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Frankfurt-Rödelheim Rödelheimer wehren sich gegen rechts

Nach der Schändung der Rödelheimer Gedenkstätte für die Opfer der Pogromnacht bildet sich in dem Frankfurter Stadtteil ein breites Bündnis gegen rechts. Die Mitglieder planen eine gemeinsame Gedenkveranstaltung.

Beschmiert: das Mahnmal in Rödelheim. Foto: Protestfotografie Frankfurt

Nach der Schändung der Rödelheimer Gedenkstätte für die Opfer der Pogromnacht hat sich im Stadtteil ein einmaliges Bündnis gegen rechts gebildet. „Rödelheim – gemeinsam gegen Nazis“ heißt der kollektive Aufruf.

Getragen wird er von einem Spektrum von Organisationen, das von der autonomen Szene bis zum Heimat- und Geschichtsverein reicht. Dabei sind die evangelische Cyriakusgemeinde, der Vereinsring, der Sozialverband VDK, die Parteien aus dem Ortsbeirat, aber auch Friedens-, Kultur- und Jugendinitiativen.

Am kommenden Sonntag, 13. November, wollen sich die Mitglieder dieses breiten Bündnisses um 16 Uhr zum gemeinsamen Gedenken am Mahnmal im Brentanopark versammeln.

Sie wollen es nicht zulassen, „dass aus unserer Mitte jüdische Bürger oder Menschen anderen Glaubens, anderer Herkunft und Kultur diffamiert, ausgegrenzt oder beleidigt werden“. Helga Dieter, Vorsitzende der Gruppe „Courage gegen Rassismus“, urteilt, dass die politischen Differenzen zwischen den einzelnen Parteien und Gruppen im Stadtteil angesichts des Angriffs auf die Gedenkstätte „an Bedeutung verloren“ hätten.

„Grenzlinie überschritten“

Viele Rödelheimer fragten sich fassungslos: „Wieso ist das ausgerechnet hier passiert?“ Noch bei der Kommunalwahl im März 2016 sei der Stadtteil stolz darauf gewesen, „dass die populistischen Scharfmacher keinen Zulauf hatten“.

Im Gegenteil habe Rödelheim 270 Geflüchtete aufgenommen. Das Mahnmal zur Erinnerung an der Zerstörung der Rödelheimer Synagoge war am 6. November 2015 eingeweiht worden. Die Gedenkstätte formuliert eine öffentliche Entschuldigung: „Wir ließen zu, dass aus unserer Mitte jüdische Bürger in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.“

So steht es auf einer Stele. Das Mahnmal war von Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils gestiftet worden. Eine Stele nennt die Namen der jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus Rödelheim, die Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft geworden waren.

Unbekannte hatten die Anlage in der Nacht vom 3. auf den 4. November mit weißer Farbe beschmiert und auf den Gedenkstein den Satz „Juden sind Verbrecher“ geschrieben. Mit dieser Tat sei „eine Grenzlinie überschritten“ worden, urteilt Helga Dieter. Die Gedenkstätte ist mittlerweile mit Blumen und Kerzen geschmückt.

Der Frankfurter Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) hatte den Ort besucht und die Tat verurteilt. jg

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