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Frankfurter Bühnen Der Schock sitzt tief

Die Römer-Koalition ringt um die Zukunft der Bühnen. Laut einem Gutachten soll die Sanierung oder ein Neubau knapp 900 Millionen Euro kosten.

Frankfurter Bühnen
Die Zukunft der Frankfurter Bühnen ist ungewiss. Foto: Christoph Boeckheler

Als die Dämmerung hereinbricht und die Lichter aufflammen in der Skyline, taumelt Ödipus noch einmal blutüberströmt auf die Bühne. Marc Oliver Schulze in der Titelrolle und das Ensemble von Schauspiel Frankfurt werden gefeiert an der Weseler Werft am Main, zum Abschied von Intendant Oliver Reese. Doch schon vor der Aufführung unter freiem Himmel kennt das Publikum bei Weißwein und argentinischer Chorizo nur ein Thema: Wie geht es weiter mit den Städtischen Bühnen?

Der Schock des Gutachtens, das knapp 900 Millionen Euro für Sanierung oder Neubau berechnete, sitzt tief. Die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen muss sich zu einer Entscheidung durchringen. Schon jetzt ist klar: Das wird dauern. Mit einem Beschluss ist kaum noch 2017 zu rechnen.

Ginge es nach Michael zu Löwenstein, dem CDU-Fraktionschef im Römer, ginge es schnell. „Wir brauchen kein halbes Jahr, um den nächsten Schritt zu beschließen“, sagt er sehr deutlich. Und der Finanzpolitiker fügt entschieden hinzu: „Es ist unvorstellbar, dass wir 900 Millionen Euro ausgeben – so viel Geld haben wir nicht!“

Nein, der Weg, den der CDU-Politiker skizziert, ist klar. Die Anforderungen der Städtischen Bühnen müssten „auf ein absolutes Minimum“ reduziert werden. In die 900 Millionen Euro seien „Wünsche“ der Intendanten von Oper und Schauspiel nach einer „massiven Ausweitung des Raumprogramms“ eingegangen.

Aus Sicht von zu Löwenstein „spricht vieles dafür, dass ein Neubau errichtet werden sollte“. Bis dahin gelte es, „unmittelbare Gefahren“ für den Spielbetrieb in der maroden Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt -Platz auszuschalten.

Doch die Koalitionspartner SPD und Grüne klingen längst nicht so entschlossen. „Wir werden nichts übers Knie brechen“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch als erstes. Es brauche jetzt „noch ein paar Nachprüfungen“ des Gutachtens. Auch die Sozialdemokraten wollen die 900 Millionen Euro nicht ausgeben. „Wir müssen sehen, was an den Kosten noch reduziert werden kann.“

Allerdings möchte die SPD auch „kein zweites Gutachten“ – das erste hat alleine 6,5 Millionen Euro gekostet. Busch will  den Standort Willy-Brandt-Platz für die Städtischen Bühnen „nicht aufgeben“. Hinsichtlich der Verteilung von Oper und Schauspiel auf zwei verschiedene Orte ist sie sehr skeptisch. Auch einer Zusammenarbeit der Stadt mit privaten Partnern bei der Zukunft der Bühnen steht sie ablehnend gegenüber. „Wir wollen keine public private partnership“ – die zum Beispiel von der FDP gefordert wird. PPP, sagt Busch, habe die Projekte in der Vergangenheit nur teurer gemacht, etwa bei der Sanierung von Brücken.

Am wenigsten geschockt zeigen sich die Grünen. „900 Millionen Euro ist eine unheimlich hohe Summe, aber eine ehrliche Zahl“, betont Manuel Stock, der Fraktionsvorsitzende im Römer. Ziehe man die Risikozuschläge ab, die von den Gutachtern eingerechnet worden seien, komme man nur auf 540 bis 610 Millionen Euro.

Auch die Grünen wollen freilich die Frage untersuchen: „Was ist tatsächlich notwendig, was brauchen die Bühnen?“ Deutlicher noch als sein CDU-Kollege zu Löwenstein votiert Stock gegen eine Sanierung: „Alles spricht für einen Neubau.“ Entschieden verteidigen die Grünen den Standort Willy-Brandt-Platz, „den wir für richtig halten“.

Die Partei möchte sich „kluge Gedanken über Interims-Spielorte“ machen. Und bringt da das Beispiel der Oper in Genf ins Spiel. Sie überbrückt die Sanierung ihres Hauptgebäudes in einem hölzernen Ausweichquartier. Und das anfangs skeptische Publikum soll nach den ersten Abenden begeistert sein.

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