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Frankfurt-Rödelheim Willkommensfest für Flüchtlinge

Das Fest ist gut gemeint, aber an der Massenunterkunft In der Au gibt es reichlich Kritik.

15.12.2016 07:40
Joel Schmidt
Beim Fest gibt es Namensschilder zum Kennenlernen und Kuchen zur Stärkung. Foto: Peter Jülich

Nach und nach füllt sich der Saal der Cyriakusgemeinde, es gibt Kaffee und Kuchen, alteingesessene Rödelheimer wie Bewohner aus den drei Flüchtlingsunterkünften kommen zusammen und unterhalten sich, von der Bühne ertönt eine Gitarre. Anlässlich des Einzugs von 120 Kindern und Erwachsenen in die Flüchtlingsunterkunft „In der Au“ Anfang November veranstaltet die Initiative „Willkommen in Rödelheim“ bereits zum dritten Mal ein Willkommensfest. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die in Rödelheim ankommenden Flüchtlinge Willkommen zu heißen und sie beim Ankommen zu unterstützen“, stellt Torsten Schulte die Arbeit der Initiative vor. Über 100 Menschen beteiligen sich in verschiedenster Weise an dem Projekt. So werden in Zusammenarbeit mit der Gruppe „Teachers on the road“ zwei Mal wöchentlich Deutschkurse in den Räumlichkeiten der beiden Rödelheimer Gemeinden angeboten, mit den Bewohnern der Unterkunft im Seegewann wird eine Fahrradwerkstatt betrieben, zudem gibt es eine Rechtsberatung.

Ursprünglich sollte die erste Massenunterkunft für bereits zugewiesene Flüchtlinge im Sommer bezogen werden. Aufgrund verschiedener baulicher Maßnahmen verzögerte sich der Umbau des ehemaligen Fabrikgeländes aber immer wieder. Bis zum Frühjahr sollen zusätzlich zu den jetzigen Bewohnern noch weitere 250 allein reisende Männer in einer der Fabrikhallen untergebracht werden. Die Aufnahmekapazität der ursprünglich für 500 Menschen geplanten Massenunterkunft wurde nach anfänglichen Protesten von der zuständigen Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) auf 400 begrenzt, der dadurch gewonnene Platz sollte für Sozial- und Gemeinschaftsräume zur Verfügung gestellt werden. Doch ob diese tatsächlich realisiert werden, ist laut Till, der sich ebenfalls in der Initiative engagiert, noch nicht entschieden. Nach Bekanntwerden der Pläne für die Massenunterkunft hatte die Initiative deutliche Kritik an der Unterbringungsform geäußert. Die in der Fabrikhalle nach oben offenen Wohnparzellen „bedeuten ein Leben ohne Rückzugsmöglichkeiten oder Privatsphäre“, hieß es in einem offenen Brief an die Sozialdezernentin. Zwar haben sich sowohl Birkenfeld als auch die Betreiber der Unterkunft stets offen für Kritik und Anregungen gezeigt, dennoch ist Till enttäuscht davon, dass von nahezu allen bisher getätigten Zusagen nichts umgesetzt worden sei. „Auch wenn die Arbeit unserer Initiative öffentlich noch so sehr wertgeschätzt wird, so schlägt sich das nicht unbedingt im direkten Verhalten uns gegenüber nieder.“

Hatte die Aufnahme der Flüchtlinge Anfang des Jahres noch für einige Diskussionen gesorgt, scheint sich die Stimmung im Stadtteil mittlerweile beruhigt zu haben. „Bisher haben wir keine negativen Anzeichen wahrgenommen, die Leute scheinen keine Probleme mit der Unterkunft zu haben“, berichtet Till abschließend.

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