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Frankfurt-Riederwald A66 „Jede Form des Protests hilft“

Inge Wendel (SPD) kämpft für mehr Schutz vor der neuen Autobahn. Sie fordert eine komplette Einhausung der neuen Trasse inklusive des neuen Autobahndreiecks Am Erlenbruch.

04.09.2014 14:53
Von Luis Reiß
Seit Jahren demonstrieren die Riederwälder für mehr Lebensqualität – auch die Kinder gehen auf die Straße. Foto: Christoph Boeckheler

Frau Wendel, der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir war im August zu Gast im Riederwald, stand den Einwohnern Rede und Antwort zum Tunnelbau. Konnte er die Angst vor Lärm und Luftverschmutzung lindern?

Seine Botschaft war: „Ich bemühe mich, bin aber nicht allmächtig“. Das ist mir zu wenig. Ich wünsche mir, dass er als Minister mehr die Initiative ergreift. Jahrelang waren die Grünen maßgeblich am Protest gegen die Autobahn beteiligt und haben an unserer Seite gekämpft. Dafür ist er jetzt sehr zurückhaltend. Minister sollten Schaden vom Volk abwenden. Mit den unzureichenden Lärmschutzmaßnahmen verstößt er dagegen.

Seine Behörde Hessen mobil liegt im Streit mit den Bürgerinitiativen. Warum?

Weil bei den Proberammungen festgestellt wurde, dass die gesetzlichen Vorgaben, zum Beispiel für Lärm, nicht eingehalten worden sind, von den Erschütterungen ganz zu schweigen. Bei den Anwohnern hat das Geschirr im Schrank gewackelt. Außerdem sind beide Infoveranstaltungen in diesem Jahr mit den gleichen Inhalten und Präsentationen abgelaufen.

Wie lief die Kommunikation mit dem Minister?

Wir hatten das Bedürfnis direkt mit dem Minister Al-Wazir zu sprechen und nicht erst in der letzten halben Stunde. Ich würde mir mehr Raum für Diskussionen wünschen. So haben manche Zuhörer irgendwann dazwischengeredet, andere sind frustriert gegangen. Manchmal kann für Diskussionsrunden auch ein kleinerer Rahmen mit verschiedenen Anwohnervertretern sinnvoller sein als gleich den ganzen Stadtteil einzuladen.

Der Tunnelbau lässt sich nicht mehr verhindern. Die Diskussion um den Schutz der Anwohner wird von gegenseitigen Vorwürfen bestimmt. Was fordern sie als SPD-Ortsverband konkret?

Das ist ganz einfach: Wir wollen eine komplette Einhausung der neuen Autobahntrasse inklusive des neuen Autobahndreiecks Am Erlenbruch. Auch in München und Hamburg gibt es Einhausungen. Das zeigt: trotz knapper Kassen wählen andere Großstädte diese Alternative, weil sie mehr Schutz bietet. Diese Forderung hat auf unsere Initiative hin zuletzt auch die SPD im Römer eingebracht. Meine persönliche Idee wäre: Warum lassen wir nicht die Studenten an der FH nach einer günstigen und kreativen Lösung suchen?

Ist die komplette Einhausung denn überhaupt eine realistische Forderung?

Wissen Sie, ich beschäftige mich mit dem Riederwaldtunnel seit der ersten Idee in den 1970er-Jahren. Damals sollte die Autobahn noch über der Erde verlaufen. Es wurde kein einziger Gedanke an Lärmschutz verwendet. Dass wir jetzt zumindest teilweise Schutzmaßnahmen haben, ist dem Protest der Menschen vor Ort zu verdanken. Die Lehre aus der Planung des Riederwaldtunnels lautet doch: Wenn man sich nicht wehrt, wird nichts zum Schutz der Anwohner unternommen.

Mit anderen Worten: Sie raten die Menschen im Riederwald im Extremfall zur Klage?

Gegen den Bau der Autobahn und für den Schutz vor Lärm und Abgase klagen können sie nur, wenn ihr Privateigentum betroffen ist. Das heißt, sie müssen eine Wohnung in der Nähe der neuen Trasse besitzen. Anwohner der Lauterbacher Straße in Fechenheim-Nord klagen, Anwohner aus Bornheim und natürlich aus dem Riederwald. Grundsätzlich hilft aber auch jede andere Form des Protests weiter.

Glauben sie, dass der Tunnel den Riederwald langfristig entlasten wird, wie es die Verkehrsplaner versprechen?

Das entscheidende Nadelöhr wird aus meiner Sicht die Abfahrt am Ratsweg werden. Die soll in ihrer jetzigen Form auch das erhöhte Verkehrsaufkommen durch den neuen Tunnel bewältigen. Wenn es dort häufig zu einem langen Rückstau kommt, werden die Menschen ganz schnell den Erlenbruch wieder als Ausweichstrecke nutzen. Deshalb muss der Riederwald nach Fertigstellung des Tunnels dringend verkehrsberuhigt werden.

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