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Frankfurt Tigerpalast schwebt in höheren Sphären

Das berühmte Frankfurter Varieté erhält den mit 50.000 Euro dotierten Binding-Kulturpreis. Oberbürgermeister Peter Feldmann würdigt den Tigerpalast als „Aushängeschild der Stadt“.

Artistin im Tigerpalast
Die Artistin Valerie Inertie bei einem Auftritt im Tigerpalast. Foto: Andreas Arnold (dpa)

Die letzte Versuchung war die wohl reizvollste. Die erste kam aus Paris: das Angebot für Johnny Klinke und den Tigerpalast, ein Varieté direkt an den Champs-Élysées zu übernehmen. Sie lehnten ab. Und sie widerstanden auch der zweiten Versuchung Anfang der 90er Jahre: ein eigenes Varieté am Marlene-Dietrich-Platz in Berlin. Die letzte Versuchung aber kitzelte merklich. Eine, die nicht in fernen Welten lag, sondern ganz nah, vor der Haustür: ein Varieté-Theater im Capitol Offenbach, in der ehemaligen Synagoge mit ihrer wunderbaren Kuppel, die den Raum größer werden und Träumereien erwachsen lässt. Doch was bereits Realität ist, obsiegt. „Der Tigerpalast ist und bleibt Frankfurt“, sagt Klinke. Und das seit mittlerweile 30 Jahren. Am Samstag gab es dafür den Binding-Kulturpreis der gleichnamigen Brauerei im Kaisersaal des Frankfurter Römers.

Mit 50 000 Euro dotiert, würdigt die Auszeichnung seit 1996 jährlich Kultur und kulturelle Einrichtungen im Rhein-Main Gebiet. „Dieser Preis soll ein Paukenschlag sein“, sagt die Vorsitzende des Vorstandes der Binding-Kulturstiftung, Bergit Gräfing Douglas. In diesem Jahr gehe er an das „Aushängeschild der Stadt“, wie es Oberbürgermeister Peter Feldmann in seiner Begrüßung formuliert. Überhaupt scheut es der Stadtchef nicht, den Tigerpalast mit jedem Satz in höhere Sphären zu hieven. Süchtig mache der, so Feldmann. Es gebe ein Frankfurt vor und nach der Gründung des Tigerpalastes – mit der Eröffnung 1986 habe gleichsam eine neue Zeitrechnung in Frankfurt begonnen.

Laudator Andreas von Schoeler, ehemaliger Frankfurter Oberbürgermeister, bemüht sich indes vor allem um einen historischen Abriss. In schwierigen Zeiten sei der Tigerpalast gegründet worden, als das Varieté weit entfernt lag vom Glanz der 20er Jahre. Das aber, was Johnny Klinke, Margareta Dillinger, der 2002 verstorbene Matthias Beltz und Robert Mangold aus dem Nichts geschaffen hätten, sei wahrlich ein Palast – einst mit kritischem Anspruch als Gegenmodell zu den „Palästen der Banken“ entworfen, sagt von Schoeler.

Getreu dem von Beltz ausgerufenen revolutionären Dreiklang „Egalité, Liberté, Varieté“ habe der Tigerpalast seinen Platz auf der Achse zwischen Las Vegas, New York, Paris und Moskau – allesamt Zentren der Unterhaltung – erobert. „Ich bin mir nicht sicher, ob der Tigerpalast die Welt verändert hat, Frankfurt aber sicher – zum Guten“, so Andreas von Schoeler.

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