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Frankfurter Freimaurer-Loge Kein Geheimbund

Sie sollen Verschwörungen planen und okkulte Bräuche pflegen. Über Freimaurer kursieren viele Vermutungen. Um den Vorurteilen zu begegnen, öffnen sich die Logen inzwischen mehr nach außen. Und geben ab und zu einen kurzen Blick in ihr Innenleben frei.

16.02.2017 18:37
Die Symbole der Freimaurer (Zirkel, Winkel, Hammer und Kelle) sind im Tor zur Loge in Frankfurt am Main zu sehen. Foto: dpa

Freimaurer haben einen geheimnisvollen Ruf. Viele Menschen wissen nicht, was sie eigentlich machen - auch weil die Freimaurer-Logen die Öffentlichkeit nicht gerade suchen. Doch sie sind aktiv, wenn auch unter dem Radar. Allein in Frankfurt gibt es acht Logen mit 438 Brüdern, wie sich die Mitglieder nennen.

Was machen Freimaurer? Am Mittwochabend gab es Gelegenheit, dazu etwas zu erfahren. Die Loge «Zur Einigkeit» feierte 275-jähriges Jubiläum. Londoner Diplomaten und Frankfurter Bürger gründeten sie im Jahr 1742. Es handelt sich um eine der ältesten Logen Deutschlands und die älteste in Frankfurt. Hessenweit gibt es nach Angaben des Dachverbands Vereinigte Großlogen von Deutschland 30 solche Zusammenschlüsse, im ganzen Bundesgebiet sind es rund 500 mit mehr als 15 000 Brüdern.

Für ihr Jubiläum hat sich die Loge herausgeputzt. Ihr Festsaal im Neo-Rokoko-Stil an der Kaiserstraße im Frankfurter Bahnhofsviertel wurde für Hunderttausende Euro renoviert. Die Stadt gratuliert in Person von Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU). Er sagt zu den Brüdern im Festsaal: «Sie als Freimaurer stehen für einen tief verwurzelten Humanismus.»

Humanismus ist ein zentraler Begriff für die Freimaurer. Die Loge «Zur Einigkeit» sieht sich in der Tradition der Aufklärung, wie der Vorsitzende Friedhold Andreas sagt. Es gehe um Werte wie Brüderlichkeit, Toleranz und soziale Gerechtigkeit. Herkunft, Stand und Religion spielen demnach keine Rolle.

Ideologische Themen außen vor

Dennoch: Bei der Auswahl neuer Brüder ist die Loge streng. Anwärter brauchen zum Beispiel ein astreines polizeiliches Führungszeugnis. Wer irgendwann in seinem Leben einmal gegen das Gesetz verstoßen hat und verurteilt wurde, der hat keine Chance auf eine Mitgliedschaft. «Ein freier Mann von gutem Ruf» müsse man sein, sagt Hans Koller, 71 Jahre alt, seit 37 Jahren in der Loge. Er ist ihr Alt- und Ehrenmeister.

Von «gutem Ruf» - das klingt, als sei die Loge nur für Eliten zugänglich. Dem widersprechen die Brüder. Die rund 150 Mitglieder der Loge stammten aus allen Schichten. Krankenpfleger sind darunter, Handwerker, Polizisten, aber auch Banker und Juristen. Koller ist Grafikdesigner. Die Mitglieder kommen aus 14 Nationen. Es gebe Buddhisten, Christen, Moslems, Juden. Und Frauen? Nein, die könnten nicht eintreten. Es sei in Frankfurt aber eine eigene Frauen-Loge in Gründung, sagt Koller.

In der Regel einmal unter der Woche treffen sich die Brüder zum Gespräch. Alles kann besprochen werden, nur ideologische Themen wie Parteipolitik bleiben außen vor, sagt Paul Wintzer, 73 Jahre alt und stellvertretender Vorsitzender der Loge. Zum Teil gibt es Gästeabende oder öffentliche Vorträge, jeder kann dann kommen.

Ihren Saal vermieten die Brüder auch für Veranstaltungen oder Hochzeiten. Das Geld, das so reinkommt, dient wohltätigen Zwecken. 140 000 bis 200 000 Euro sind das nach Angaben der Loge jedes Jahr. Die Gelder fließen zum Beispiel in Stipendien für Studenten.

Einmal pro Monat kommen die Brüder zu einem Ritual zusammen. Sie tragen dann einen schwarzen Anzug, weiße Handschuhe und einen Maurerschurz. Die einheitliche Kleidung solle «die Brüder gleichmachen», sagt Wintzer. Rund zwei Stunden dauert das Ritual, es gibt eine Ansprache, anschließend wird das «Brudermahl» eingenommen. Weitere Details bleiben geheim.

Beim Dachverband in Berlin betont man, dass mit diskreter Gesellschaft «nicht Geheimniskrämerei» gemeint sei. Die Freimaurerei biete diskreten Raum für vorbehaltlose Gespräche. Die Brüder arbeiteten an ihrer Persönlichkeit wie an einem «rauen Stein». Und: Die gängigen Verschwörungstheorien seien allesamt vollständig unzutreffend.

Warum kursieren sie dann? «Die Logen haben sich nicht wirklich gewehrt gegen die komischen Geschichten», schätzt Andreas. Inzwischen öffnen sie sich bewusst nach außen, um Vorurteile abzubauen. Einzelheiten zu den Bräuchen verraten sie aber nicht. «Das Schweigen schützt das Erlebnis und stiftet Vertrauen», heißt es dazu auf der Webseite der Einigkeits-Loge.

Andererseits sind sich die Freimaurer durchaus bewusst, dass ihre Geheimnisse auch Anziehungskraft haben. Auf der Logen-Homepage steht nämlich auch: Durch deren Preisgabe würde sich die Freimaurerei eines «wesentlichen Elements ihrer Wirksamkeit nach außen» berauben.

Nachwuchssorgen hat die Loge wohl nicht. Es soll eine lange Warteliste für Mitgliedschaften geben. Wer hat Interesse? «Menschen jeder Altersklasse», sagt Andreas, der als Anwalt arbeitet. Ein Interessent sei erst 19. Bei dem liege das Interesse in der Familie. Sein Großvater sei Freimaurer. Was ist mit den anderen? «Die Motive sind ganz unterschiedlich.» Es gehe wohl um die Entwicklung der Persönlichkeit und um philosophisches Interesse, mutmaßt der 58-Jährige. «Wer nach esoterischen Geheimlehren oder klassischen Männergruppen sucht, ist bei uns nicht richtig.» (dpa)

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