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Frankfurt und Offenbach Licht an: Die Luminale ist eröffnet

Startschuss für die Luminale: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann und der Künstler Philipp Geist schalten in Frankfurt das Licht an, das den Römer illuminiert. Das Lichtkunst-Festival in Frankfurt und Offenbach dauert bis 23. März.

Luminale Frankfurt
"Frankfurt Fades" nennt der Künstler Philipp Geist seine Lichtinstallation auf der Fassade des Römer, bei der das markante Gebäude mit Hilfe von Projektoren in unterschiedlichste Farben und Muster getaucht wird. Foto: dpa

Am Anfang ist das Wort. Und das spricht nach alter Väter Sitte der Herr Oberbürgermeister. Nachdem Peter Feldmann punkt halb Acht von den Treppen des Römers die Stadt („Main-Metropole“) und den Erdkreis („Gäste aus aller Welt“) ordnungsgemäß begrüßt hat, spricht er die magischen Worte: „Hiermit erkläre ich die neunte Luminale für eröffnet!“ Wie Donner hallen sie über den Römerberg, und plötzlich ist es so, als habe eine höhere Macht eine unsichtbare Kühlschranktür geöffnet: Das Licht geht an. Und Philipp Geist schwebt über der Fassade des Römers.

Genauer gesagt eine Installation des Lichtkünstlers Philipp Geist. Auch bei der stand das Wort am Anfang: Geist will zuvor in der Bevölkerung Stichworte gesammelt haben, die ihren visuellen Nachhall in der Installation gefunden haben sollen. Aber wer jetzt glaubt, er könne so schöne Worte wie „Uffbasse“, „Simbel“ oder „Worscht“ lesen, liegt falsch. Auch die von Feldmann versprochenen Wörter „Handkäs“ und „Heimat“ – halt so „Wünsche, die uns bewegen“ – sucht man vergebens. Dafür kann man mit Mühe und Not „Responsibility“ entziffern – ein Wort, das der gemeine Frankfurter weder aussprechen will noch kann und dessen Bedeutung ihm sich nie erschließen wird. Aber schön anzuschauen ist die Installation allemal.

Und das ist auch keineswegs selbstverständlich. Wenige Hundert Meter weiter, an der Fassade der Alten Oper, zeigt das Mailänder Künstlerkollektiv Karmachina Bilder, die wehtun. Grafisch animierte Bomben fallen die Wand herunter. Man mag das als Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg oder an Ex-Oberbürgermeister Rudi Arndt betrachten – schön ist das nicht. Karmachina haben für das Lichtkunst-Projekt einen eigenen Soundtrack erschaffen-

Denn manchmal helfen auch die schönsten Worte nichts. Auf der Pressekonferenz wurde ein Mailänder Künstler immer wieder gefragt, ob er die Geschichte der Alten Oper, denn interessant fände. Und statt zu antworten: Mitnichten, man habe das Haus vielmehr wegen der ihm innewohnenden bodenlosen Langeweile als Muse und Leinwand erwählt, tat die gequälte Künstlerseele so, als sei sie des Deutschen nicht mächtig. Denn Kunst und Worte können zwar viele Fragen beantworten, aber nicht die vollends doofen.

Die besonders Schlauen haben am Sonntag in der Katharinenkirche Platz genommen. Dort ist die „Katharinen-Passion“ der Künstlerin Victoria Coeln zu bestaunen, die das Gotteshaus „in einen inklusiven wie diskursiven Kunstraum“, einen „völlig neuen, chromotopen Erkenntnisraum“ verwandelt, der ausschaut wie der „Teil eines Organismus‘, von Lichtnarben gezeichnet“.

Außerdem ist es dort nicht ganz so kalt wie draußen. Gleißend und unbeweglich verleihen die Lichtnarben an den Wänden der Kirche eine beinahe schon protestantisch anmutende Strenge. „Letztes Jahr haben sich die Lichter bewegt“, moniert eine Besucherin. Irgendwas ist ja immer. Und „die Transformation des Alten durch das Neue“ laut Coeln auch ihr ureigenes Thema. „Dieser Prozess wird oft von Leid und Schmerz begleitet.“ Und manchmal vom Licht der Luminale.

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