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Frankfurt Tatort Ein Waffengeschäft auf dem Riedberg

Im Tatort mit den Ermittlern Janneke und Brix steckte viel Frankfurt drin - aber der Realität entspricht nicht alles.

Tatort: Unter Kriegern
Kommissar Brix wohnt auf einem Campingplatz – der nicht in Frankfurt liegt. Foto: HR/Bettina Müller

Es gab schon Frankfurt-Tatorte, da war von der Stadt nicht viel zu sehen. Oder es wurden Orte als Frankfurt ausgegeben, die nicht mal mit sehr viel Wohlwollen ins Stadtgebiet eingemeindet werden könnten. In der am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlten Folge „Unter Kriegern“ des Hessischen Rundfunks aber, da steckte richtig viel Frankfurt drin. Zumindest, was die Drehorte in dem Psychodrama angeht. Viel spielte am Riedberg etwa. Aber wie realistisch ist das Bild von Frankfurt und seinen Bewohnern, das der HR in die Welt hinaus sendete? Die FR macht den Realitätscheck.

Der Junge Felix besucht eine moderne schicke Schule in einem schmucken Neubau.
Sollte jetzt irgendjemand in der Republik neidisch auf die tollen Frankfurter Schulbauten schauen: Das Gymnasium Riedberg, an dem gedreht wurde, hat von allen weiterführenden Schulen in der Stadt so ziemlich das neueste Gebäude. Der Bau ist gerade einmal fünf Jahre alt. Im Rest von Frankfurt warten Schulen meist auf eine Sanierung oder sitzen Schüler in Containern. Diese Realität kann der Film nicht ausblenden, auch wenn das nur die Frankfurt-Kenner sehen: Als die Ermittler vom Auto aus das Gemeindezentrum beobachten, stellen sie den Wagen neben dem damaligen Domizil der Neuen Gymnasialen Oberstufe auf dem Riedberg ab. Container. Natürlich. So sehen Schulen in Frankfurt aus.

Kommissar Brix sucht eine Wohnung. Seine Vorstellung: verkehrsberuhigt gelegen, nette Geschäfte und Kneipen in der Nähe, mindestens 100 Quadratmeter, erster Stock, Balkon. Allerhöchstens 1100 Euro soll sie kosten.
Tja, wer sagt es ihm? Brix hat Wunschträume, die Frankfurter längst aufgegeben haben. Im Schnitt werden Wohnungen inzwischen für Monatsmieten von 14 Euro pro Quadratmeter angeboten. Aber man muss das verstehen. Der Mann ist ständig auf Verbrecherjagd, der hat keine Zeit, mal in die Zeitung zu schauen. Sonst wüsste er um steigende Mieten, Wohnungsnot, Luxussanierung, wachsende Einwohnerzahl. Das Angebot, für 1200 Euro im Monat in eine 90-Quadratmeter-Wohnung an der Rothschildallee / Ecke Friedberger Landstraße mitten im Nordend zu ziehen, hält er jedenfalls für völlig unangemessen und will auch nicht auf einen Büroturm gucken. Jetzt ist es in Frankfurt natürlich fast unvermeidlich, auf einen Büroturm zu blicken. Aber gut, Brix wohnt nun mal gerade in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz. Und der liegt nicht in Frankfurt. Zumindest in der Realität. Da ist der Platz in Maintal.

Felix geht zum Mittagessen in die Mensa. Er ist der einzige Schüler in der Cafeteria.
Die Zuschauer könnten annehmen, dass in Frankfurt nur wenige Schüler in die Mensa gehen, weil das Schulessen ungenießbar ist. Hochaktuelles Thema. Gerade haben Eltern und Schüler der IGS Nordend aus Sorge um gutes Schulessen protestiert, weil ihr kleines Küchenteam einem Großcaterer wie an den meisten anderen Schulen weichen soll. Und laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2015 essen gerade einmal 18 Prozent der Frankfurter Schüler in der Mensa. Ein einzelnes Kind beim Mittagessen ist offenbar nicht komplett unrealistisch.

Im Hessischen Sportleistungszentrum gibt es im Heizungskeller ein Unterwasserfenster, durch das die Schwimmer im Becken beobachtet werden können.
Zunächst: Es gibt kein Hessisches Sportleistungszentrum in Frankfurt. Ein Leistungszentrum will der DFB ja mal auf die ehemalige Galopprennbahn in Niederrad bauen, aber auf die Fertigstellung wollte nun der HR lieber nicht warten. Gibt ja auch andere Sportstätten in Frankfurt: die Sport-Uni in Bockenheim. Die hat auch einen Heizungskeller. Und ein Unterwasserfenster. Allerdings liegt das Unterwasserfenster nicht wie im Film im Heizungskeller. Praktischerweise stehen nun neben der Sport-Uni auch noch Hochhäuser. Da hat man den Tatverdächtigen Sven Brunner einquartiert. Allerdings sind die Hochhäuser in Wirklichkeit Studierendenwohnheime. Und Student ist Brunner nun nicht, er könnte dort also gar nicht wohnen.

Felix steht in einem Einkaufszentrum auf dem Riedberg vor einer Auslage mit Waffen.
Gedreht wurde im Riedberg-Zentrum. Dort gibt es kein Waffengeschäft. Sanitätshaus, Reisebüro, Bäcker, ja. Aber keine Waffen. Dramaturgisch ist es aber schon verständlich, dass dort für den Film ein Schaufenster mit Waffen aufgebaut wurde. Sonst hätte Felix ja in die Innenstadt ins Waffengeschäft fahren müssen. Dann hätte es vermutlich eine Stellwerkstörung gegeben, die U8 wäre ausgefallen, Felix hätte in der Stadt festgehangen, dadurch seine Mitschülerin verpasst und sie nicht stalken können. So viel Realismus wäre ja blöd für den Film gewesen.

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