Lade Inhalte...

Frankfurt Warum Frankfurter die AfD wählen

Rückt Frankfurt nach rechts? Eine Diskussionsrunde der Frankfurter Rundschau thematisiert das Erstarken populistischer Kräfte in der Stadt und die Gründe dafür.

AfD in Frankfurt
Daniel Mullis (2. v. r.) hat in Interviews herauszufinden versucht, warum Frankfurter AfD wählen. Foto: Christoph Boeckheler

Rückt Frankfurt nach rechts? Dieser Frage versuchten sich die Frankfurter Rundschau, das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HFSK) sowie die Katholische Akademie Rabanus Maurus in einer Podiumsdiskussion zu nähern. Das Thema schien großes Interesse zu wecken – mehr als 120 Menschen füllten den Saal im Haus am Dom.
Moderator Andreas Schwarzkopf von der FR warf zu Beginn drei Gründe für das Erstarken rechter Strömungen in die Runde: wachsende Zukunftsängste, die Instrumentalisierung von Identität und die Finanz- und Wirtschaftskrise vor gut zehn Jahren, die Abstiegsängste schuf und auch bestehende verstärkte.

Daniel Mullis von der HSFK gab noch einen vierten Punkt an: die fortschreitende Entdemokratisierung. Dies habe er in Interviews herausgefunden, die er mit Menschen in Nied und Riederwald geführt habe – jenen Stadtteilen, in denen die AfD bei der Bundestagswahl am stärksten in Frankfurt abschnitt. Mullis hat viel Unzufriedenheit vor allem beim Thema Wohnen ausgemacht. Der Mangel an Investitionen, die Angst, die Miete nicht zahlen zu können, und das Empfinden, dass im Viertel nichts passiere, weil Infrastrukturen verkämen und Quartiere geschlossen würden, führten zu einem Wunsch nach einem Wandel. Trotzdem sieht der Forscher keinen Ruck nach rechts, da es in Frankfurt immer große Gegenwehr gegen rechte Aktionen gebe.

Saba-Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank vermied es, von einem Rechtsruck zu sprechen, sagte aber, dass sie Veränderungen wahrnehme. In Gesprächen mit Jugendlichen und Pädagogen würden heute andere Fragen gestellt, die aufgekommen seien, weil eine Partei offen Rassismus und Antisemitismus vertrete. Es würde nun kontroverser diskutiert. „Aber ich finde es gut, dass gesprochen wird“, sagte Cheema. Sie kritisierte, dass das „Multikulti-Frankfurt“ durch die rosarote Brille gesehen werde. Bei Kultur und Kulinarik sei man offen, aber sobald es an wichtige Entscheidungen und die Besetzung von höheren Arbeitsstellen gehe, fehle der migrantische Einfluss. Wenn Migranten an der Gesellschaft teilhaben sollten, müssten sie auch sehen, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten. Im Grunde fehlten die Vorbilder.

FR-Redakteur Danijel Majic sagte, dass sich ein Rechtsruck nicht allein in Parteien oder Strömungen zeige. Entscheidender sei deren Auftreten und gewachsenes Selbstbewusstsein. In einer Gesellschaft, wo Deutungen von rechts in die Mitte übernommen würden, müsse man weniger über die AfD, sondern eher über die anderen Parteien und ihre Rhetorik reden. Andreas Kemper, Publizist und Soziologe, stimmte Majic zu. Wenn Begriffe wie „Homolobby“ einfach übernommen würden, werde deren abwertende oder negative Bedeutung salonfähig gemacht. Mullis ergänzte: „Die Dämme sind weit gebrochen, bei dem was sagbar ist.“ Gerade im konservativen Spektrum werde immer mehr möglich.

Cheema thematisierte noch einmal den Namensstreit bei den Mohrenapotheken. Eine Umbenennung bereite den Menschen Unbehagen, weil Veränderungen schwer zu akzeptieren seien. Dabei gehe es aber nicht um eine Inschutznahme, sondern um eine Symbolwirkung, dass man verstanden habe, wieso der Begriff kritisch sei. Cheema kritisierte aber auch die Linken-Partei, die sofort mit dem Finger auf Leute anderer Meinung zeige und Rassismus schreie. Viele Bürger wüssten nicht um die geschichtlichen Zusammenhänge hinter dem Begriff und müssten in Gesprächen abgeholt werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen