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Frankfurt Werkeln für den Dalai Lama

Hunderte Ehrenamtliche rüsten sich für den Besuch des tibetischen Oberhaupts diese Woche.

Horst Oehm
Horst Oehm, eigentlich Zahnarzt. hilft vor dem Besuch des Dalai Lama im Tibethaus kräftig mit. Foto: Rolf Oeser

Horst Oehm hockt im Schneidersitz auf dem Parkett und hat sein Zahnarztbesteck ausgepackt. Mit den metallenen Heidemannspateln füllt der 67-Jährige heute keine löchrigen Zähne sondern bunte Holzkugeln. Er lässt Erde heiliger tibetischer Orte in die filigranen Löcher rieseln und formt winzige Knete-Pfropfen, mit denen er die Kugeln verschließt. Eine buddhistische Künstlerin aus dem Spessart wird aus den Kugeln später „Juwelenseen“ in einem dreidimensionalen Mandala legen. „Es gibt Arbeiten, die führen einen in einen schönen Zustand“, sagt Oehm und strahlt zwischen Holzkugeln, Zahnarztinstrumenten, goldenen Buddha-Statuen und Dalai-Lama-Porträt eine fröhliche Gelassenheit aus.

Während Oehm erzählt, betreten immer wieder Handwerker den Raum. „Durch diese Tür wird seine Heiligkeit eintreten“, instruiert ein Mann die Angestellten einer Tischlerei. Im Treppenhaus, im Garten, wo bunte Gebetsfahnen im Wind flattern, überall sind Menschen unterwegs, pinseln letzte Farbe auf die Wände der alten Professorenvilla räumen Sperrmüll zur Seite, bereiten den Aufbau der Bühne im Garten unweit der Ludwig-Erhard-Anlage vor.

Denn morgen ist es soweit. Dann wird der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeterinnen und Tibeter abermals nach Frankfurt kommen, wo eines von weltweit drei Tibethäusern unter seiner Schirmherrschaft seinen Sitz hat. Am Dienstag weiht der 82-Jährige dessen neue Räume nahe der Messe ein und wird auch das Mandala segnen, dessen Elemente der ehrenamtliche Helfer Horst Oehm gerade begeistert erläutert und den „spirituellen Weg von außen nach innen“ skizziert.

Dabei ist Oehm selber gar kein Buddhist. Als „Freund des Tibethauses“ bezeichnet sich der Mann, der einst auf Trekkingtouren im Himalaya mit der tibetischen Kultur in Verbindung kam. Der Buddhismus sei „sicher auch kein Paradies“, sagt Oehm. Aber er schätze im Tibethaus „das undogmatische, empathische, Miteinanderumgehen. Es ist einfach ein gutes Gefühl, hier zu sein“, sagt er im Erdgeschoss des neuen Tibethauses. Die Holzkugeln, das Mandala, das sei „natürlich sehr viel Symbolik“ – „aber das brauchen Menschen manchmal“. So wie wenn er im Alltag einen Stein aus der Tasche ziehe, den er auf einer seiner Trekkingtouren fand und sich denke, „wenn du diesen Berg bezwungen hast, dann schaffst du auch den Termin mit dem Steuerbüro“. Und der Dalai Lama, sagt Horst Oehm, sei für ihn „ein Symbol für einen konsequenten Weg des Ausgleichs und des Strebens nach Frieden“. Er verbinde die Menschen in „seiner unglaublich freundlichen Art“.

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