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Frankfurt und die Firmen Der Stern vorm Turm

Mercedes will zur IAA das alte AfE-Hochhaus der Universität für Reklame nutzen. Ist ja auch ein prima Ort: Den alten Turm kann man von der Messe aus gut sehen. Die Stadt ziert sich aber, so viel Platz für Werbung herzugeben.

Premium-Lage bei der Messe: der Uni-Turm. Foto: FR/Oeser

Frankfurt ist nicht gerade arm an Werbung. Doch nun ist da ein Vorhaben, das in der internationalen Dienstleistungs-Großstadt doch einen neuen Standard setzen würde. Mercedes Benz möchte zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) vom 15. bis 25. September das AfE-Hochhaus nahe der Messe als eine große Reklamefläche nutzen.

Aus Sicht des Automobilkonzerns ist das nur konsequent. Der 116 Meter hohe Büroturm der Goethe-Universität ist vom Messegelände aus, auf dem die IAA stattfindet, bestens zu sehen. Das 1970 bis 1972 errichtete Beton-Hochhaus beherbergt den Uni-Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, etwa 2500 Studierende arbeiten dort.

Das Ansinnen von Mercedes Benz werde gegenwärtig geprüft, sagt Olaf Kaltenborn, der Sprecher von Uni-Präsident Werner Müller-Esterl. Die Entscheidung ist für die Universität und die Fachleute ihrer „Campus Service-Gesellschaft“ aber nicht einfach. Der AfE-Turm gehört zu ihren Wahrzeichen. Dieses Gebäude für Werbung zur Verfügung zu stellen, wäre ein außergewöhnliches Signal, finden sie.

Großzügiges Angebot

Es wiegt andererseits schwer, dass Mercedes Benz dem Vernehmen nach der Universität ein großzügiges finanzielles Angebot unterbreitet hat. Es ist von 130000 Euro die Rede. Burkhard Wagner, Leiter der Mercedes-Benz-Niederlassung Frankfurt/Offenbach, steht wegen einer Dienstreise nicht zur Auskunft zur Verfügung.

Freilich fällen weder Mercedes noch die Universität die Entscheidung über die großflächige Werbung. Sie muss nach Antrag von der städtischen Bauaufsicht genehmigt werden. Und dort zeigen sich die Fachleute schon jetzt eher skeptisch.

„Wir versuchen grundsätzlich, ein Übermaß an Werbung im Stadtgebiet zu verhindern“, sagt Rainer Kling, der stellvertretende Leiter der Bauaufsicht. Eine großflächige Werbung am AfE-Hochhaus aber sei „stadtbild-prägend“ – von vielen Menschen von weither zu erkennen. Und gegenüber stadtbild-prägender Werbung verhalte sich das Amt „eher zurückhaltend“, meint Kling.

Hinzu komme noch etwas anderes. Autoreklame an einem Uni-Gebäude sei eindeutig „Fremdwerbung“, erklärt Kling. Das heißt, sie stehe inhaltlich in keinem Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Auftrag der Uni. „Ob man ausgerechnet an der Universität so etwas zulassen sollte, ist die Frage.“

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