleich die Verabschiedung des 61-Jährigen in den Ruhestand ist, sind viele ehemalige Weggefährten aus Justiz und Polizei und sogar der Bundeswehr gekommen, aber auch Vertreter des Verfassungsschutzes und des konsularischen Corps sowie Thiels Frau und die beiden gemeinsamen Töchter.

Natürlich ist auch Gerhard Bereswill da. Thiels Stellvertreter moderiert quasi die Verabschiedung. Bereswill spricht von einem „besonderen Tag“. Die besondere Situation erwähnt er nicht: Der Nachfolger verabschiedet seinen Vorgänger. Für viele eine richtige, aber gleichwohl überraschende Entscheidung. Thiel selbst bekennt später, dass seine Abschiedsrede „vor ein paar Tagen noch ein bisschen anders ausgesehen“ hat.

Doch bevor Thiel das Wort ergreift, sind zunächst einmal einigen Würdigungen und Grußworte fällig. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Festredner zur Verabschiedung des Ruheständlers nur positive Worte finden.

Stellvertreter und Nachfolger Bereswill eröffnet den Reigen und vergleicht Thiel mit dem ehemaligen Fußball-Bundestrainer Helmut Schön. Dies tut er anhand eines Lieds, das Udo Jürgens einst für den Weltmeister von 1974 schrieb: „Der Mann mit der Mütze.“ Zwar sei aus dem jungen Mützenträger Thiel mittlerweile ein „veritabler Hutträger“ geworden, aber Thiel wie Schön seien bekennende Wiesbadener und große Fußballfans. Und irgendwie sei der Polizeipräsident ja auch so eine Art Coach für die etwa 3700 Mitarbeiter des Frankfurter Polizeipräsidiums. „Immer haben sie ihr Team richtig aufgestellt“ so Bereswill.

Zum Beweis der guten Arbeit Thiels führen Bereswill wie auch die nachfolgenden Festredner Stadtrat Markus Frank (CDU) und Helmut Fünfsinn vom hessischen Justizministerium Zahlen ins Feld, die belegen: In der Amtszeit von Thiel ist die Aufklärungsquote bei Verbrechen gestiegen und die Zahl der Straftaten selbst zurückgegangen. Welchen Anteil Thiel daran hatte, bleibt unklar. Einzig der Vorsitzende des Personalrats im Frankfurter Polizeipräsidium, Wolfgang Link, gießt etwas Wasser in den Festtagswein. So erinnert er daran, dass er mit Thiel nicht immer einer Meinung war und schließt dann vielsagend: „Der Unterschied zwischen Polizisten und Juristen ist sehr groß.“ Polizisten würden vor Ort entscheiden, Juristen wie Thiel hätten für eine Entscheidung oft Wochen oder Monate Zeit.

Ausgezeichneter Jurist

Aus den Würdigungen wird ersichtlich: Thiel war in seiner Zeit als Richter und Staatsanwalt ein ausgezeichneter Jurist und danach ein nicht ganz so guter Polizeipräsident. Die teilweise sehr unglückliche Rolle, die Thiel in der Öffentlichkeit abgab, wie etwa bei den Studentenprotesten zum Anfang seiner Amtszeit und vor allem in der Aufarbeitung von Blockupy 2013, finden – nicht überraschend – keine Erwähnung. Von dem damals so wortkargen Thiel ist am Dienstag nichts zu merken. Mit einem launigen Vortrag begrüßt er seine Gäste und dankt den Mitarbeitern für ihre Loyalität in den zurückliegenden Jahren „auch wenn sie mit meinen Entscheidungen nicht immer einverstanden waren“.

Der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretene Polizeipräsident will sich jetzt im Ruhestand mehr der Familie und seinen Hobbys Reisen und Fußball widmen. Zunächst geht es nach Südafrika, wo er sich nicht zuletzt auf den dortigen Wein freut. In der Heimat kann Pensionär Thiel dann Spiele seines Lieblingsvereins Eintracht Frankfurt im Stadion verfolgen und muss sich um Polizeieinsätze keine Sorgen mehr machen.

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