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Frankfurt-Sossenheim Alternative zum Chemie-Klo

Die Schwestern Séverine und Elisabeth Felt haben ökologisch nachhaltige Komposttoiletten entwickelt. Statt Wasserspülung oder übel riechender, chemischer Desinfektion wird hier mit Sägespänen „gespült“.

14.01.2015 08:13
Amelie Buskotte
Am Campus kann man mit Sägespänen „spülen“. Foto: Christoph Boeckheler

Sie sehen aus wie die bekannten Plumpsklos mit einem kleinen Herz auf der Tür. Und eigentlich sind die beiden Toiletten, die auf dem Gelände des Wissenschaftsgartens der Universität Frankfurt stehen, das auch. Aber die beiden Häuschen haben eine Besonderheit: Es sind ökologisch nachhaltige Toiletten.

Statt Wasserspülung oder übel riechender, chemischer Desinfektion, wird hier mit Sägespänen „gespült“. Nach jedem Toilettengang, muss eine Schaufel mit Spänen in die Toilettenschüssel geworfen werden. „Dadurch ist die Toilette absolut geruchsneutral“, erklärt Séverine Felt, Mitgründerin des Unternehmens „Nowato“. Sie und ihre Schwester Elisabeth Felt gründeten 2011 das Unternehmen. „Wir wollten etwas Eigenes machen – etwas das über die anderen Umweltschutzmaßnahmen hinaus geht“, sagt Elisabeth Felt.

Auf Reisen hatten die Frankfurterinnen die Komposttoiletten – so heißen die Toiletten, weil die Sägespäne kompostierbar sind – entdeckt. Vor allem in Frankreich sind diese verbreitet. „Wir haben sie ausprobiert und waren erstaunt, wie gut es funktioniert“, sagt Séverine Felt.

Alten Job an Nagel gehängt

In Deutschland war die „Szene noch sehr klein“, sagt Elisabeth Felt. Für die beiden ein guter Grund, den alten Job an den Nagel zu hängen und ein Unternehmen zu gründen. Gemeinsam mit Produktentwicklern und einer Schreinerei aus Bayern entwickelten sie 2011 die erste Komposttoilette.

Seitdem haben sich die Toiletten beständig weiterentwickelt. Weil die Unternehmensgründerinnen die Toiletten nicht nur vermieten, sondern auch europaweit verkaufen, mussten die Toilettenmaße den Versandmaßen entsprechen. „Das ist gar nicht so leicht“, sagt Séverine Felt. „Man muss so viel bedenken und am Ende schleichen sich doch immer noch Fehler ein.“

Passend zu den Toiletten gibt es Handwaschbecken, die ebenfalls aus Holz gefertigt sind und komplett ohne Wasseranschluss auskommen. „Da haben wir lange tüfteln müssen, damit die versendet werden können“, sagt Séverine Felt. „Es ist ein Lernprozess“, erwidert die ein Jahr jüngere Schwester. Ein Büro haben die beiden Unternehmensgründerinnen nicht. „Wir arbeiten von Zuhause aus“, sagt Elisabeth Felt. Die Toiletten, die verkauft werden, werden direkt aus der Schreinerei versandt. Die Klohäuschen für die Vermietung stehen auf einem Gelände in Sossenheim. Damit die Toiletten wirklich nachhaltig sind, achten die Unternehmerinnen darauf, dass nur Holz aus nachhaltigem Anbau verwendet wird. Weil die Toiletten zudem wind- und wetterfest sein müssen, wird überwiegend Lärchenholz verarbeitet.

Einen großen Kundenstamm konnten sich die Schwestern schon aufbauen. So werden in Frankfurt und Umgebung immer häufiger ihre Toilettenhäuschen gemietet – etwa für Spielplätze, Filmdrehs aber auch private Veranstaltungen wie eine Hochzeit.

Neben dem Wissenschaftsgarten und dem Botanischen Garten, wo die Toiletten dauerhaft stehen, wünschen sie sich noch bekannter zu werden in Frankfurt. Denn begeistert sei jeder von dem ökologischen stillen Örtchen. „Es macht Spaß, wenn man sieht, dass die Menschen zufrieden sind“, sagt Elisabeth Felt. „Dafür lohnt sich die Arbeit.“

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