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Frankfurt-Riederwald Ein unkonventioneller Typ

Pfarrer Fred Balke von der Philippusgemeinde koordiniert die Flüchtlingshilfe im Osten der Stadt. Mittlerweile gibt es an jedem Wochentag ein Angebot.

Fred Balke ist in den 80er Jahren vom katholischen zum evangelischen Glauben konvertiert. Foto: Andreas Arnold

Auf dem Tisch von Pfarrer Fred Balke liegen Schokolade, Briefe und ein gelber Ausweis. „Fahrradpass“ steht darauf, mit seiner Unterschrift darauf betätigt Balke, dass der Besitzer sein Fahrrad von der Philippusgemeinde geschenkt bekommen hat. Den Pass bekommen Flüchtlinge, die sonst kaum mobil sind. Eine Herzensangelegenheiten des Riederwälder Pfarrers. Er hat in seinem Stadtteil einen der aktivsten Arbeitskreise zum Thema Asyl initiiert.

Mittlerweile gibt es an jedem Wochentag ein Angebot für Flüchtlinge und Riederwälder in der Philippusgemeinde. Außer der Radwerkstatt gibt es Sprachunterricht in Kooperation mit der Initiative Teachers on the Road und den Mittwochstreff, zu dem bis zu 60 Geflüchtete kommen. Ein spezieller Deutschkurs für Mütter ist in Planung. Die Erfahrungen im Stadtteil seien positiv, sagt Sigrid Rudolph, die Gemeindesekretärin: „Es kommen mehr und mehr Menschen, die mitmachen wollen. Sogar aus Enkheim bekommen wir Anfragen.“

Rudolph besucht die Tandemgruppe am Mittwoch, weil es ihr Spaß macht, nicht weil es zu ihrer Arbeit gehört. Hier wird zusammen gespielt, dabei komme man ganz schnell ins Gespräch. So schnell, dass viele Menschen dann auch ihre Sorgen thematisieren oder offiziellen Briefe mitbringen, die sie sich erklären lassen. Aus diesem Grund sei der Mittwochstreff mittlerweile um ein Beratungsangebot erweitert worden, sagt Pfarrer Balke.

Die Gemeindesekretärin betont: „Das besondere ist, dass alle Treffen offen sind. Um mitzumachen, muss man nicht konfessionell gebunden sein. Herr Balke organisiert und die Gemeinde stellt viele der Räume.“ Ohnehin hat Balke eine entscheidende Rolle im Riederwald. Seit 2002 ist der sportlich wirkende Mann mit dem wilden Lockenkopf, Pfarrer vor Ort.

„Pfarrer werden, das war eigentlich der letzte Plan“, sagt der 60-Jährige und lacht. Am liebsten wäre er Gemeindepädagoge geworden. Balke hat eigentlich die katholische Laienausbildung durchlaufen, hätte also katholischer Pfarrer werden können. Aus politischen und teils liebesbedingten Differenzen konvertierte er jedoch Mitte der 80er Jahre zum evangelischen Glauben. „Mit der Beziehung zu meiner Frau und meinem damaligen Engagement für eine katholische Oppositionsbewegung in Chile war ich nur bedingt gern gesehen in der katholischen Kirche“, sagt er.

Balke setzt in seiner Arbeit darauf, der Gemeinde Freiraum zu lassen. Die meisten Konzepte zur Flüchtlingsarbeit wurden von den Aktiven selbst erarbeitet. „Ich habe nur die Fäden zusammengeführt und auch mal Stopp gesagt“, so Balke. Er ist pragmatisch, statt alles als Gemeinde selbst zu stemmen, kooperiert er mit anderen Trägern. In der von ihm initiierten Flüchtlingshilfe Riederwald arbeiten Arbeiterwohlfahrt, muslimische Gemeinden, die katholische Kirche, Atheisten und weitere Personen zusammen.

„Gerade für ältere Gemeindemitglieder ist meine Vorgehensweise erst einmal ungewöhnlich gewesen“, sagt Fred Balke. Aber er glaubt an sein Konzept. „Klar, es kommt darauf an, woran wir Erfolg von Gemeindearbeit messen“, sagt er. Die Besucherzahl seiner Gottesdienste unterscheide sich nicht vom üblichen Kirchenmaß, sagt er lachend, in dem Fall sei er also weniger erfolgreich. „Aber wenn man schaut, wen wir erreichen und was wir zusammen leisten, kann unsere Arbeit durchaus als erfolgreich gelten.“

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