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Frankfurt-Sachsenhausen Klartext von Cohn-Bendit

FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert stellt sein Buch „Die Hoffnung war mal grün“ vor. Kurzweilig erzählt Daniel Cohn-Bendit dabei Anekdoten.

Urgesteine unter sich: Daniel Cohn-Bendit, Bernd Messinger und Buchautor Claus-Jürgen Göpfert (von links). Foto: Christoph Boeckheler

Es ist ein Abend der deutlichen Worte. Das fängt schon bei der Begrüßung an. Bernd Messinger, Urgestein der Grünen und mittlerweile Referent der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, blickt in den Saal und stellt knochentrocken fest: „Wir waren alle mal jünger.“ Das Publikum in der Ausstellungshalle 1a in Sachsenhausen nimmt es ihm nicht übel.

FR-Redakteur Claus-Jürgen Göpfert stellt an diesem Abend in der voll besetzten Halle sein Buch „Die Hoffnung war mal grün“ vor. Es handelt von den Grünen, von ihren Anfängen als Protestpartei, von den Nachwirkungen der 68er Bewegung, von der Startbahn 18 West, von der ersten Regierungsbeteiligung in Wiesbaden, von Fundis und Realos und von Kreismitgliederversammlungen, „auf die kein gestandener Redakteur gehen wollte“, wie sich Göpfert erinnert. Denn die Treffen konnten schon mal das gesamte Wochenende dauern und dann doch ohne Ergebnis enden.

Göpfert, so stellt Messinger fest, habe einen „rasanten Ritt durch die Parteigeschichte“ hingelegt. Gesprochen hat der Journalist, der seit knapp vier Jahrzehnten über (Kommunal-)Politik schreibt, dafür mit zahlreichen Protagonisten. Einer von ihnen sitzt auf der Bühne: Daniel Cohn-Bendit, erst Sponti, dann Frankfurter Multikulti-Dezernent, später Europaabgeordneter und zuletzt Redner am Tag der Deutschen Einheit in der Paulskirche.

Blick in die Zukunft der Grünen

Kurzweilig erzählt Cohn-Bendit Anekdoten. Etwa über Joschka Fischer, der von Umweltpolitik überhaupt keine Ahnung gehabt habe, als er 1985 hessischer Umweltminister wurde. „Aber in zwei Monaten hat Joschka alles gelesen, was es über Umweltpolitik zu lesen gab“, erzählt er.

Doch der „Dany“, wie ihn in der Ausstellungshalle alle rufen, wäre nicht der „Dany“, würde er nicht erstens auch über aktuelle politische Fragen reden und zweitens seine eigene Partei schonen. Er frage sich schon oft, warum die Friedensbewegung sofort auf die Straße gehe, wenn die USA Krieg führten, aber nun weitgehend schweige: „Wo sind die Demos gegen Putin?“, fragt Cohn-Bendit angesichts der Kämpfe in Syrien. Die deutsche Linke habe offenbar immer noch „einen Hang zu Russland“.

Zugleich blickt er in die Zukunft. Im Bund könne es demnächst eine schwarz-grüne Koalition geben. In Frankfurt könne er sich ein rot-rot-grünes Modell gut vorstellen, wie es SPD-Chef Mike Josef zuletzt vorgeschlagen hatte. Und die OB-Wahl sei quasi entschieden. Die CDU habe sich nach dem Rückzug von Petra Roth und Udo Corts „derart zurückentwickelt“, dass die Wiederwahl von Peter Feldmann (SPD) gesichert sei.

Die beiden Dezernenten der Grünen, Heilig und Stefan Majer, die in der ersten Reihe sitzen, nehmen die Worte gelassen zur Kenntnis. Der „Dany“ darf so etwas sagen. Insbesondere an einem Abend der klaren Worte.

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