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Frankfurt Suche nach Tuberkulose-Krankem

Ein Obdachloser mit ansteckender Tuberkulose flüchtet aus der Isolierstation einer Frankfurter Klinik. Seit Tagen sucht die Polizei nach dem 33-Jährigen. Das Gesundheitsamt beruhigt: Nur bei engem Kontakt sei eine Ansteckung möglich.

Die Polizei sucht einen obdachlosen Mann aus Bulgarien, der an einer offenen Tuberkulose leidet und, wie erst jetzt bekannt wurde, am vergangenen Sonntag aus der Infektionsstation des Katharinen-Krankenhauses geflüchtet ist. Foto: dpa

Die Polizei sucht einen obdachlosen Mann aus Bulgarien, der an einer offenen Tuberkulose leidet und, wie erst jetzt bekannt wurde, am vergangenen Sonntag aus der Infektionsstation des Katharinen-Krankenhauses geflüchtet ist. Wie Robert Standhaft vom Sozialdezernat am Freitag bestätigte, sind alle Obdachlosenunterkünfte informiert und gebeten worden, sofort die Polizei zu holen, wenn der 33-Jährige auftauchen sollte.

Udo Götsch vom Stadtgesundheitsamt betonte am Freitag, dass die Ansteckungsgefahr für einen gesunden Menschen ausgesprochen gering sei: „Es bedarf in der Regel eines mehrstündigen Kontakts in einem geschlossenen Raum, damit überhaupt ein Risiko für eine Ansteckung besteht“, sagte der Mediziner.

Nach wie vor ungeklärt ist, wie es dem Mann gelingen konnte, aus dem Krankenhaus zu fliehen. Weil „Gefahr im Verzug“ war, hatte das Stadtgesundheitsamt angeordnet, dass er fixiert werden solle und eine richterliche Anordnung eingeholt. Grund für die Fixierung war, dass der Mann gegenüber dem Krankenhauspersonal gewalttätig geworden war. Wenige Stunden nach der Fixierung gelang dem 33-Jährigen die Flucht über den Balkon – offenbar, weil er sich mit Hilfe eines Feuerzeugs von den Fesseln befreien konnte. Warum der Patient ein Feuerzeug hatte, konnte nicht geklärt werden.

Wie es aus gut unterrichteten Kreisen im Katharinen-Krankenhauses hieß, werden die Türen in der Station nicht abgeschlossen, man sei schließlich kein Gefängnis. Die Infektionsstation des Katharinen-Krankenhauses umfasst 16 Plätze. Solche für die Isolierung von Patienten mit ansteckenden Krankheiten gedachten Unterkünfte gibt es sonst in Frankfurt nur noch im städtischen Krankenhaus in Höchst und in der Universitätsklinik. Als Infektionskrankheiten gelten auch Masern, Mumps und Röteln.

Nach Angaben des Stadtgesundheitsamts hat sich der Patient zunächst auf eigene Faust in die Notaufnahme eines Krankenhauses begeben, um sich behandelt zu lassen. „Er war anfangs therapiewillig“, sagte Götsch. Als er dann gewalttätig wurde, wurde die Polizei eingeschaltet. Laut Polizei-Pressesprecher Sascha Newiadomsky wurde er am 22. Juli ins Katharinen-Krankenhaus eingeliefert, am 31. Juli sei die Polizei angefordert worden, die das Zimmer des Kranken bis zum Sonntagvormittag bewacht habe. Etwa zehn Stunden später war der 33-Jährige verschwunden.

Warum er trotz seines renitenten und gewalttätigen Verhaltens nicht in die Psychiatrie verlegt worden sei, diese Frage beantwortete Götsch mit dem Hinweis, dass es sich bei einer Tuberkulose um eine internistische Krankheit handele, die in eine internistische Klinik gehöre. TBC ist eine meldepflichtige Krankheit. Pro Jahr werden in Frankfurt etwa 50 bis 70 Patienten mit einer offenen Tuberkulose behandelt. 2014 waren es sogar 139. „Das waren schon ungewöhnlich viele“, so Götsch. Im ersten Halbjahr 2015 habe die Zahl um 20 Prozent abgenommen. Üblich sei es, dass der Patient so lange im Krankenhaus bleibe, bis er niemanden mehr anstecken könne.

Sollte der geflüchtete Patient entdeckt werden, ist vorgesehen, ihn in einer Spezialklinik in Parsberg in der Oberpfalz unterzubringen. Dort habe man sich auf behandlungsunwillige TBC-Patienten spezialisiert. Die Klinik sei gut ausgelastet. Mit Blick auf den Schutz der Bevölkerung sagte Götsch, man könne die Leute nur über die Symptome und die Ansteckungswege informieren. Robert Standhaft vom Sozialdezernat, das für die Obdachlosen zuständig ist, sagte: „Wir haben ein gut funktionierendes Gesundheitsystem.“

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