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Frankfurt-Rödelheim Kritik an Fabrikhalle

Im Mai sollen die ersten Flüchtlinge in die Unterkunft In der Au ziehen. Die Initiative „Willkommen in Rödelheim“ verschärft die Kritik an der Massenunterkunft. Quartiersmanagerin Heike Hecker geht von einer hohen Belastung für Flüchtlinge und Anwohner aus.

In diesem Gebäude soll ein Begegnungsbereich entstehen. Foto: peter-juelich.com

Wenige Wochen bevor die ersten Flüchtlinge das Lager In der Au in Rödelheim beziehen sollen, verschärft die Initiative „Willkommen in Rödelheim“ (WiR) die Kritik an der Massenunterkunft. 400 Menschen möchte die Stadt dort für bis zu fünf Jahren unterbringen, 275 alleinreisende Männer sollen in alten Fabrikhallen leben. Aus humanitären Gründen sei die Unterbringung nicht tragbar, schreibt WiR.

Die Halle wird durch provisorische Wände in rund 30 Quadratmeter große Einheiten unterteilt, die sich bis zu sechs Männer teilen. Da die Wände dünn und nach oben offen sind, werden Geräusche zu hören und Licht zu sehen sein. „Diese Wohnform bedeutet ein Leben ohne Rückzugsmöglichkeiten oder Privatsphäre“, schreibt die Initiative in einem offenen Brief an das Sozialdezernat. Sie fürchten psychische und physische Schäden bei den Betroffenen. Ein soziales Leben im Inneren sei kaum möglich.

Quartiersmanagerin Heike Hecker geht von einer hohen Belastung für Flüchtlinge und Anwohner aus. „Aber man muss erst einmal schauen, wie sich das entwickelt.“ Entstünden Konflikte, müsse man sehen, wo gegengesteuert werden könne und wofür die Strukturen der Unterkunft verantwortlich seien. Betreiber, Stadt und die Nachbarschaftshilfe haben eine wöchentliche Sprechstunde eingerichtet, um Probleme direkt angehen zu können. Da das Gelände In der Au groß ist und es im hinteren Bereich Freizeitflächen gebe, müsse man zunächst abwarten, wie und wo die neuen Mitbürger ihre Freizeit verbringen wollten, so Heckert.

Die WiR-Initiative forderte die Stadt in dem Offenen Brief auf, Alternativen zur Hallenunterbringung zu prüfen, etwa Container oder kleine Modul-Häuser. Kolja Müller von der Stabstelle Flüchtlingsmanagement sagte, dass eine Massenunterkunft mit derart vielen Männern in einer Fabrikhalle nicht Wunsch der Stadt sei. „Aber uns sind die Hände gebunden.“ Jeden Tag würden verschiedene Möglichkeiten geprüft, eine bessere Lösung gebe es nicht. Dennoch biete das Areal mehr Privatsphäre als es derzeit in Turnhallen möglich sei. „Wir hoffen, dass die Männer sich nur zum Schlafen und Essen in der Halle aufhalten und sonst draußen aktiv sind“, sagt Müller.

Bevor die bis zu 275 Männer einziehen sollen, sollen zunächst Frauen, Kinder und Familien untergebracht werden. Ursprünglich sollten die ersten 24 Betten in einem separaten Gebäude auf dem Gelände im März bezugsfertig sein, doch die Bauarbeiten verzögerten sich. Die Stabstelle Flüchtlingsmanagement geht nun davon aus, dass die ersten Bewohner im Mai einziehen werden. Laut dem Betreiber Johanniter seien die Arbeiten in der finalen Phase. „Wir werden sehen, ob wir zunächst Bedarf für besonders schützenswerte Frauen oder für Familien haben“, sagt Müller. Er hofft, dass der Familientrakt für rund 100 Menschen im Juli bezugsfertig sein wird. Im Anschluss werde die Fabrikhalle ertüchtigt.

„Ich denke, für die Stimmung im Stadtteil ist es ganz gut, dass die Bewohner nach und nach kommen“, sagt Quartiersmanagerin Hecker. Nach verbalen Ausschreitungen auf einer CDU-Veranstaltung im Januar, wurde bei einem Info-Abend einen Monat später sachlich über die Unterkunft, die nun den Namen „Ambrosius Höfe“ trägt, diskutiert.

Heckert glaubt, ihr Stadtteil ist bereit für die neuen Bewohner. „Im sozialen Bereich und mit Freiwilligen sind wir gut gerüstet.“ Für die Infrastruktur – Schul- und Kitaplätze etwa – müsse die Stadt sorgen. „Da ist noch nichts vorbereitet, weil wir noch nicht wissen, wer zu uns kommt.“

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