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Frankfurter Küche Nachtschicht für die perfekte Küche

Der Frankfurter Restaurator Christian Dressen restauriert eine Frankfurter Küche aus dem Jahr 1929. Sie stammt aus einer Wohnung der Siedlung Bornheimer Hang. Bald ist sie ein Museumsstück.

Frankfurt
Christian Dressen betrachtet eine der Schütten der Frankfurter Küche (l.). Das Exemplar in seinen Händen trägt den Vermerk „Haarer Hanau a. M. Foto: Christoph Boeckheler

Christian Dressen sitzt am Mikroskop und stellt die Vergrößerungsstufe passend ein. Er zieht seine blauen Einweg-Handschuhe an und ordnet die neben ihm liegenden Werkzeuge. Der 43-Jährige sitzt jedoch nicht in einem Labor, sondern in seinem Atelier im Museum für Angewandte Kunst. Das Objekt vor ihm ist auch keine Petrischale sondern ein verchromter Griff. Dressen reinigt ihn mit einem Bambusstäbchen, damit er wieder seinen angestammten Platz einnehmen kann – als Teil einer Frankfurter Küche von 1929.

Diese soll ab Mitte des Jahres in der Präsentation „Elementarteile“ zu sehen sein. Ursprünglich stammt die Küche aus einer Wohnung der Siedlung Bornheimer Hang. „Die Bewohnerin war die Schwiegertochter der Erstbezieher gewesen“, sagt Dressen. Nachdem die Frau gestorben war, wollten die Erben die Küche gern an das Museum geben. Der eigentliche Eigentümer war allerdings immer noch die Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt. Da die mittlerweile betagte Frankfurter Küche aber ausgetauscht werden sollte, war der Weg für Dressen frei.

Von da an hatte der Restaurator acht Tage Zeit, um die Kücheneinrichtung für das Museum zu sichern. „Ewig viel Zeit, werden einige da denken. Aber ich hatte nur diesen einen Versuch, um den Aufbau nachvollziehen zu können.“ Der 43-Jährige musste alles genauestens dokumentieren. Jedes Detail wurde fotografiert und notiert.

Möglichst schonend sei er vorgegangen, habe viele Teile mit einem Keil geweitet und die Nägel mit einer oszillierenden Säge durchtrennt. „In der Frankfurter Küche gibt es so gut wie keine Schrauben. Nägel waren billiger und es gab ja auch noch keinen Akkuschrauber.“ Da Dressen alleine arbeitete, waren Nachtschichten bis nach 22 Uhr keine Seltenheit. „Aus Rücksicht auf die Nachbarn habe ich abends nur leise Arbeiten gemacht“, erzählt er und lacht.

Der Frankfurter sieht die Frankfurter Küche nicht nur als singuläres Objekt. „Sie greift viel weiter und auch die angrenzenden Räume sind wichtig.“ Deshalb hat Dressen auch gleich die Wandfliesen und die Solnhofener Platten im Fußbodenbereich mit ausgebaut. Sie werden das restaurierte Gesamtwerk im Museum ergänzen. Die Bodenfliesen würden ein besseres Raumgefühl vermitteln.

Nachdem die Küche abgebaut war und der Restaurator sie in sein Atelier verfrachtet hatte, begann die eigentliche Arbeit. Nachdem er den Zustand protokolliert hatte, mussten verschiedenen Optionen bedacht werden. Sollte die Küche in den Ursprungszustand zurückversetzt werden oder eher die Form herausgearbeitet werden, die die Küche bei ihren Bewohnern hatte? Am Ende, spielte auch die Zeit eine Rolle, so dass Dressen die nicht originale weiße Farbe erhalten wollte. „Darunter befand sich noch eine hellgraue Schicht.“ An einigen abgenutzten Stellen sieht man den kompletten Aufbau: die Maserung des Holzes, die graue und schließlich die weiße Farbe.

Solche Stellen wird der studierte Restaurator für Möbel und Instrumente nicht ausbessern. Die Besucher sollen sehen, wie der genaue Aufbau des Objektes ist. „Am Herausforderndsten bei der Restauration war die große Oberfläche.“ Über drei Meter lang und mehr als zwei Meter hoch ist die Küche von 1929. Die weiß bemalten Flächen musste Dressen säubern. An einer unteren Passleiste, probierte er verschiedenen Lösungsmittel aus. „Ich musste genau abwägen, schließlich sollte sich nicht gleich die ganze Farbe ablösen. Im Grunde habe ich mir mein Werkzeug zusammengebaut“, sagt der Mann, der seit 2005 am Museum für Angewandte Kunst arbeitet. Im Grunde musste er die Küche vom Schmutz der vergangenen Jahrzehnte befreien.

Spuren vom Herstellungsprozess, beispielsweise bei den Aluminium-Schütten, wollte der in Berlin geborene Restaurator ebenfalls erhalten. Die Aufbereitung von Griffen und Türangeln nahm er häufig unter dem Mikroskop vor. „Es ist einfach ein spannendes Projekt. Die Küche ist groß und hat viele unterschiedliche Materialien, die alle anders behandelt werden müssen.“ In viele Bereiche habe er sich einlesen müssen, um die Teile der Küche richtig zu behandeln.
„Die Restauration ist wie eine Berufung für mich“, sagt Christian Dressen, bevor er seine Kleidung wechselt und in einen angrenzenden Arbeitsraum geht. Dort wartet die nächste Aufgabe: Er verbindet die Solnhofener Bodenplatten zu Quadraten mit einheitlicher Höhe. Bis die Küche in der Ausstellung zu sehen ist, liegt noch viel Arbeit vor ihm. Vor allem der Aufbau auf dem Museumsparkett werde nochmals eine Herausforderung.

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