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Frankfurt-Rödelheim Zwei Kinos und sonst nichts

Hunderte Rödelheimer pilgerten einst regelmäßig in das Kino Tivoli in der Lorscher Straße. Doch das Frankfurter Kinosterben ging auch am Tivoli nicht vorbei - heute erinnert nichts mehr an das legendäre Lichtspielhaus.

30.12.2014 17:01
Hans-Ludwig Buchholz
Die Operettenverfilmung „Schwarzwaldmädel“ von Hans Deppe war als erster Film im Tivoli zu sehen. Foto: DIF/Sammlung Wollenberg

Für Rödelheim war das Tivoli wichtig, denn außer den beiden Kinos gab es ja hier nicht viel“, erinnert sich der Rödelheimer Manfred Söhns. Am 12. Oktober 1950 eröffnete der Kinobetreiber Friedrich Wollenberg mit dem Film „Schwarzwaldmädel“ das Tivoli in der Lorscher Straße 8 als sein drittes Filmtheater. Söhns war da gerade zehn Jahre alt und tief beeindruckt von dem neuen, modernen Kino.

Dort, wo sich nun ein Kinosaal mit über 500 Sitzen befand, war zuvor der Saal der Gaststätte „Deutscher Hof“ gewesen. Ein Umbau, der typisch für diesen Abschnitt der Frankfurter Kinogeschichte ist. In Rödelheim erinnerte ein Gartenlokal neben dem Ausgang des Kinos an der Rückseite des Gebäudes noch länger an die frühere Wirtschaft.

Die Vorderseite dagegen zeigte den Wandel deutlich. Der Eingangsbereich war der eines modernen Kinos, nicht der eines traditionellen „Deutschen Hofs“. „Das war ein ganz tolles Kino – eine breite Front mit großem Glaseingang; rechts und links hingen Schaukästen mit Filmplakaten“, erinnert sich Renate Söhns. Wie ihr Mann auch, erlebte sie das Kino als Kind am intensivsten. „Damals war ich fast jede Woche mit meinen Eltern dort“, sagt die heute 75-Jährige. „Das war schon sehr erhebend, etwas ganz Besonderes.“

Viele Rödelheimer seien so regelmäßig ins Kino gegangen. In der Hochzeit, um 1956, erhielt das Tivoli deshalb sogar zusätzliche Plätze und bot zeitweilig mehr als 600 Besuchern einen Stuhl. Und das trotz der nahen Konkurrenz. Gleich um die Ecke, in der Radilostraße 1, befand sich seit 1956 das Röli-Filmtheater. Schon zuvor hatte dieses etwas kleiner und unter dem Namen Rödelheimer Lichtspiele in der Burgfriedenstraße Filme gezeigt.

Vermutlich auch wegen dieser Konkurrenz versuchte der Tivoli-Betreiber, die Rödelheimer mit besonderen Veranstaltungen in sein Kino locken. Höhepunkte waren etwa ein 3D-Film oder eine nächtliche Vorführung des Streifens „Der dritten Manns“. Und auch an den Auftritt der Schauspielerin und Schlagersängerin Conny Froboess kann das Ehepaar Söhns sich noch erinnern. „Pack die Badehose ein“ habe sie damals gesungen, bevor ihr neuester Film gezeigt wurde.

Den Konkurrenzkampf zwischen den Kinos verlor dann zuerst das Röli. Um 1961 stellte es seinen Betrieb ein. „Zwei Kinos waren für Rödelheim zu viel“, sagt Hans-Joachim Anders, der im Heimat- und Geschichtsverein des Stadtteils aktiv ist. Mit dem allgemeinen Kinosterben in Frankfurt verschwand jedoch schon vier Jahre später auch das Tivoli. Ein Kaufhaus zog in der Lorscher Straße ein, erzählt Anders. Den ehemals hohen Kinosaal habe man dafür in zwei Etagen aufgeteilt.

Inzwischen befindet sich im vorderen Teil des Gebäudes eine Bankfiliale. Dort, wo sich früher die Kinokasse befand, stehen heute Geldautomaten. Im hinteren Teil des alten Kinos, da wo einst Leinwand und Sitze waren, ist heute ein Spielkasino. „Jetzt hat man überhaupt keinen Bezug mehr dazu – das ist alles so fremd“, kommentiert Renate Söhns den Wandel. Sie vermisst das Tivoli. Schließlich war es fester Bestandteil des Rödelheims ihrer Kindheit und Jugend.

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