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Frankfurter City-Triathlon Der innere Schweinehund brät

2500 Starter trotzen beim 9. Frankfurter City-Triathlon der unbarmherzigen Hitze.

City Triathlon
Uff, geschafft! Zieleinlauf an der Hauptwache mit Unterstützung der Cheerleader. Foto: Michael Schick

Der ganze Platz steht voll. Hunderte Rennräder sind am Sonntag auf dem Roßmarkt geparkt. Sie hängen an ihren Sätteln an Eisenstangen, die Vorderräder auf dem Boden. Zu Füßen des Gutenberg-Denkmals sorgen Helfer in türkisblauen Shirts für die richtige Koordination der hochmodernen Rennmaschinen. „Dicht aneinander hängen“, rufen sie den ankommenden Radlern in ihren engen Sportler-Outfits immer wieder zu.

Beim „City-Triathlon“ sind am frühen Morgen am Langener Waldsee 2500 Athleten gestartet. So viele wie noch nie bei der neunten Auflage des Wettbewerbs. Je nach Streckenwahl, von „Sprint“ über die Staffel bis zur „olympischen Distanz“, müssen die Sportler unterschiedlich lange Entfernungen im Wasser, auf dem Rad und zu Fuß zurücklegen. Nach dem Schwimmen wird in die Pedale getreten, zum Schluss durch die Frankfurter Innenstadt gelaufen.

In der Wechselzone am Roßmarkt trudeln die schweißgebadeten Wettkämpfer um die Mittagszeit, als die Sonne am höchsten steht, im Sekundentakt ein. Teils barfuß, weil ihre Schuhe in den Klick-Pedalen ihrer Räder stecken, laufen sie über blauen Teppich, der auf dem Kopfsteinpflaster ausgelegt wurde. Die meisten tragen verspiegelte Sonnenbrillen und noch ihre Fahrradhelme auf den Köpfen. Hinter Absperrungen stehen Angehörige und warten nur wenige Meter entfernt vom Wettkampfgeschehen.

„Niki, wo bleibst du“, ruft der fünfjährige David, der seinen Onkel vermisst. Davids Mutter Stefanie Ostmeier spricht derweil über die äußeren Bedingungen: „Heute ist es fast angenehm, im Vergleich zu den letzten Tagen“, während eine leichte Brise durch die Innenstadt weht.

Onkel Niklas lässt trotzdem auf sich warten, ist eine halbe Stunde hinter seiner angepeilten Zeit zurück, wie seine Frau Meike Werner berichtet. „Vielleicht ist er abgestiegen und ein Bier trinken gegangen“, witzelt die 36-Jährige. Kurze Zeit später biegt der Sportler von Eintracht Frankfurt, der auf der olympischen Distanz unterwegs ist, doch noch um die Ecke. Als er seine Familie sieht, die vom Riedberg angereist ist, lächelt er gut gelaunt und deutet eine La-Ola-Welle an, die er aber wieder abbricht, nachdem er erfährt, dass seine Vereinskameraden schon weit vor ihm liegen. Teamintern will er wohl Boden gutmachen. Nach eineinhalb Kilometern Schwimmen und 45 Kilometern Radfahren muss er noch zehn Kilometer per pedes hinter sich bringen.

Weil die Sportler in Dreiergruppen und kurzen Zeitabständen am Langener Waldsee nacheinander gestartet sind, hat eine große Zahl das Ziel schon erreicht. Während einige von ihnen in einem Straßencafé an der Börse sitzen und andere Läufer, die vor ihnen vorbeihecheln, anfeuern, warten andere daneben darauf, dass ihnen Helfer aus einem Berg von Plastikbeuteln ihren aushändigen, in dem sich Utensilien wie Helm und Fahrradschuhe befinden.

In der Schillerstraße rennt Yves Perret seiner Partnerin Ariane Trofimoff bei ihrer zweiten Runde durch die City hinterher, gießt ihr Wasser über die verschwitzten Schultern und spricht ihr Mut zu. In der Runde zuvor hatten er und eine Gruppe von Freunden die Athletin, die erstmals an einem Triathlon teilnimmt, mit französischer Flagge lautstark angefeuert. „Allez, allez“, lauf, lauf, hatten sie ihr zugerufen. Nun schleppt sich die Französin die letzten Kilometer bis zum Ziel an der Hauptwache. „Es wird schwierig werden, aber sie schafft es“, gibt sich Perret zuversichtlich.

An der Katharinenkirche begrüßt ein Sprecher die Sportler beim Zieleinlauf mit deren Namen. Zuschauer links und rechts der Absperrungen halten Ausschau nach Athleten, die sie kennen und schreien sie ins Ziel, wenn sie die Liebsten erkannt haben. Mit geöffneten Mündern, teils taumelnd und manche mit gequälten Blicken überqueren sie die ersehnte letzte Markierung. Einige umarmen sich. Ein Pärchen, das gemeinsam eingelaufen ist, küsst sich, ehe ihnen Helfer, wie allen anderen Sportlern, eine Medaille um den Hals hängen.

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