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Frankfurter Clubs Gema Gemeinsam gegen die Gema

Am bundesweiten Aktionstag, 6. September, gegen die geplante Gema-Tarifreform der Musikgebühren beteiligt sich auch die Initiative "Clubs am Main". Betreiber fürchten massives Sterben von Clubs, sollte die Reform durchgesetzt werden.

30.08.2012 18:06
Grete Götze
Siegt die Gema, gibt's dafür weniger Gelegenheiten. Foto: FR/Hartung

Am bundesweiten Aktionstag, 6. September, gegen die geplante Gema-Tarifreform der Musikgebühren beteiligt sich auch die Initiative "Clubs am Main". Betreiber fürchten massives Sterben von Clubs, sollte die Reform durchgesetzt werden.

Nächsten Donnerstag lädt die Initiative „Clubs am Main“ auf die Hauptwache zur Kulturtanzdemo durch die Innenstadt, um gegen die geplante Tarifreform des deutschen Urheberrechte-Verwerters Gema zu protestieren. Sie verlangt zum 1. April 2013 von jedem Clubbesitzer zehn Prozent des Eintrittspreises statt wie bisher 1,6 Prozent. Die Clubbesitzer fürchten, dass derart horrende Kosten auf sie zukommen. Klaus Bossert, Vorstand des Vereins „Clubs am Main“, rechnet mit 3000 bis 4000 Teilnehmern.

Am gleichen Tag finden Veranstaltungen in München, Nürnberg, Dortmund, Stuttgart, Leipzig, Dresden, Hamburg und Bielefeld statt. Die Onlinepetition gegen die Tarifreform unterstützen bislang 278.578 Unterzeichner.

„Aber wir müssen uns noch mehr engagieren, die Reform ist ein Angriff auf die Musikkultur schlechthin“, warnte Loveparade-Gründer Dr. Motte gestern bei der Pressekonferenz der „Clubs am Main“ im Frankfurter Club Zoom, zu der auch Robert Mangold, Geschäftsführer des Tigerpalasts, und Klaus Unkelbach, Inhaber der Clubs Monza, MTW und Robert Johnson gekommen waren.

„Wir sprechen hier von Wucher“, sagte Robert Mangold, der vorrechnete, dass der Tigerpalast bisher 3300 Euro monatlich an die Gema zahlt, nach der Reform seien es 21684 Euro. „Von ihr ist jedes Museumsuferfest und jede Veranstaltung der Alten Oper betroffen, das ist kein Nischenproblem von Clubs, sondern ein Einschnitt in die gesamte Gesellschaft“ so Mangold weiter. Klaus Unkelbach fürchtet, 2013 zwei seiner drei Clubs schließen zu müssen, und alle auf dem Podium waren sich einig darin, dass von der Reform vor allem die ordentlichen Mitglieder der Gema profitieren, die aber bei 65.722 Mitgliedern insgesamt nur fünf Prozent ausmachen.

Gema bezweifelt Club-Sterben

„Das ist Quatsch“, sagt Peter Hempel von der Gema. Die Künstler, deren Lieder besonders häufig gespielt würden, erhielten auch besonders hohe Ausschüttungen. Die Gema wisse, dass höhere Kosten auf die Clubs zukämen, „aber wir haben bisher die Diskotheken- und Clubbetreiber unfair gegenüber allen anderen Musiknutzern bevorzugt“.

Die Befürchtung massenweisen Club-Sterbens teilt Hempel nicht. Eine Studie der Clubkommission Berlin aus dem Jahr 2008 belege, dass nur 17 Prozent der Gesamteinnahmen eines Clubs an der Tür eingenommen würden, wovon die Gema zehn Prozent verlange, was 1,7 Prozent der Gesamtumsätze seien. „Wer das nicht verkraftet, dem ist nicht zu helfen.“ Zudem seien die zehn Prozent gedeckelt. Hempel sagte, er sei froh, dass durch die öffentliche Kritik die Diskussion über den Wert von Musik in die Öffentlichkeit gelangt sei.

Parteienspektrum solidarisch

Felix Semmelroth (CDU), Frankfurter Kulturdezernent, sieht sich auf Seiten der Clubs. Er hofft, dass die Verhandlungen der Gema dazu führen, dass die Urheberrechte berücksichtigt werden, aber auch die Interessen von Musikclubs, denen so „die Luft abgedrückt“ wird.

Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) schrieb Anfang August einen kritischen Brief an den Gema-Vorstandsvorsitzenden. Martina Feldmayer von den Grünen hatte daraufhin konkretere Schritte seitens der Landesregierung gefordert. Auch die hessische SPD stellte einen Antrag, in dem sie die neuen Tarife ablehnt. Die hessische FDP und CDU betonten in einem gemeinsamen Antrag, die Gema müsse zu einer Korrektur ihrer Reform bewegt werden.

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