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Frankfurt Wildschweine als Nachbarn

Im Herbst verirren sich Wildschweine im Süden Frankfurts immer öfter in Gärten am Rand des Stadtwaldes. Durch den Klimawandel steigt die Zahl der Tiere. Mit dem Anwachsen der Population kommt es zu unerwünschten Begegnungen.

13.11.2014 08:23
Hans-Ludwig Buchholz
Profitieren vom Klimawandel: die Wildschweine. Foto: dpa

Försterin Tina Baumann läuft regelmäßig mit ihrem Hund Lux durch den Stadtwald. „Das Nahrungsangebot ist in diesem Jahr reichlich, da lassen die Wildschweine es sich schmecken“, sagt sie und zeigt auf den aufgewühlten Boden, wo die Tiere vor kurzem noch nach Eicheln gesucht haben. Spuren zeigen, wie groß und wie viele Tiere es ungefähr waren. Noch immer hat Frankfurt ein paar Flecken echte Wildnis zu bieten. Wer am Stadtwald wohnt bemerkt das vor allem, wenn Wildschweine im Herbst das Dickicht in Richtung Stadt verlassen.

Baumann ist die Leiterin der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt. Früher hätte man Oberförsterin zu ihr gesagt. Sie und ihre Mitarbeiter sind für die rund 6000 Hektar Wald zuständig, die der Stadt gehören. Sie reparieren Wege, schlagen Holz – und pflegen und jagen Wildtiere.

Die gibt es im gesamten Stadtwald. Durch Autobahnen und Bahnstrecken, die den Wald queren, sind die Gruppen relativ strikt voneinander getrennt. Wildschweine etwa leben ausschließlich westlich der A5. Im Herbst beschäftigen sie Anwohner und Förster, wenn sie den Wald verlassen und nach Schwanheim oder Goldstein kommen.

„Die Tiere fressen sich Fett an, um gut über den Winter zu kommen“, erklärt Baumann. Auf der Futtersuche kommen sie immer mal wieder in bewohnte Gegenden. Auch, weil unvernünftige Städter sie hier füttern. Durch den Klimawandel kommen zudem immer mehr Frischlinge heil über den Winter. Dadurch steigt die Zahl der Schweine – und folglich auch die Begegnungen mit Menschen.

Eine Gefahr ist das normalerweise nicht. Nur in die Enge darf man Wildschweine nicht drängen. Auch einer Mutter mit Frischlingen sollte man besser nicht zu nahe kommen. Das eigentliche Problem sind jedoch Gärten in Waldnähe, die der Futtersuche der Wildschweine zum Opfer fallen.

Jagd begrenzt den Bestand

Die Tiere wühlen mit ihren Rüsseln im Boden, erklärt Baumann. Ob Waldboden oder Blumenbeet ist ihnen egal. Immer wieder rufen verzweifelte Gartenbesitzer beim Stadtforst an, um sich Rat zu holen.

„Wenn ihr am Wald leben wollt, müsst ihr auch akzeptieren, dass mal ein Fuchs oder ein Wildschwein vorbeiläuft“, sagt Baumann ihnen dann. Jeder einzelne sei dafür verantwortlich, seinen Garten zu schützen. Aber schließlich sei ein so großes ökologisch intaktes Waldgebiet in Stadtnähe ein Segen. Die stabilen Zäune, die es zum Schutz der Gärten braucht, wiege das mehr als auf.

Baumann und ihre Mitarbeiter bieten jedoch nicht nur Beratung an. Sie werden auch selbst tätig. „Wir können es nie ganz verhindern, aber wir versuchen die Tiere von der Stadt fernzuhalten“, sagt die Försterin. Im Klartext: Es wird gejagt im Stadtwald. Vom Hochsitz aus und in seltenen Fällen auch in Parkanlagen und Straßen.

Rund 150 Wildschweine schießen die Jäger der Stadt so jedes Jahr. Als es 2012 und 2013 einmal besonders viel Nahrung gab und der Bestand explodierte, waren es sogar 280 Tiere. Mit der Jagd soll zunächst einmal der Bestand begrenzt werden. Das verhindert Krankheiten und schützt die Bäume.

Wenn die Schweine im Wald genug Platz und Futter haben, kommen sie nicht so schnell heraus. Durch die Jagd in Stadtnähe will man die Tiere von der Stadt fern halten. Sie sind lernfähig und merken sich, wo auf sie geschossen wird.

Das gejagte Fleisch verkaufen die Förster anschließend im Laden des Stadtwaldhauses. Auch das soll die Akzeptanz des Waldes und seiner Tiere bei den Frankfurtern stärken. „Jagen ist die tiergerechteste Art, Fleisch zu produzieren“, sagt Baumann. Und biologisch produziertes Fleisch aus nächster Umgebung sei sehr beliebt.

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