Lade Inhalte...

Frankfurter Oktoberfest Wie Fastnacht im Dirndl

Das Frankfurter Oktoberfest hat begonnen. 2000 Besucher tanzen auf den Tischen. OB Feldmann und RTL-Star Motsi Mabuse eröffneten das Fest.

Foto: Christoph Boeckheler

Um 20.30 Uhr wackelt der Boden heftig. Es ist kein beginnendes Erdbeben, auch wenn es sich kurz so anfühlt. Man bekommt fast ein bisschen Angst, dass man seekrank werden könnte, wenn man plötzlich mitten in der Feiermenge zwischen fröhlich tanzenden Dirndl-Madln und Schuhplattler versuchenden, stampfenden Männern steht. Die Live-Band spielt so ziemlich alles, was ballermanntauglich ist: von „Atemlos“ bis „Hände zum Himmel“. Eine Besucherin trinkt erst einen Schluck Mispelchen, dann noch was von ihrer Maß Bier für neun Euro. Das Ebbelwei-Glas spart sie sich für später auf. Sie steigt zu ihren Freundinnen auf den Tisch und tanzt. Rund 2000 Gäste sind zur Eröffnung des Frankfurter Oktoberfests am Mittwochabend ins Festzelt am Waldstadion gekommen.

Oberbürgermeister Peter Feldmann steht beim Festbieranstich im Anzug neben RTL-Promi und Oktoberfest-Botschafterin Motsi Mabuse. Sie trägt ein hochgeschlossenes Dirndl. Feldmann freut sich über das frisch gezapfte Bier wie sonst nur über seinen geliebten Käsekuchen.

Bereits zum neunten Mal wird das Frankfurter Oktoberfest gefeiert. Und zwar noch bis zum 8. Oktober. Viele der Veranstaltungen im Festzelt der Hausmann-Brüder sind schon ausverkauft.

Waltraud Hofmann (79) kommt seit Jahren her: „Man trifft so viele bekannte Gesichter, und ich mag die Stimmung gern“, sagt die Sachsenhäuserin. Stephanie (25) aus Kronberg findet, dass es hier „entspannter“ als in München ist. „Mit noch mehr Feierlaune.“ Nicht nur für die Eröffnung hat sie knapp 50 Euro bezahlt. „Ich liebe das Frankfurter Oktoberfest sehr und komme noch an drei weiteren Tagen.“ Fast alle tragen Dirndl oder Lederhose. Manch Dirndl-Dekolleté ist so weit nach oben gepusht, dass man fürchtet, es komme gleich zu einem Busen-Blitzer.

Rosangela Baumsauer hat alles unter Kontrolle. Die gebürtige Brasilianerin liebt das Oktoberfest, selbst die Schlagermusik findet sie gut. „Aber ich wünschte mir, dass hier das Zelt noch mehr traditionell geschmückt würde wie in München.“ Eine große Bitte hat sie an die anderen Besucherinnen: „Bitte zieht zum Dirndl keine Turnschuhe an. Das sieht nichts aus.“ Viele tragen Ansteck-Lebkuchenherzen aus Stoff: Ein Herr hat darauf ein vielversprechendes „Tiger“ stehen.

Derweil reicht ein anderer Herr der Toilettenfrau zehn Euro. „Dann habe ich jetzt fünfmal Strullern frei“, sagt er und lacht. Die meisten Besucher würden sich ordentlich benehmen, erzählt die Dame, die hier seit sechs Jahren arbeitet. „Das Schlimmste war mal, dass ein Herr ins Pissoir gebrochen hat.“

In der „Gudd Stubb“, dem VIP-Bereich, sitzt der blondierte Neue-Deutsche-Welle-Star Markus („Ich will Spaß“) in seiner roten Lederjacke. Der 58-Jährige wird hier die Tage auftreten, ihm gegenüber sitzt Nico Schwanz, der mal vor Jahren in Guatemala zum „Mr. Model of the World“ gewählt wurde und nun bekannt für seine Auftritte in TV-Formaten wie „Dschungelcamp“ ist. Schwanz hat sich ein bisschen zu lang der Sonnenbestrahlung gewidmet, macht aber trotzdem gern Selfies mit Fans. Auch das Comedy-Duo Mundstuhl ist da: „Ich bin jetzt nicht der Oktoberfest-Fan. Ich bin ein Fan von Feiern und guter Laune“, sagt Lars Niedereichholz von Mundstuhl.

Fabienne (36) kommt seit Jahren mit ihren Kollegen her. Sie kennt auch das Münchner Original. „Hier ist das Oktoberfest halt mehr Fastnacht, und man verkleidet sich dann halt im Dirndl.“ Natasza Jablonski (31), gebürtige Kölnerin, mag die Feierstimmung, die sie auch an Karneval erinnert. Ihre Freundin sagt: „Man muss aber mittrinken. Sonst denkst du, alle anderen hier sind verrückt.“ Sie lacht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum