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Frankfurt-Sachsenhausen Neue Partys, alte Probleme

Während die Art-Bar bald ohne Bleibe ist, eröffnen in Alt-Sachsenhausen auch neue Lokale, in denen die Gastronomen nicht nur aufs Geldverdienen setzen. Der Elfer beispielsweise, der sich auch in dem Kneipenviertel angesiedelt hat, hat auch die Kultur im Fokus.

Morgens sind die Straßen in Alt-Sachsenhausen wie leer gefegt. Foto: Alex Kraus

Janice Young ist verzweifelt. Die Inhaberin der Art-Bar ist auf der Suche nach neuen Räumen. Bald könnte es mit der beliebten Kneipe im Ziegelhüttenweg vorbei sein. „Ich hoffe, dass wir bis mindestens Weihnachten bleiben können.“ Das Haus, in dem sich in den letzten neun Jahren ein Treffpunkt für Musiker etabliert hat, soll abgerissen werden. Seit zwei Jahren ist Young auf der Suche, leider erfolglos.

„Das Problem ist, dass wir Räume brauchen, die groß genug sind und in denen wir Musik machen können, es können also keine Wohnhäuser sein.“ Am liebsten möchte sie im Viertel bleiben. „Nach Alt-Sachsenhausen würden wir nicht so gerne ziehen.“ In der Wallstraße hat sie selbst jahrelang einen Pub betrieben. „Dort gibt es viele Keller, das ist besonders im Sommer nicht sehr schön.“ Außerdem geht dort nicht ihr Zielpublikum aus. „Das Alter unsere Gäste beginnt ab 30 .“

Konzerte laufen gut

Neu in Alt-Sachsenhausen ist dafür das Dough House. In der wiederbelebten alten Kneipe Gorjel Schwenker in der Kleinen Rittergasse gibt es nun Musik und Performances. Auf drei Stockwerken, zwischen Holzvertäfelung und Altar, legen DJs auf und Barkeeper schenken Gin Tonic aus. „Unser Konzept wollen wir noch ausbauen“, sagt Veranstalter Asaf Schwarz. Er plant ein gastronomisches Angebot, Konzerte oder Kulturveranstaltungen.

Gemeinsam mit Samuel Weiffenbach von der Partyreihe Rockmarket bespielt er seit einem halben Jahr das Gebäude, das lange leer stand. Anfangs hätten sich schon viele gewundert, dass sie in Alt-Sachsenhausen aufschlagen. „Wir unterscheiden uns von den üblichen Läden.“ Doch der Charme des Hauses überzeugte.

Vor einem Jahr ist der Elfer von Eschersheim in die Klappergasse gezogen. Die Bilanz ist positiv. „Wir wussten ja, worauf wir uns einlassen“, sagt Betreiber Wolf Heilig, dem auch der Ponyhof und die Stereobar gehören. „Rockpartys kommen hier nicht so gut an.“ Konzerte laufen allerdings gut, das hätte er nicht gedacht. „Wir etablieren uns langsam.“

Bis jetzt habe es noch keine Schlägerei gegeben. „Ich fände es toll, wenn Alt-Sachsenhausen die Bezeichnung Partymeile verliert und sich hier andere Clubs ansiedeln.“ Nicht nur Shisha-Bars oder Kneipen wie das Oberbayern. Konzepte, denen es nicht nur ums Geld verdienen geht, sondern mehr Kultur anbieten.

Saufmeile statt Traditionsviertel. Viele sehen die Wandlung des Viertels kritisch. Zu viele Randale, zu wenig Schutz des Altbestands. Babo von Harrach wohnt in der Paradiesgasse. „Am Wochenende ist es nachts sehr laut, die Feierei geht bis in den Morgen.“ Am Tag danach: Müll und Scherben. Er wünscht sich ein anderes Publikum, denn es gebe viele gute Kneipen und Restaurants. Schon lange setzt er sich für den Erhalt des Viertels ein. „Die gelungene Restaurierung des Kuhhirtenturms sollte keine Einzelmaßnahme bleiben.“ Die Stadt müsse mehr für das kulturelle Erbe des Viertels tun.

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