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Frankfurter Gesellschaftshaus Palmengarten Das Gesellschaftshaus wird glanzvoll eröffnet

Gelungener Auftakt: "Der schönste Saal in Frankfurt" hat wiedereröffnet. Den Vorwurf der 40 Millionen Euro teuren Luxussanierung will keiner gelten lassen.

09.12.2012 18:11
Astrid Ludwig
Artistisches Schauspiel zur Eröffnung des Gesellschaftshauses.

Gelungener Auftakt: "Der schönste Saal in Frankfurt" hat wiedereröffnet. Den Vorwurf der 40 Millionen Euro teuren Luxussanierung will keiner gelten lassen.

Alle wirken irgendwie aufgekratzt an diesem Samstagabend. Die Gastgeber und die Gäste. Die feierliche Wiedereröffnung des Frankfurter Gesellschaftshauses Palmengarten – mehr als ein Jahrzehnt hat man auf diesen Abend gewartet und viele betreten den mit langen Tischen, Blumen und gedämpften Licht geschmückten Festsaal erstmals wieder nach vielen Jahren der Schließung und kunstvollen Restaurierung.

Karin Wittstock, im Palmengarten für das künstlerische Programm zuständig, müsste an den Anblick eigentlich schon gewöhnt sein, doch auch sie gerät ins Schwärmen: Diese Blickachse aus dem stuck- und ornamentgeschmückten historischen Saal in das Palmenhaus hinein, in diesen grünen Dschungel, „das ist einfach einmalig“, findet sie. Und der Dschungel ist auch noch farbenfroh illuminiert.

Für Uwe Becker (CDU), Kämmerer der Stadt, ist der Festsaal, „der schönste Saal in Frankfurt“. Fast 500 geladene Gäste aus Frankfurt und der Region sind zur Wiedereröffnung des für 40 Millionen Euro sanierten Gesellschaftshauses gekommen. Nur einer fehlt: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Er war lange angekündigt. Der Termin und auch das Essen des festlichen Abends waren auf den OB abgestimmt, heißt es. Doch wegen eines „plötzlichen, unerwarteten Termins“, so Becker, lässt er sich entschuldigen. Einen Kommentar kann er sich nicht verkneifen. Offenbachs OB Horst Schneider sitzt am Tisch gegenüber. „Ein wunderbares Zeichen, wenn der Oberbürgermeister der Nachbarstadt zu uns kommt“, ätzt Becker. Auch am Nachbartisch ist der Ärger groß. „Man erwartet ja gar nichts anderes mehr“, sagt ein älterer Herr. „Vielleicht weil Johnny Klinke für Boris Rhein geworben hat?“, vermutet seine Frau.

An dem Abend bemüht jeder der Redner gleich mehrfach das „bürgerschaftliche Engagement“, das den Bau des Gesellschaftshauses vor rund 140 Jahren erst möglich machte. Der Wiederaufbau der Altstadt und das Gesellschaftshaus seien die Identifikation stiftenden Elemente der Stadtgesellschaft, findet Becker. Das sanierte Haus das neue Zuhause für das „breite gesellschaftliche Leben“ Frankfurts. Alexandra Prinzessin von Hannover, Vorsitzende der Palmengartengesellschaft, erinnert sich an früher: „Es gibt keinen älteren Frankfurter im Saal, der nicht seine erste Liebe hierher ausgeführt hat.“

Den Vorwurf der 40 Millionen Euro teuren Luxussanierung mag am Samstag keiner gelten lassen. „Die Entscheidung war richtig“, so der Kämmerer und die Festrednerin Eva Demski fordert gar „Pracht für alle“. Warum, fragt die Schriftstellerin, muss Prächtigkeit immer böse und verderbt, Schmucklosigkeit jedoch gut und politisch korrekt sein?

Zu Klängen von Debussy und Dvorak, die Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst vortragen, wechselt der goldene Schlüssel den Besitzer. Palmengartenchef Matthias Jenny, der launig „den Generationen von Dezernenten“ dankt, die an der Sanierung beteiligt waren, reicht ihn an die künftigen Betreiber Johnny Klinke, Margareta Dillinger und Robert Mangold weiter. Deren Tiger und Palmen GmbH steht in der Kritik: Weil Otto-Normal-Frankfurter und Vereine sich das dort eröffnete Luxus-Restaurant und die hohen Saal-Mieten gar nicht leisten können.

Klinke versichert, er wolle ein guter Gastgeber sein. Auf der Bühne demonstriert der russische Akrobat Oleg Izossimov Atem raubende Körperbeherrschung – im Saal wird Salat, Tafelspitz und grüne Soße serviert. „Die Vorspeise war aber keine 32 Euro wert“, scherzt der Tischnachbar in Anspielung auf die Restaurantpreise. Spiel- oder besser Stimmungsverderber will an dem Abend keiner sein.

Die angestoßene Debatte um die Preispolitik der Pächter halten viele Gäste hinter vorgehaltener Hand für „richtig und nötig“. „Unmäßig“ sei das, sagt einer. „Der Markt wird’s regulieren. Zu den Preisen wird das Haus nicht ausgelastet sein“, glaubt ein anderer. Im Saal spielt die hr-Big-Band, Palmengartenchef Jenny bittet die grüne Dezernentin Rosemarie Heilig zum Walzer. F4

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