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Frankfurt S-Bahn-Stationen in miserablem Zustand

Dreckig, verschmutzte Wände, fehlende Deckenverkleidungen: Frankfurts S-Bahn-Stationen sind in einem miserablen Zustand. Die Stadt will der Deutschen Bahn nun einen Denkzettel verpassen.

Morbide Zustände an der Hauptwache. Foto: Martin Weis (3)

Der selbst gestellte Auftrag hieß: Mit geschärftem Blick durch die eine oder andere S-Bahn-Station in Frankfurt streifen. Es gab Momente, wie jenen beim Aufstieg aus der Unterwelt ans Tageslicht der Konstablerwache, in denen ich mir wünschte, ich würde die Aufgabe nicht gar so ernst nehmen. Es war nur zu erahnen, dass die metallene Wand der Rolltreppe irgendwann mal spiegelblank geglänzt hatte. Jetzt waren Spuren zu sehen, von denen ich nicht wirklich wissen wollte, aus welchen Tiefen menschlicher Organe sie ihren Weg an die Bande der Rolltreppe gefunden hatten, um hier dann eine der Schwerkraft folgende Schleimspur zu hinterlassen. Krass, aber wahr und gewiss kein Einzelfall.

Wer auf einem unterirdischen Bahnsteig das Auge nach oben richtet, der hat tatsächlich den Eindruck, einen Blick in die Düsternis zu werfen. Insbesondere auf den Stationen der S-Bahn-Hauptachse schauen die Reisenden in dunkle Deckenhöhlen. Konstablerwache, Hauptwache, Hauptbahnhof – überall fehlt die Verkleidung. Von der Decke sprießen dem Betrachter dünne Metallstäbe entgegen. Da muss irgendwann einmal die Verkleidung drangehängt haben, die Klimarohre, Elektroleitungen und andere technische Einrichtungen nett verdeckte und den heute vorherrschenden Eindruck der Kundschaft verhinderte, im Untergrund über düstere Baustellen zu wandeln.

„Furchtbar“, schreibt Anke W. „Erbärmlich“, nennt Angela L. diesen Zustand und beide FR-Leserinnen beklagen, dass Tauben sich zunehmend in den aufgerissenen Deckenkuppeln wohlfühlen, aber leider die sehr unangenehme Angewohnheit haben, ihre Hinterlassenschaft auf alles herabregnen zu lassen, was nicht schnell genug in Deckung geht. Das Thema Dreck, verschmutzte Wände und das größte Ärgernis – die oft schon jahrelang fehlenden Deckenverkleidungen – regen die Menschen mächtig auf. Und auch die Volksvertreter von links bis rechts im Verkehrsausschuss fanden am Dienstagabend den Zustand vieler S-Bahn-Stationen in ihrer schönen Stadt einhellig „vergammelt, einfach nur zum Weinen“. „Wenn wir in Gesprächen mit Bahnvertretern auf dieses Thema kommen , dann sind die immer schnell weg“, sagte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Die Stationen werden täglich gereinigt - doch das hilft wenig

Nur beim Jammern wollen es die Parlamentarier aber nicht belassen. Der Deutschen Bahn, die im Wesentlichen für die Unterhaltung der S-Bahn-Stationen zuständig ist, soll ein „Denkzettel“ verpasst werden. Wenn der Konzern nicht bald in die Gänge kommt, so der einstimmige Beschluss, dann soll der Magistrat über den RMV Druck ausüben und der DB schließlich den mehrere Millionen Euro hohen Zuschuss empfindlich kürzen.

Auf diese Drohung reagiert ein Bahnsprecher kurz und kühl: „Davon haben wir noch nichts gehört.“ Auf die anderen Vorwürfe hat der Konzern auf Anfrage der FR umfänglich reagiert. Die Entfernung der Deckenverkleidung sei aus brandschutztechnischen Gründen erfolgt, um mehr „Entrauchungsraum“ zu schaffen und so die Menschen im Falle eines Feuers besser zu schützen. Neue Decken einzuziehen, sei eine sehr komplexe Arbeit. Das dauere, weil nur in den etwa vier Stunden der Betriebsruhe gearbeitet werden könne.

Die Bahn mag der eine böse Bube sein, der andere sind Menschen, die ein schwer gestörtes Verhältnis zu ihren Mitbürgern und ihrer Umwelt haben. Im Hauptbahnhof musste (wochenlang) eine Rolltreppe stillgelegt werden. Das Absperrgitter empfanden Schmutzfinken wohl als Rampe zu einer Müllkippe.

Sogenannte Unterhaltsreinigungen gibt es nach Mitteilung der DB täglich in den Stationen. Wegen des Schmutzfaktors Mensch scheint das jedoch nicht wirklich zu nutzen. Hilfreich ist wohl nur: Nicht so genau hinschauen und schnell nach oben. Dort ist es allerdings leider an vielen Ecken und Enden auch nicht viel sauberer und schöner.

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