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Frankfurter Hauptbahnhof "Hier sind wir, hier bleiben wir"

Hannelore Kraus hat vor 25 Jahren erfolgreich gegen den Campanile neben dem Hauptbahnhof gekämpft. Gegen einen Busbahnhof auf dem selben Grundstück hat sie nichts.

04.12.2012 12:03

Frau Kraus, vor 25 Jahren haben Sie bundesweit Schlagzeilen gemacht. Sie haben als Nachbarin ihre Zustimmung für ein 300 Meter hohes Hochhaus namens Campanile südlich des Hauptbahnhofs verweigert, das auf dem Parkplatz-Grundstück an der Mannheimer Straße gebaut werden sollte.

Und heute liegt die Fläche noch immer als Parkplatz da. Das ist schon merkwürdig, eine solche wirtschaftliche Vergeudung. Aber ich habe den Eindruck, dass die Grundstücks-Besitzer noch immer auf eine Gelegenheit warten, ein Geschäft zu machen.

Und diese Gelegenheit ist jetzt da. Die Stadt sucht händeringend eine Fläche für einen zentralen Busbahnhof. Der Architekt und Planer Jochem Jourdan hat schon 2007 einen Entwurf für einen Busbahnhof auf dem Campanile-Grundstück gefertigt. Allerdings gibt es da wieder ein Hochhaus …

Ich bin keine Verweigerin und ich bin nicht rückwärtsgewandt. Die Menschen hier im Gutleut sehen schon, dass die Fläche bisher eine Kümmernutzung hat. Und ein Busbahnhof mit Läden wäre eine sinnvolle Nutzung.

Das Baurecht auf hessischer Ebene ist mittlerweile geändert worden.

Das ist richtig. Das heißt für mich: Ich bin keine Nachbarin mehr nach dem Baurecht und könnte den Bau ohnehin nicht verhindern.

Aber Sie haben das 300-Meter-Hochhaus seinerzeit bekämpft, weil sie befürchteten, dass es zu einer Verdrängung von ärmeren Menschen und zu einer Verteuerung dieser multikulturellen Lage am Hauptbahnhof kommen könnte.

Das ist richtig. Damals ging es allerdings um Luxuswohnungen, von denen wir negative soziale Auswirkungen befürchteten. Sprich: Vertreibung der angestammten Bevölkerung. Und ich bin auch immer noch dagegen, dass ein solcher Turm höher als 200 Meter wird. Denn das sprengt den städtebaulichen Maßstab hier am Hauptbahnhof absolut. Hier an der Karlsruher Straße und in der Umgebung stehen ganz normale Wohnhäuser und es gibt noch kleine Läden. Das muss erhalten bleiben.

Die Idee eines Busbahnhofs auf dem Campanile-Grundstück ist alt, älter als der Entwurf des Architekten Jourdan von 2007 …

… ja. Die Idee eines solchen Busbahnhofs dort stammt tatsächlich von Daniel Cohn-Bendit. Vor 25 Jahren schon schlug der vor, ein Busterminal dort zu bauen und es mit einem multikulturellen Basar zu verbinden. Cohn-Bendit war damals Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten in Frankfurt.

Ende der 80er Jahre kamen die Campanile-Investoren tatsächlich mit einem Koffer voll Geld in Ihre Küche, mit einer Millionensumme in bar. Und wollten dafür Ihre Zustimmung zu dem Hochhaus.

Ich erinnere mich noch gut daran. Solche Leute gibt es natürlich auch heute noch. Und es gibt sie gerade in Frankfurt. Leute, die für Geld alles stehen und liegen lassen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die eine gewisse innere Dürre mit viel Geld auszugleichen versuchen. Da muss man dagegenhalten.

Warum haben Sie das Geld nicht genommen und sich anderswo ein schönes Leben gemacht?

Weil ich es hier schön finde, wo ich bin. Ich betreibe schon sehr lange meine Pension mit Gästen aus aller Welt. Und um mich herum wohnen und arbeiten Leute aus aller Welt. Unser Motto ist: Hier sind wir und hier bleiben wir!

Das Interview führte Claus-Jürgen Göpfert.

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