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Frankfurt-Riedberg Wenn Blinde Fußball spielen

Damit Kinder ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, blind Fußball zu spielen, bietet der Riedberger Sport- und Kulturverein einen speziellen Workshop an.

Beim Workshop kickten die Kinder mit Augenbinde. Foto: Peter Jülich

Voy. Voy. Voy. Die Rufe schallen durch die Sporthalle der Grundschule Kalbach. „Ich komme“, heißt das. Und bedeutet, dass sich die gegnerischen dem ballführenden Spieler nähern. Es ist die einzige Möglichkeit, dass sie auf sich aufmerksam machen können. Denn die 14 Kinder des Riedberger Sport- und Kulturvereins schlüpfen am Donnerstagabend in die Rolle von Blinden.

„Die Kommunikation ist sehr wichtig, denn als Behinderter bin ich auf das Team angewiesen“, erklärt Thorsten Picha. Er ist Inklusionsbeauftragter des Hessischen Fußballverbands und leitet den einmaligen Workshop beim Riedberger SV. Der 53-Jährige kennt sich aus, ist er doch Trainer einer Handicap-Mannschaft beim SV Teutonia Köppern, dem sogenannten „Team United.“

Seit 50 Jahren gibt es den in Brasilien erfundenen Blindenfußball, seit zehn Jahren auch in Deutschland. Inzwischen existieren eine Nationalmannschaft und eine Bundesliga. Gespielt wird mit einem mit Rasseln gefüllten Spezialball. Alle Spieler – bis auf die beiden Torwärte – tragen Augenbinden. Jede Mannschaft verfügt über einen Guide, der hinter dem Tor steht und Anweisungen gibt. Etwa: „Noch zehn Meter!“ Oder: „Schieß!“

Für Ferdinand ist es das erste Mal, dass er mit verbundenen Augen Fußball spielt. „Das ist schwerer als gedacht“, sagt der Achtjährige und hat Angst, gegen einen Mitspieler zu prallen. Nicht ohne Grund: „Man weiß nie, wo man hinläuft“, erklärt der neunjährige Leon das schwierige Unterfangen.

Insgesamt 13 Jungs und ein Mädchen wuseln in der Turnhalle an der Talstraße umher. Die Füße stehen in einer V-Form, „so wie bei einem Pinguin“, erklärt Thorsten Picha. Und warum? „Damit der Ball dort reinrollt und liegen bleibt.“ Die Sieben- bis Zwölfjährigen sind mit Eifer bei der Sache. „Masken auflassen“, ruft Gabriele Nagel immer wieder. Die Erste Vorsitzende des Riedberger SV hatte die Idee zu dem Workshop, den Picha immer dann anbietet, wenn Vereine auf ihn zukommen.

RSV erweitert sein Angebot

Durch den Kurs sollen die Kinder lernen, sich in die Situation von Behinderten hineinzufühlen, wie Nagel erklärt. Nicht ohne Grund: „Behinderte gehören bei uns selbstverständlich dazu“, sagt die Vereinsvorsitzende. „Wir möchten, dass Kinder mit Beeinträchtigung einfach mitmachen können.“ So wie in einer Fußball-Inklusionsgruppe, die sich jeden Donnerstag auf dem Bolzplatz hinter der Grundschule Riedberg trifft. Von den zwölf Teilnehmern sind derzeit vier behindert. Dazu gehören ein Autist und ein Kind mit Down-Syndrom.

Da die Sportgruppe für behinderte und nichtbehinderte Kinder zu voll wird, will der RSV sein Angebot ausweiten. Geplant ist, vor den Sommerferien eine weitere Fußballgruppe für Sieben- bis Zwölfjährige zu gründen. „Uns kommen immer die Tränen, wenn wir hören, wie viele erfolglose Versuche die Eltern mit Handicap-Kindern unternehmen, damit ihr Kind Sport machen darf“, sagt Nagel. „Sie sind dann ganz überrascht, dass sie bei uns offene Türen einrennen.“

Etwa 180 Mitglieder hat der im vergangenen Jahr gegründete Riedberger SV. Rund 30 regelmäßige Gruppenangebote bietet er an – von Nordic Walking über Thai-Boxen bis hin zu Handarbeitskursen. In der kommenden Woche soll ein Kindertanzkurs für Drei- bis Siebenjährige starten – mit Elementen aus Hip-Hop und Breakdance.

Mehr Infos zum Verein gibt es unter www.riedberger-sv.de. Kontakt zum Inklusionsbeauftragten des Hessischen Fußballverbands per Mail an: tpicha@hfv-hochtaunus.de. Telefon: 0 17 81 40 31 08.

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