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Frankfurt-Sachsenhausen Falken am Dreikönig-Turm gesichtet

Am Turm von Dreikönig stärkt ein neues Paar Frankfurts Ruf als Falken-Hochburg. Bei der anstehenden Sanierung ist Vorsicht geboten.

Wanderfalkenpaar
Das Wanderfalkenpaar an der Dreikönigskirche. Foto: Ingolf Grabow

Man kann dem Wanderfalken viel vorwerfen, aber dies garantiert nicht: dass er einer jener Leute wäre, die es neuerdings nach Frankfurt hereinzieht, weil jetzt alle nach Frankfurt hereinziehen. Im Gegenteil. Schon 1983 machte er es sich und seiner Familie gemütlich auf dem ersten Wanderfalken-Brutplatz der Stadt, von Helmut Anhäuser hinter einem Lüftungsloch in 160 Metern Höhe eingerichtet – im Fernsehturm.

Nicht gar so hoch hinaus zieht es offenbar ein anderes Paar dieser hierzulande wieder häufiger vorkommenden Greifvögel, das sich jüngst an der Dreikönigskirche in Sachsenhausen blicken lässt und dort offenbar sein Heimatrevier eingerichtet hat. „Für mich ein Grund zur Freude“, jubiliert Ingolf Grabow, unter anderem Brutplatzbetreuer der Staatlichen Vogelschutzwarte, über seine Beobachtung.

Ob es das Falkenpaar ist, das durch den Abriss und Neubau des Henninger-Turms sein Zuhause verlor? „Ich weiß es nicht“, sagt Grabow, „aber der Kirchturm am Main ist für vogeljagende Wanderfalken besonders attraktiv.“

Doch wie es so ist im Leben: Ausgerechnet jetzt steht die Sanierung der Sachsenhäuser Kirche an und mit ihr die Einrüstung des Turms. Das wäre natürlich kein besonders herzlicher Empfang für die Vögel – allerdings auch kein unüberwindliches Hindernis. Der Vogelkundige hat sich die ganze Sache genau angeschaut und kommt zu dem Ergebnis: Die Kirche muss gut kontrolliert werden, ob bereits ein Brutplatz besteht und im Sommer womöglich schon gebrütet wurde. Die Sanierungsarbeiten müsse das nicht verzögern, sagt Grabow, Wanderfalken seien so flexibel, dass sie für die Zeit der Arbeiten auswichen, und zugleich so ortstreu, dass sie danach zurückkehrten. Wichtig sei aber: „Der Gerüstaufbau muss vor der Brutzeit beginnen, sonst könnte ein Baustopp drohen.“ Sollte das Paar noch keinen Brutplatz eingerichtet haben, hätte Grabow Vorschläge, wo einer hinkönnte. Er bietet auch seine Beratung für den denkmalschutzgerechten Einbau an; damit hat er andernorts reichlich Erfahrung gesammelt.

Ingolf Grabow führt auch die Gesamtstatistik über Wanderfalken in Frankfurt und Umgebung. Wobei „Umgebung“ hier lediglich den Wetterradarturm Offenthal meint und einen Schornstein des Offenbacher Energieversorgers EVO. Denn Falken mögen es, wie erwähnt, sehr hoch, möglichst ähnlich hoch wie ihr ursprünglicher Lebensraum im Gebirge. Und da hat die Region nicht allzu viel zu bieten.

Für 2018 hat er 13 bis 14 Brutplätze ausgemacht, vom ältesten im Fernsehturm bis zum zuletzt ungenutzten in einem Nieder-Eschbacher Strommast. Es gibt beliebte Nistplätze auf dem Pylon der Sindlinger Infraserv-Brücke und im Schornstein des Niederräder Heizkraftwerks. Aus dem Kamin der Müllverbrennung in der Frankfurter Nordweststadt starteten bisher sage und schreibe 53 junge Wanderfalken ins Leben. Auch auf dem neuen Henninger-Turm ist eine Brutmöglichkeit installiert, bisher ohne Bewohner.

Grabow führt übrigens auch Statistik über die Frankfurter Mauersegler, diese kleinen Sommerboten und Flugkünstler, die zur bevorzugten Beute der Wanderfalken ... aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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