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Frankfurt Steinmeier würdigt Fritz Bauer in der Paulskirche

Der frühere Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hat für die deutsche Gesellschaft Enormes geleistet. Bundespräsident Steinmeier würdigt ihn beim Gedenkakt zum 50. Todesjahr in der Paulskirche.

Gedenken an Fritz Bauer
Bundespräsident Steinmeier bedauerte in der Paulskirche, dass Bauer kein Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

„Wenn die Prozesse einen Sinn haben, so ist es die unumgängliche Erkenntnis, dass Anpassung an einen Unrechtsstaat Unrecht ist.“ (Fritz Bauer, 1964)

Als „Aufklärer“, „streitbaren Geist“ und „leidenschaftlichen Demokraten“ hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Gedenkakt in der Paulskirche am Sonntag den früheren hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer gewürdigt. Anlass war das 50. Todesjahr Fritz Bauers (1903 - 1968).

Als Amtsrichter wurde Fritz Bauer während der Nazi-Zeit wegen seiner SPD-Mitgliedschaft für neun Monate in das KZ Heuberg in Baden-Württemberg gesperrt. Bauer wanderte 1936 nach Skandinavien aus, kehrte 1949 nach Deutschland zurück. Er wurde 1950 Generalstaatsanwalt in Braunschweig, ab 1956 hessischer Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Frankfurt. Mit dem ersten Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Frankfurt, von 1963 bis 1965, bei dem 20 Urteile fielen, machte er sich einen Namen über die Landesgrenzen hinaus.

Steinmeier nannte die Auschwitzprozesse eine „Wegmarke in der Geschichte der Bundesrepublik“. In den Gerichtsverhandlungen sei es Bauer darum gegangen, „wie mit einem Röntgengerät“ die Befehlskette, die das beispiellose Menschheitsverbrechen des Holocaust ermöglicht hatte, „bis in die letzten Verästelungen sichtbar zu machen“. Auch habe sich Bauer dem Fortwirken des Personals aus der NS-Zeit widersetzt. Dafür sei ihm „mit Argwohn“ begegnet worden. „Das Grundgesetz hat die Bundesrepublik zu einer Demokratie gemacht, aber nicht zu einer Republik von Demokraten“, sagte Steinmeier. Er bedauerte, dass Fritz Bauer zu Lebzeiten nicht das Bundesverdienstkreuz verliehen worden sei.

„Es gibt keinen Grund, ihn zu überhöhen. Fritz Bauer war ein Held“, sagte der Jenaer Historiker Norbert Frei. Keiner habe so konsequent die NS-Verbrechen aufgearbeitet wie er.

Dazu zählte auch, dass Bauer dem israelischen Geheimdienst Mossad den Aufenthaltsort des NS-Verbrechers Adolf Eichmann in Argentinien übermittelte. Eichmann wurde entführt und 1961 in einem Prozess in Jerusalem zum Tode verurteilt.

Trotz seiner Lebensleistung habe Fritz Bauer nach dem plötzlichen Tod - er starb kurz vor seinem 65. Geburtstag - von der Gesellschaft nicht die angemessene Anerkennung erfahren, sagte Frei. Erst seit dem Jahr 1995, mit der Gründung des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt, habe die Wiederbeschäftigung mit diesem „Aufklärer der Epoche“ begonnen. Zuletzt hätten Kinofilme, Fernsehproduktionen, Ausstellungen und Biografien die Bedeutung seiner Arbeit dokumentiert. „Er war der entschlossenste der wenigen Promotoren einer westdeutschen Vergangenheitsbewältigung“, sagte Frei.

Sybille Steinbacher, die das Fritz-Bauer-Institut leitet und an der Goethe-Universität mit einer deutschlandweit einzigartigen Professur zum Holocaust lehrt und forscht, nannte Bauer einen „radikalen Demokraten“. Er habe das Wissen über die deutschen Verbrechen verbreiten wollen; heute sei der kritische Umgang mit der NS-Vergangenheit dank seiner Vorarbeit etabliert.

Tarek Al-Wazir (Grüne), stellvertretender Ministerpräsident in Hessen, mahnte, dass in diesen Zeiten niemand wegsehen dürfe, wer Gewalt auf Straßen oder im Internet beobachte. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte derartigen Anfeindungen den Kampf an.

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