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Frankfurt-Schwanheim Brückensprengung völlig sinnlos

Die Schwanheimer Main-Brücke wurde 1945 von der Wehrmacht gesprengt. Das Vorrücken der US-Armee konnte sie dennoch nicht verhindern. Heute erinnert nur noch ein Brückenhäuschen an die alte Querung.

27.05.2015 08:12
Martín Steinhagen
Zerstört: Die Schwanheimer Brücke stand am Ufer Höhe Eifelstraße. Foto: Heimat- und Geschichtsverein Schwanheim

Es war in den frühen Morgenstunden des 26. März 1945, als die Schwanheimer Main-Brücke in sich zusammenkrachte. Betonstücke flogen durch die Luft, das eiserne Skelett blieb zerstört im Fluss liegen. Ein Kommando der Wehrmacht hatte an der Brücke Sprengladungen gezündet. Die US-amerikanischen Truppen hatten den Rhein bereits überquert, die Wehrmacht versuchte ihr Vorrücken auf Frankfurt zu verhindern oder wenigstens zu verzögern. Ohne Erfolg: Noch am gleichen Tag rückte die US-Army in die Stadt über eine andere, unzerstörte Brücke ein. Drei Tage später war sie befreit.

„Jeder wusste, der Krieg geht zu Ende“, erinnert sich Willi Nielbock in einem Buch des Heimat- und Geschichtsvereins Schwanheim aus den 70er Jahren. „Jeder wusste, weiterer Widerstand ist sinnlos. Sinnlos war aber auch die Sprengung der Brücke. Keiner wagte es laut zu sagen.“

Die Brücke, an die heute in der Eifelstraße noch ein Brückenhäuschen aus rotem Sandstein mit Gedenkplakette erinnert, war Ostern 1907 für den Verkehr geöffnet worden. Sie sollte es den Bewohnern des damals unabhängigen Schwanheim ermöglichen, ohne Umweg und Fähre den Main zu queren, um in den Industriebetrieben zur Arbeit zu gehen. Jahre zuvor hatte der Arzt und Forscher Wilhelm Kobelt die Gesellschaft „Mainsteg“ gegründet, um sich mit anderen Schwanheimern für den Bau einer Brücke einzusetzen. Nicht alle waren von der Idee begeistert. Manche fürchteten, die Gemeinde könne sich hoch verschulden, so Nielbock.

Die Befürworter indes setzten sich durch. Die Blechträgerbrücke wurde am Mainufer gebaut mitsamt Häuschen, an dem diejenigen „Brückengeld“ zahlen mussten, die den Fluss queren wollten. Fünf Pfennig soll es bis in die 20er Jahre gekostet haben. „Mir machte es einen Heidenspaß, dem Mann im Brückenhäuschen einen Fünfer durch das Fenster zuzuschieben“, sagt Nielbock. „Damals glaubte ich, die Schwanheimer kämen ohne das Geld nicht aus. Heute weiß ich, dass die Brücke längst bezahlt war.“ Finanziert wurde sie durch den Verkauf eines Waldstücks.

Nach ihrer Sprengung versuchten laut Aufzeichnungen des Schwanheimers Bernard Hey SS-Einheiten die anrückenden US-Amerikaner aufzuhalten. Ein Bürger soll sich an den deutschen Truppen vorbeigeschlichen haben, um mit dem Kommandeur der US-Army Kontakt aufzunehmen. Das Ziel: Vom Wald her die deutschen Flugabwehr-Stellungen anzugreifen, um Schwanheim zu schonen.

Die amerikanischen Einheiten wären auch so vorgegangen, schreibt Hey, der von den NS-Behörden als „Notverwaltungsbeamter“ für Schwanheim bestimmt worden war. Am Morgen des 27.3.1945 hatte die US-Army Schwanheim eingenommen.

Zur Überquerung des Mains stieg man zunächst in Boote. Auf den Pfeilern der zerstörten Brücke errichteten amerikanische Pioniere schließlich eine Behelfsbrücke, die ab Mai 1947 befahrbar war. Sie hatte nur eine Fahrspur und „wenn schwere Militärfahrzeuge die Brücke passierten, schwankte sie“, so Nielbock.

Als 1963 die neue Schwanheimer Brücke gebaut war, gab es für das Provisorium keinen Bedarf mehr. Es wurde abgebaut, die Brückenpfeiler gesprengt. Die FR meldete im November 1964, dass die Brücke nach Ludwigshafen verschifft wurde.

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