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Frankfurt-Sindlingen Hofleben in der Stadt

Die Biologin Isabell Müller-Germann hat mit ihrer Glückswiese im Frankfurter Stadtteil Sindlingen ein Paradies für Mensch und Tier erschaffen.

Isabell Müller-Germann und ihr Julian zogen das Schäfchen Baby Mäh mit der Flasche auf, weil seine Mutter zu jung war. Foto: Peter Jülich

Julian nutzt den Moment, in dem der einjährige Labradormischling Charlie sich nahe des Tors aufhält. Er hält sich fest und versucht, sich auf den Hund zu setzen. Schnell landet er mit seinen Gummistiefeln auf dem matschigen Boden. Der Fünfjährige grinst und läuft mit einem Stock zum Gänsestall, um sich von Franz, dem Ganther, und seinen Damen anmeckern zu lassen.

Die Damen sollten eigentlich längst als Weihnachtsbraten verspeist werden, doch Freunde von Isabell Müller-Germann kauften sie frei und brachten sie zur Sindlinger Glückswiese. Genau wie Charlies Mutter Emma, die aus einer spanischen Tötungsstation gerettet wurde, die Kühe Helenchen und Benny, die vor der Diät-Kälbermast in Holland bewahrt wurden, und die fünf Hängebauchschweine Rosalie, Trüffel, Tina, Elisa und Strolchi, die Anschauungsobjekte der Tierklinik Gießen waren.

Auf einem riesigen Grundstück an der Okrifteler Straße hat sich die promovierte Biologin Isabell Müller-Germann ein Naturparadies geschaffen. Über 50 Tiere leben dort, betreut von ihr selbst, Ehrenamtlichen, Reitlehrern und Praktikanten. „Eigentlich ist immer jemand von uns da, und dann steht die Tür auch für Besucher offen“, sagt die 33-Jährige, die aus einer Landwirtschaftsfamilie in Kelsterbach stammt und mit dem Landwirt Norbert Müller verheiratet ist. Ihren Teilzeitjob am Max-Planck-Institut gab sie auf, um sich nun ganz auf die Glückswiese zu konzentrieren, die 2006 mit ein paar Pferden ihre Anfänge nahm.

„Ich will zeigen, dass man Tiere auch ohne Nutzen halten kann“, sagt sie, während sie Helenchen streichelt. Mit Reitstunden, Ausritten, Kindergeburtstagen und Kinderpferdezeit finanziert sie das Projekt. Gerade hetzten Fremde Pferde auf die Straße, Pünktchen wurde von einem Auto angefahren und schwer verletzt. „Da Dritte beteiligt waren, zahlt die Versicherung nicht“, sagt Müller-Germann, „das haut natürlich rein.“ Auf Urlaub verzichtet die Familie längst, „das ist ja wie Urlaub hier.“ Sohn Julian hat sich ein kleines Zelt aufgestellt, „für den Sommer planen wir ein Indianercamp“, sagt seine Mama.

In unmittelbarer Nachbarschaft leben auch die Ponys von den Ponyzwergen, etwas den Main gen Norden steht der Reitstall der Villa Meister, der vom Reiterverein Sindlingen genutzt wird. Bis in die 80er Jahre lebte über dem Stall Christa von Meister, die in ihrem Testament verfügte, dass ihr Elternhaus Rehabilitationszentrum für Drogenkranke sein solle und Park und Orangerie der Öffentlichkeit zugänglich sein sollen.

Nach wie vor ist vor allem der alte Sindlinger Ortskern rund um Main und Ranzenbrunnen das Zentrum des Stadtteils. Dort gibt es noch Einzelhändler, an der Bahnstraße entlang haben zahlreiche Restaurants eröffnet. Das Gebiet um den Kreisel trägt schon den Namen „Little China“, weil dort vier asiatische Restaurants in unmittelbarer Nachbarschaft sind.

Der Versuch, Nord- und Südsindlingen ein gemeinsames Zentrum rund um das Bürgerhaus zu ermöglichen, scheiterte. Obwohl dort mit dem Abenteuerspielplatz, dem Kinder- und Jugendhaus, der Stadtteilbibliothek, dem Bürgerhaus und dem Haus Sindlingen einiges geboten wird. Dort, am Richard-Weidlich-Platz, liegt auch das Eiscafé Venezia, das stadtweit bekannt ist.

Angebote für Kinder

Im Kinder- und Jugendhaus gibt es einen Kinderclub und einen Jugendclub, Hausaufgabenbetreuung, Beratungsangebote, Mädchenprojekte und Teenieprojekte. Montags bis donnerstags können Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren ohne Anmeldung das Kinderhaus besuchen. Während in Werk- und Gruppenräumen etwa Lego gebaut, gekocht oder mit der Carrera-Bahn gespielt wird, stehen zwischen Frühjahr und Herbst zahlreiche Spielgeräte auf dem Abenteuerspielplatz zur Verfügung. Das Jugendhaus richtet seine Angebote hingegen an Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren.

Das Kinder- und Jugendhaus ist einer von insgesamt 51 ortsansässigen Vereinen, darunter fallen zahlreiche Sportvereine wie die Fußballer von Viktoria Sindlingen – wo einst Jürgen Klopp kickte –, die Gardetänzerinnen vom Sindlinger Karnevalverein und die Turner vom TV 1875 Sindlingen, aber auch Musikvereine und politische oder kulturelle Organisationen.

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