Lade Inhalte...

Frankfurt-Süd Pionier des Techno

Der Ortsbeirat 5 will eine Straße am Flughafen nach dem verstorbenen Musikproduzenten und Techno-DJ Torsten Fenslau benennen. Das ist nicht so einfach.

Flughafen
Im Flughafen-Viertel Gateway Gardens sind die Straßen nach Pionieren der Luftfahrt benannt. Foto: Sascha Rheker (Sascha Rheker)

Als Sound of Frankfurt bezeichnen Musikfreunde eine spezielle Art der elektronischen Tanzmusik, die in den 80er und 90er Jahren im Rhein-Main-Gebiet populär wurde. Der Darmstädter Torsten Fenslau gehörte zu den prägenden Figuren der Szene. Der DJ und Musikproduzent war Pionier. Viele seiner Stücke gelten als Klassiker. Wobei er den Spagat schaffte, kommerzielle Tanzmusik und Tracks für den Untergrund zu produzieren. Weggefährten berichten, dass Fenslau trotz seines Erfolges natürlich geblieben war, ein Star ohne Allüren. Seinen größten Erfolg landete er 1993 mit dem Projekt Culture Beat. Das Lied „Mr. Vain“ war in mehreren europäischen Ländern auf Platz 1 der Charts.

1993 ist Fenslau aber auch in Folge eines Autounfalls gestorben. Er ist auf dem Alten Friedhof in Darmstadt begraben. Der Ortsbeirat 5 hat nun beschlossen, eine Straße in Frankfurt nach ihm zu benennen. Am besten wäre es, findet das Gremium, eine in Nähe des Flughafens zu finden. Denn Fenslau war nicht nur Mitbegründer der als Kult geltenden DJ-Sendung „hr3 Clubnight“. Er gehörte auch zu den Stamm-DJs in der legendären Flughafen-Disco Dorian Gray.

Zunächst hatte der Ortsbeirat bei seinem Vorstoß darum an eine Straße im neu entstandenen Flughafen-Quartier Gateway Gardens gedacht. Das hat sich aber als schwierig herausgestellt. Dort soll die Stadt nämlich alle Wege nach Pionieren der Luftfahrt benennen. Das fußt auf einem älteren Beschluss des Ortsbeirats aus der Zeit von 2011 bis 2016. „Daran wollen wir auch nicht mehr rütteln“, sagt Ortsvorsteher Christian Becker (CDU).

Die Stadt soll nun ermitteln, welche andere Straße nahe des Airports in Frage käme. Außerhalb des Ortsbezirks würde sich auch eine am Hessischen Rundfunk anbieten – wegen Fenslaus Verbindung zur hr3 Clubnight.

Der Ortsbeirat 5 sähe das aber nicht so gerne. Einmal, weil er schlecht außerhalb des eigenen Ortsbezirks Vorschläge für Straßennamen machen kann. Aber auch, weil dann andere sich mit der Idee schmücken würden. Eine richtig gute Idee scheint der Vorschlag nämlich zu sein. Nicht nur, weil fast alle Fraktionen den Antrag mittragen, den ursprünglich die Linken formuliert haben. Einstimmig beschlossen hat das Gremium die Vorlage ebenfalls.

Für die Idee spricht auch, dass Fenslau „keine der üblichen Koksnasen war“, wie Martin Kliehm sagt. Kliehm ist Fraktionsvorsitzender der Linken in der Stadtverordnetenversammlung. Er ist in die jüngste Sitzung des Ortsbeirats gekommen, um dem Gremium Dank auszusprechen für den Fenslau-Vorstoß. Der DJ sei politisch aktiv gewesen, habe Techno mit einer Botschaft verbunden. Und: „Seine Mutter in Miltenberg würde sich ein Loch in den Bauch freuen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen